02 Mai 2010

Das Beinahende der Oliver-Pocher-Show



Erbte ich zufällig eine Hotelkette, so böte ich direkt nach Bett, Klo und Dusche als viertes Killerfeature jedes Zimmers freies WLAN an, und zwar noch vor Minibar und Pornos.

Da ich die Maritim-Kette zufällig noch nicht geerbt habe, ist das hier aber anders, und das Hotel räumt T-Mobile die Lizenz zum Schröpfen ein. Acht Euro pro Stunde will der rosa Wucherer fürs drahtlose Web – und kriegt sie natürlich nicht, zumindest nicht von mir.

Beim Maritim hat man schlicht noch nicht begriffen, dass viele Gäste ihr Hotel danach aussuchen, ob sie nach Lust und Laune im Internet surfen können. Doch auch dieses altehrwürdige Familienunternehmen wird irgendwann im 21. Jahrhundert ankommen, da bin ich mir sicher.

Lautsprecher neben dem Bett gibt es jedenfalls längst, und die wurden vergangene Nacht gegen halb 3 hochaktiv. Zunächt gab es einen Alarmton, der uns aus dem Tiefschlaf unvermittelt in eine kerzengerade Sitzhaltung zwang. Dann sagte eine Stimme ungefähr das:

„Es gibt ein technisches Problem, bitte verlassen Sie SOFORT das Hotel. Benutzen Sie NICHT die Aufzüge.“

Wortlos zogen wir uns an, trotteten raus auf den Flur und folgten schweigend einem vierschrötigen HipHop-Fan mit Kapuzensweatshirt, weil er den Weg zum Treppenhaus zu kennen schien.

Draußen röhrten die Sirenen. Als wir ins Atrium kamen, wo die Leute zusammenströmten, rasten drei Feuerwehrautos im vollen Ornat heran. Vorm Hotel versammelten sich die Gäste in illustren Kombinationen. Manche (die von der Tanz-in-den-Mai-Party) im kleinen Schwarzen, andere (die dem Tiefschlaf entrissenen) im Bademantel.

Die Feuerwehr stürmte das Hotel, lief mal hier-, mal dorthin, beriet sich flüsternd mit Sicherheitsleuten und kam schließlich zu dem Schluss: Fehlalarm. Ein übereifriger Feuermelder, der auch mal was sagen wollte.

Die mit dem kleinen Schwarzen trollten sich, die mit den Bademänteln auch, und wir erst recht. Als wir die Rolltreppe nach oben betraten, kam uns Oliver Pocher samt Entourage entgegen. Reichlich spät, Junge, dachte ich. Wäre es kein Fehlalarm gewesen, gäbe es im deutschen Fernsehen jetzt eine Lateshow weniger.

Ob das ein Verlust wäre, müssen andere entscheiden.

PS: Das Foto zeigt ein dekoratives Spargelfeld in der Umgebung – am Morgen, nachdem das Maritim Köln doch nicht abgebrannt ist.

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Kommentare:

  1. Anonym10:30

    Einem geschenktem Gaul, schaut man nicht ins Maul !

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  2. Nils die Maus10:59

    Es hat sich ein Fehler in Ihrem Text versteckt. Es fehlt ein Buchstabe. Ein Konsonant, um genau zu sein. Den dürfen Sie aber selbst suchen.

    Ich frage mich, warum Herr Pocher in einem kölner Hotel absteigt, wo er doch, so vermag ich zu wissen, in, oder um Köln herum, wohnt.

    Naja, soll mir aber auch egal sein. Hauptsache, er ist da.

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  3. Anonym11:29

    Naja, vielleicht wollte Herr Pocher mal ohne Frau und Kinder unterwegs sein, der Scherzkeks. Nur schade, das ich persönlich das MHD dieses Kekses schon seit langer Zeit als abgelaufen empfinde. Aber das ist Geschmackssache.

    Gruß,

    A.Nonym

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  4. werd ich gleich mal meinem brandschutzfachmannmann erzählen.
    tut gut, zu lesen, irgendwie, als säße frau gemütlich beim frisör und hätte reichlich heiße luft um die ohren....unterhaltsam also auf jeden fall.
    gruß von sonia

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  5. Der jungen Mutter wünscht man ja nicht wirklich den Verlust des Kindsvaters,ansonsten kann Herr Pocher von mir aus gerne zumindest den Fernsehtod sterben.
    Dank umfangreicher Flatrates der Dame mit dem wehenden Kleid kann mir jegliche Internet-Abzocke zum Glück herzlich egal sein.

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  6. Anonym21:25

    Da hat sich die Eventabteilung der Maritim-Kette aber mächtig Mühe gegeben.
    Respekt !!

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  7. Anonym, 10.30 Uhr: Ich schaue jedem Gaul ins Maul (statt mich von nie hinterfragten Sprichwörtern gängeln zu lassen).

    Anonym 11.29: Bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube Pochers Tusnelda war an seiner Seite.

    Frau Wildgans, für uns war es letztlich auch unterhaltsam – weil erstaunlicherweise keine Panik aufkam, obwohl wir ja vom Ernstfall ausgehn mussten. Es war einfach zu spät in der Nacht, um sich aufzuregen.

    Frau Momo, Sie haben eine mobile Webflatrate bei der Dame? Ich nur einen Surfstick bei derselben, aus Sparsamkeit bzw. Geiz.

    Anonym 21.25: Das habe ich auch gedacht. Vor allem parallel zur Alarminszenierung auch noch einen Toppromi zu buchen, das hat einfach Stil und Klasse.

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