09 Oktober 2011

Ich bin unzumutbar



Na, das ist mal gar keine schlechte Samstagsofferte der generell sehr empfehlenswerten Kaffeerösterei Torrefaktum in der Bahrenfelder Straße im schönen Altona: ein Caffé Latte samt Cookie für kundenfreundliche drei Euro.

Für einen Süßschnabel wie mich klingt das so überzeugend wie ein Pferdekopf im Bett, allerdings mit einer kleinen, doch wichtigen Einschränkung: Milch im Kaffee ist mir ähnlich lieb wie ein Knilch im Separée, ein Pilz im Pils, ein Gegentor in der Nachspielzeit … na ja, Sie haben bestimmt längst verstanden, was ich meine.

Deshalb ersuche ich den Mann hinterm Tresen um die ersatzweise Lieferung eines doppelten Espressos zum Cookie. Diese Bitte aber fällt zu meiner Überraschung bei ihm nicht gerade auf fruchtbaren Boden. Das 3-Euro-Angebot, erklärt er mir, umfasse eine feste Fügung, nämlich ausschließlich Caffé Latte mit Cookie.

Aber, erläutere ich ihm nach einem Blick auf die Preisllste, der Doppio sei doch sogar 50 Cent billiger als der Caffé Latte. Wenn er also die von mir modifizierte Variante servieren würde, erhöhte das seinen Gewinn, und er hätte mich dabei nicht mal übers Ohr gehauen, denn ich wollte es ja nicht anders.

Der Torrefaktummann aber ist keineswegs überzeugt von meinen Argumenten. Er mault und hadert, er grummelt und murrt – um sich am Ende dann doch noch zu erbarmen und über die eigentliche Unzumutbarkeit meines Wunsches, ihm einen halben Euro zu schenken, huldvoll hinwegzusehen.

Manchmal verstehe ich die deutsche Dienstleistungsgesellschaft immer noch nicht, und zwar auf eine durchaus ähnliche Weise, wie ich den Text des abgebildeten Graffitos im alten Real-Parkhaus nicht verstehe.

Aber ich arbeite weiter an beidem – unermüdlich, wie es nun mal meine Art ist.

Kommentare:

  1. Rätsel 1 glaube ich lösen zu können:
    Für das spezielle Kombiangebot gibt es einen Aktionscode für die Kasse und wenn er was anderes verkauft und zum Aktionspreis bucht, stimmt am Abend schlicht und ergreifend die Abrechnung nicht, weil die computergesteuerte Kaffeeausschankmaschine unerbittlich darauf besteht, dass die Buchung Nr. 12.436 KEIN Latte war.

    Rätsel 2 ... hmm ...

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  2. Dann plädiere ich für eine Rückkehr zu manuellen Registrierkassen. Ihr Sound ist eh besser.

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  3. Oh ja! Und Schreibmaschinen!
    .............. *KLING* - *RATSCH*

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  4. Abhängigkeiten von Computern führen zu manchen skurillen Situationen. Mich schickte einmal, am Tag, als ich ein Krankenhaus verlassen durfte, ein Arzt schnell runter zur Rezeption, damit ich mich noch vor den magischen 9:00 Uhr als stationärer Patient würde austragen lassen dürfen.Leider musste ich dort etwas über 20 min warten, bis die vor mir aus- oder auch anzumeldenden Patienten abgefertigt waren. So war es exakt 9:03 Uhr, als die Dame hinterm PC meinen Namen eingab. Da sollte ich noch einen weiteren Tag bezahlen. Ich wies die Dame darauf hin, dass ich ja heute entlassen werden würde und gar nicht einsehe, warum ich einen Tag länger berappen solle. Sie meinte, ich sei zu spät. Ich: Ja ich steh ja hier schon 20 min. Sie: Ja das wisse sie, aber gegen den Computer könne sie nichts machen.
    ?????????????
    Mein Angebot, mich an die Tastatur zu lassen, um die Dinge zu regeln und ihr zu zeigen, wie sie mit derartigen Problemen in Zukunft umgehen könne, lehnte sie leider ab.

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  5. Nihilistin15:13

    @inchtomania: Ich will ja nicht klugscheißen - aber sind Sie sich sicher, dass Sie die Zeit wirklich hätten manipulieren können? Unabhängig davon, was das KH für eine Softwarearchitektur im Einsatz hat?
    Unser SAP z.B. würde mir was husten, wenn ich das versuchen würde. Wir reden ja hier nicht über simple Systemzeiten oder ähnliche "Hausmannskost". Grundsätzlich könnten Sie natürlich mit entsprechenden Admin-Rechten die zuständigen SAP-Tabellen verändern...aber ich glaube nicht dass Sie dazu das Recht erhalten hätten :-)

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  6. Wäre mir in dem Fall völlig Latte (ohne Caffé)gewesen ob SAP oder sonstwas, die Dame hätte das Problem alleine lösen müssen. Schon schlimm genug, dass man die Wartezeit bei Hotlines bezahlen muss, für echte Warteschlangen zahlt sicher niemand freiwillig.
    @ Matt, ob das Angebot den Gewinn erhöht hätte ist fraglich, oder kennen Sie die Kalkulation des Ladens? Möglicherweise konnten die große Mengen billiger H-Milch importieren, sagen wir mal aus Japan, während beim Doppio ausschließlich diese teuren Bohnen zum Einsatz kommen, die den Gewinn so schmälern.

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  7. @Nihilistin
    Diese Begebenheit ist nun einige Jahre, fast könnte man von Jahrzehnten sprechen her. Da gab es SAP, so wie wir es heute kennen, noch nicht. Computer hielten damals gerade Einzug in die Kliniken und ich hatte gerade einige Monate damit zugebracht, den Damen der Personalabteilung beizubrigen, dass derselbe bei Gewitter nicht explodiert(Ja, ich bin eine vielseitige Menschin)

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  8. vielleicht ist es auch eine mischung aus da-könnt-ja-jeder-kommen und wehret-den-anfängen. man stelle sich nur vor: einer der gäste bekäme mit, dass hier extrawürste - verschärfenderweise auch noch gerne - gebraten werden; dass das latte + cookie angebot für nur 3 euro mit nahezu allen erdenklichen kaffeevarietäten oder gar tee, orangenektar und bionade kombiniert werden kann, wenn man nur höflich genug danach fragt.
    wo, bitte schön, kämen wir denn da hin?

    oder ist der mannn italiener? das würde alles ändern, denn dann wäre es ein aufbegehren wider den kulturrelativismus und -nihilismus, denn zum espresso gehören biscotti und keine (starbucks-/mcdonalds-/subways-/böserglobalerkonzernnachwahl-)cookies!!

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