31 Mai 2010

Wie die Faschisten mit meiner Hilfe doch noch ihr Fett abkriegten



Micah P Hinson kommt aus Abilene, Texas, und er sieht aus wie der gemeinsame Stiefbruder von Woody Allen, Alfred E. Neumann und Elvis Costello: ein dürrer Bursche mit Segelohren und übergroßer Hornbrille.

Außerdem ist er einer meiner liebsten Singer/Songwriter überhaupt, was allerdings keine Mehrheitsmeinung ist, sonst wären heute Abend kaum nur rund 20 Leutchen ins Beatlemania-Museum an der Reeperbahn gekommen, um Hinson spielen zu sehen.


Besonders bewegend finde ich seinen Song „Dying alone“, den er für seine Frau schrieb, die während seines Vortrags still am Fenster saß und sich am Ende des Stücks gewissermaßen selbst beklatschte.


Leider war ich später die Ursache für einen kleinen Disput zwischen den Eheleuten, als ich Hinson fragte, ob der Slogan auf seiner Gitarre wirklich „This machine kills facists“ heißen solle, wobei mir die Vokabel „facist“ völlig unbekannt sei (was aber ü.b.e.r.h.a.u.p.t. nichts heißen will).


Er bekannte, natürlich „fascists“ gemeint zu haben, doch seine Gattin für die Verschriftlichung des Slogans zuständig gewesen und somit verantwortlich für das fehlende s sei. Dann wandte er sich an die Frau, für die er „Dying alone“ geschrieben hatte, und beklagte sich über den Rechtschreibfehler (den er aber ehrlich gesagt auch selbst hätte bemerken können), ehe er sich wieder mir zuwandte, um mir seinen aufrichtigen Dank auszusprechen.


Wenn also bei den
nächsten Hinson-Konzerten, für die ich hiermit eine dringende Besuchsempfehlung ausspreche, der klassische Woody-Guthrie-Spruch korrekt geschrieben auf seiner Gitarre auftaucht und er damit den Faschisten europaweit die Hölle heiß macht, dann ist nur einer dafür verantwortlich: moi.

Und das macht mich „ein Stück weit“ (M. Sammer) stolz.


PS: Da es „facist“ im Englischen (noch) nicht gibt, würde ich hiermit gerne eine Neueinführung initiieren, und zwar mit der Bedeutung „Hackfresse“.


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Kommentare:

  1. nachbar00:26

    dolle musik!!

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  2. Joshuatree21:20

    Ich kannte "Dyin´ alone" bis jetzt nur in der orchestralen Version - aber leider fehlt mir die Zeit, eines seiner kommenden Konzerte außerhalb dieser unserer Republik zu verfolgen...

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  3. Aber Italien liegt doch bei Ihnen umme Ecke!

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  4. Joshuatree00:18

    Klar - Hanseaten denken, man fährt zwischen Mannheim und Mailand glatte zehn Minuten...

    tbh & btw: Dieses Konzert hätte ich auch gerne gesehen.

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  5. Nein, nein, ich weiß, dass es mindestens 20 sind.

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  6. Ich kannte Dyin' Alone bis jetzt überhaupt nicht, ebenso wenig wie Micah P. Hinson. Dem Video nach zu urteilen ist das eine krasse Wissenslücke, die ich ab morgen aktiv bekämpfen werde. Hiermit sei Dank gesagt für den Tipp, sowie Ihren unerschütterlichen Kampf gegen den Faschismus.

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  7. Joshuatree22:11

    Mein Lieblingssong von ihm ist übrigens "Drift off to sleep".

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  8. Oja, zum Niederknien!

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  9. Joshuatree00:13

    Und natürlich "I keep havin` these Dreams". Man müsste Peter Gabriel für das nächste Scratch-my-Back-Album informieren - ich bin sicher, Gabriel würde fündig. Mich würde dann auch interessieren, welchen Song er von ihm arrangierte und intonierte...

    Aber ich schweife wieder ab ;-)

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