25 September 2007

Das Wort der Woche

Ein rustikales Neustädter Gästehaus mit angeschlossenem Weingut hat viele handfeste und flüssige Vorteile, die ich hier nicht näher aufzählen möchte, doch es hat auch ein entscheidendes Manko: "W-LAN" hält man hier höchstens für den westlichen Teil eines hessischen Flusses, der durch Wetzlar und Gießen fließt.

Zum Glück aber gibt es selbst in Neustadt schon Internetcafés, wenngleich mit überschaubaren Öffnungszeiten. Wenn Ms. Columbo und ich gegen 22.30 Uhr bestens gelaunt eine der höchst gastlichen Pfälzer Speisewirtschaften verlassen, fällt das in der Regel zusammen mit der soeben erfolgten Schließung des Loginlokals.

Abendliches Bloggen fällt also schwer, wie regelmäßige Leser gestern Abend schmerzlich erfahren mussten, und wer mir zurzeit Mails schickt, wird hoffentlich seine bald aufflammende und sehr verständliche Missbilligung ob meines Schweigens mit diesen schwierigen Bedingungen hier vor Ort entschuldigen.

Als ich es vorgestern dennoch während der knapp bemessenen Geschäftszeit ins Webcafé schaffte, durfte ich gar mit meinem eigenen Laptop online gehen. Erstaunlicherweise entpuppte sich das mir offerierte W-LAN aber als gänzlich ungeschützt. Kein Passwort war erforderlich, eine schlichtes OK genügte, um mich einzuloggen.

Dazu freilich wäre es, wie mir bald aufging, gar nicht nötig gewesen, den Laden kostenpflichtig zu betreten. Ich hätte mich einfach davor auf den Gehsteig hocken und lossurfen können, ohne dem naiven Geschäftsinhaber seinen moderaten Halbstundenobolus von einem Euro entrichten zu müssen.

Nicht, dass ich ein derart entehrendes Verhalten einpassen könnte in mein mir selbst oftmals korsettartig vorkommendes ethisch-moralisches Weltbild. Doch man darf ja mal ein wenig sardonisch vor sich hin spinnen.

Mein Laptop ist übrigens trotz alledem zum wichtigsten Reiseutensil geworden. Bei Ms. Columbo ist es hingegen etwas ganz anderes: nämlich ihr Linsenstöpselaufbewahrungsbehälter.

Genau der liefert mir übrigens auch schon jetzt mein Wort der Woche – und nicht das völlig enigmatische „Flurförderzeuge“, das ich illegalerweise im Mercedes-Werk Rastatt fotografieren konnte.

Kommentare:

  1. Anonym14:47

    Als mein "Wort des Monats" gilt aktuell das echte , nicht ausgedachte Mehrzonentonnentaschenfederkernmatratze. (Linsenstöpselaufbewahrungsbehälter erscheint mir konstruiert.)

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  2. Olaf16:51

    Früher gab es auch die Zonenrandförderung. Aber ohne Zeugen. Dann ist es bei Mercedes eben jetzt der Flur.
    Und Herr Matt: Ms. C. hat keinen Behälter für Linsenstöpselaufbewahrungsbehälter ? (ich formuliere das jetzt so, um das Wort Linsenstöpselaufbewahrungsbehälterbehälter nicht verwenden zu müssen).
    Die Zeiten ändern sich offenbar.
    Und Herr anonym: Gibt es nicht Verpackungen für die Mehrzonen... - na, Sie wissen schon. Und wie heißen die dann ?

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  3. Lieber Matt,

    manchmal schaue ich auf die Rückseite der Reeperbahn und jetzt bin ich überrascht hier die Pfalz zu finden. Dies umso mehr, als ich nicht weit vom Schauplatz der beschriebenen Ereignisse lebe und die ethnografischen Reisebeschreibungen aus dem Blickwinkel der Reeperbahn sehr treffend und unterhaltsam finde. Übrigens: die Pfälzer verbrüdern sich nicht nur gerne und umstandslos. Sie sind auch Meister der Verkürzung. "Linsenstöpselaufbewahrungsbehälter" käme ihnen nicht über die Lippen. Orte deren Namen zu lang sind, verkürzen sie auf die unbedingt notwendige Buchstabenfolge. So wird Kerzenheim zu Kerzrum und Hettenleidelsheim wird zu Hettrum. Schade, dass Mannem nicht auf deinem Reiseplan steht. Wenn Du schon nicht meine derzeitige Heimatstadt Mannheim besuchst, so lade ich dich herzlich ein, meinen Blog zu besuchen. Du wirst Dich schnell zurechtfinden, denn in dieser Hinsicht, soviel läßt sich sagen, sind wir uns sehr ähnlich.

    http://der-fliegende-teppich.blogspot.com/

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  4. @Olaf: Ich vermute, das nennt man dann hmhmhm-umhülle.

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  5. Anonym, der Linsenstöpselaufbewahrungsbehälter gehört zu Ms. Columbos gängigem Sprachgebrauch, vor allem auf Reisen. Von wegen ausgedacht!

    Reinhard, ich lese und schreibe das hier just aus dem Bahnhofsgebäude in Mannheim, wo ich der Telekom horrende Beträge in den Rachen werfe für den Webzugang. Wegelagerer, elende. Das Blog schaue ich mir natürlich alsbald mal an.

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  6. Horion01:02

    Lieber Herr Matt,

    reden wir hier über diese bunten Plastiksaugstifte (auch ein nettes Wort) die weniger geschickte Zeitgenossen verwenden, um ihre Kontaktlinsen aus den Augen zu pfrimeln? - Etwas anderes fällt mir dazu nämlich nicht ein...

    Verzweifelt fragend in die Runde schauend
    Horion

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