01 November 2009

Datenschutzgründe!



Trotz Mailbestätigung stehe ich mal wieder nicht auf der Gästeliste.

Nicht dass ich darauf bestünde, bei jedweder Anfrage stets auf ein begeistertes „Natürlich! Komm vorbei! Welche Farbnuance präferierst du beim Roten Teppich?“ zählen würde, zumal ein Konzertbesuch – gerade einer, der mit meinem persönlichen Geschmack disharmoniert – letztlich ja so etwas wie Arbeit ist.

Ich kann mir wahrlich interessantere Freizeitbeschäftigungen vorstellen, als um Mitternacht mit besoffenen berufsbegeisterten Promotern halbtaub Smalltalk halten zu müssen. Doch wenn ich schon mal die Bestätigung erhalten habe, möchte ich auch gerne draufstehen auf der Gästeliste; schließlich habe ich mir extra dafür den Abend reserviert, anstatt mit Ms. Columbo essen zu gehen oder einen besonders ausführlichen und eventuell endlich mal unterhaltsamen Blogeintrag zu verfassen.

Doch nein, hier, kurz vorm Treppenhaus des Uebel & Gefährlich, steh ich nun, und die eigens für zuständig erklärte Hupfdohle hinterm provisorischen Pult bescheidet mir nach dreimaligem Drüberschauen mit nur halb gespielter Verzweiflung meine undisputable Absenz auf der Gästeliste. Ich könne ja, schlägt sie mit aufrichtigem Mitgefühl vor, den Veranstalter anrufen, um die Sache zu klären. Dessen Telefonnummer aber habe ich zufällig nicht dabei. Sie auch nicht.

Also wende ich mich an einen der beiden Sicherheitsmänner, die mich eh schon skeptisch beobachten. Immerhin kann es sein, dass die narzisstische Kränkung, die zwingend mit einer überraschenden Absenz auf der Gästeliste einhergeht, zu sozial inkomptabiblen Verhaltensweisen wie Motzen oder Massakern führt. Jedenfalls spreche ich den Sicherheitsmann an und bitte ihn um die Telefonnummer des Veranstalters.

Der Sicherheitsmann schaut wie die Sphinx von Giseh, ehe er sagt: „Die kann ich Ihnen nicht geben. Datenschutzgründe.“

Datenschutzgründe. Peter Schaar wäre begeistert, ich indes nicht. Wenn ich hier nicht reinkomme, ist der Abend gelaufen, nichts anderes lässt sich sinnvoll noch alternativ beginnen und beenden, dieses Konzert muss es sein, sonst bleibt nur Motzen oder Massaker. Datenschutzgründe!

Jetzt mischt sich sein Kollege ein, Sicherheitsmann Nr. 2. „Ich rufe ihn an“, sagt er. Interessant. Doch interessanter noch als diese frappierend gandhieske Geste eines Menschen, dessen Qualitäten mir bisher zuvörderst physiologischer Natur zu sein schienen, ist seine Begründung dafür.

„Ich habe“, sagt er mit entschuldigender Färbung, „eine Flatrate.“

Er hätte mir also andernfalls nicht einmal die Chance gegeben, ihm die circa 23 Cent in bar zu erstatten. Das Konzert ist dann übrigens nur mittelmäßig, und als ich es deutlich vor den Zugaben wieder verlasse, drücke ich mich zwischen Gästelistenhupfdohle und Sicherheitsmännern hindurch, als müsste ich ein schlechtes Gewissen haben.

Dafür hätte ich mich eigentlich links und rechts ohrfeigen sollen, doch zu Hause vorm Spiegel war dieser Gedanke bereits wieder in weite Ferne gerückt.


Kommentare:

  1. Joshuatree00:17

    "als um Mitternacht mit besoffenen berufsbegeisterten Promotern halbtaub Smalltalk halten zu müssen."

    Wahrscheinlich ein "Halloween-Konzert" - gab es keine wenigstens halbwegs keltischen Samhain-Events in HH? Hat keiner mehr Chuzpe dafür?

    AntwortenLöschen
  2. Das Konzert ist schon ein paar Tage her. An Halloween bleibe ich praktisch immer zu Hause – und höre allenfalls ein Album von Ween.

    AntwortenLöschen
  3. Anonym15:46

    selberschuld

    AntwortenLöschen
  4. Diese Treppe ist für Nichtleichtathleten die Hölle (Stairway To Hell) und grundsätzlich nur mit Sauerstoffgerät auf dem Rücken und ausgedruckter Mailbestätigung auf der Tasche zu besteigen.

    AntwortenLöschen
  5. Die Treppe ist leider nur sicht-, aber nicht besteigbar. Allerdings bietet das Ü&G eine probate Alternative namens Lift. Sogar mit Liftboy!

    AntwortenLöschen
  6. Doch, wohl ist die Treppe besteigbar. Also, manchmal. Wenn der Einlass nicht über das Haupttreppenhaus erfolgt. Und wenn die Sphinxen einen guten Tag haben. Dann. Ansonsten: was Richard sagt.

    AntwortenLöschen
  7. Olaf20:10

    Eine sehr ähnliche Treppe findet sich im Gebäude der Staatsanwaltschaft Hamburg (die ist manchmal auch übel und gefährlich, Kaiser-Wilhelm-Straße 100), wo bis vor einigen Jahren das Sozialgericht und Landessozialgericht untergebracht waren. Dort fehlen allerdings diese Suizidverhinderungsgitter.
    Aber nun mal ehrlich: Ich bekäme auch Locken (ööhm, Entschuldigung Herr Matt), wenn irgendjemand meine Telefonnummer (bzw. um diese Uhrzeit wohl Handynummer) an einen mir Unbekannten gäbe - die Lösung von Nr. 2 ist da schon besser. Unabhängig von der Flatrate sollte es für einen Wächter aber schon sein.

    AntwortenLöschen
  8. Olaf, es ging ja nicht um einen Unbekannten, sondern um den sehr wohl bekannten Matt, der von eben jenem Veranstalter eigentlich auf die Gästeliste hätte geschrieben werden sollen, was dieser Wuselkopf allerdings trotz Mailzusage versäumt hatte. Der Anruf war also berechtigt, aber so was von. Hat ja dann auch sofort geklappt.

    AntwortenLöschen