15 November 2009

An einem ganz normalen Sonntag

Vor der Fischmarktbude steht eine weißhaarige und -häutige Schaufensterpuppe, deren Kopf und Haare sich kaum abheben vom Hintergrund. Ich zücke die Kamera.

„Fünf Euro pro Foto“, scherzt der hinzutretende Budenbesitzer, der gerade am Abbauen ist. „Nur wenn mich die Dame selbst darum bittet“, kontere ich in einem extremst raren Anfall von Schlagfertigkeit, der deshalb auch sofort verbloggt werden muss, um mich hinfort daran zu erinnen, dass ich es wirklich einmal war: schlagfertig.

Jedenfalls komme ich um die fünf Euro herum, denn die Dame bleibt stumm. Im Gegensatz zu diesem schmerbäuchigen Riesen bei Penny an der Reeperbahn, der seine Halbglatze mit kragenlangen fettigen Ringellöckchen zu kompensieren versucht. Er steht in der Kassenschlange und wird von einem alten Graukopf mit Schiebermütze und drei Tetrapacks unterm Arm angesprochen.

Es ist nicht zu hören, was der Alte sagt, doch klar ist: Er möchte angesichts seiner überschaubaren Einkäufe gern vorgelassen werden. Was der schmerbäuchige Riese antwortet, ist drei Schlangen weit zu hören. „Die Antwort ist ein ganz klares Nein!“, schnappt er. Dabei schaut er schräg unter sich. „Ein ganz klares Nein!“

Der Alte murmelt etwas und trottet den Gang hinab, ans Ende der Schlange – vorbei an dem Mittdreißiger mit Bandana und Ziegenbärtchen, der gerade einen unrasierten Mann in seinem Alter anspricht. „Sach ma, kann ich das ma kurz in deinem Wagen zwischenlagärn?“

Umstandslos wuchtet er seine Einkäufe in den Wagen des Fremden, ohne eine Antwort abzuwarten. Der Überrumpelte ist hilflos, denn er telefoniert gerade. Wortfetzen wehen herüber „… Ware angekommen … überprüft … das ist bei der Ware so … kümmer mich drum …“

Pennygeschichten. Solche Dialoge hört man bei Edeka nie. Vor allem nicht innerhalb von drei Minuten.


Kommentare:

  1. Anonym00:16

    Wo Sie gerade bei orthografischen Katastrophen waren:

    Auch wenn es inzwischen in der Umgangssprache angekommen ist, ist 'extrem' (laut Duden die 'äußerste Grenze, größtes Maß, höchster/niedrigster Grad, Höchstmaß; (bildungsspr.): Maximum') eigentlich nicht steigerbar.

    Und 'wahr' schreibt man hier ohne 'h'.

    Nix für Ungut!
    /korinthenkackermodus

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  2. Mein wilde Hoffnung, die unmögliche Steigerung möge als Stilmittel erkannt werden, hat sich soeben extremst zerschlagen.

    Das „war“ habe ich hingegen korrigiert, danke dafür.

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  3. Joshuatree01:06

    btw: Barbie hatte niemals Sex und wird auch keine Kinder kriegen. Ken hat auch keinen Penis.

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  4. Anonym08:38

    @ Joshuatree:

    Die anatomische Nachlässigkeit bei der Gestaltung von Ken ist doch bestimmt dem Gender Mainstream geschuldet.

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  5. ottoerich09:05

    "Bandana" musste ich nachschlagen, hier das Ergebnis: http://tinyurl.com/yhvlrzp

    Spricht man wohl so aus wie es geschrieben wird, hoffe ich. Betonung auf Silbe 2?!

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  6. Olaf20:15

    Und Janis J. hat mit mächtiger Stimme unter anderem von derdiedas (?) äh - also the, genauer: "my dirty red bandana" gesungen, als sie mit Bobby McGee unterwegs war.
    Meine Güte bin ich alt.

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  7. Dieses Wort habe ich einst auch durch diesen Song kennengelernt (den übrigens Kris Kristofferson geschrieben und ebenfalls gesungen hat).

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