15 September 2007

Matt im Lomi-Lomi-Land



Gemüsehändler Thorsten erweckt nicht gerade den Eindruck, als besuchte er abends nach dem Pastinakenverpacken noch Bachblütenkurse oder forschte intensiv nach seinem Wurzelchakra.

Es ist also eher der Gutmütigkeit dieses sympathischen St. Paulianers zu danken, dass bei ihm am schwarzen Brett alle möglichen Angebote esoterischer Natur hängen dürfen – und nicht umstandslos und zu recht dort landen, wo auch verschimmelte Avocados im (seltenen) Bedarfsfall ihre letzte Ruhe finden.

Während ich mich in der Warteschlange auf den freitäglichen Raukekauf vorbereite, gewahre ich daher u. a. ein schriftlich hinterlassenes Angebot zur „Aus- und Weiter Bildung zum Lomi Lomi Nui Practitioner“. Wer jetzt stirnrunzelnd stutzt, muss sich Ignoranz vorwerfen lassen; denn dabei handelt es sich natürlich um eine spezifische Ausprägung der berühmten hawaiianischen Tempelmassage. Dämmert’s jetzt?

Für günstige 400 Euro (drei Wochenblöcke à 40 Stunden) ermöglicht es der Kurs jedem Teilnehmer, sich hinfort selbst seinen Lebensunterhalt als „Traditioneller Hawaiianischer Lomi Lomi Nui Körperarbeit Practitioner“ verdienen zu können, zertifiziert natürlich.

Noch während ich die Vor- und Nachteile dieser Ausbildung abwäge (immerhin ist auch Persönlichkeitsentwicklung wesentlicher Bestandteil, und daran gebricht es mir noch immer erheblich), fällt mein Blick auf das konkurrierende Kursangebot einer gewissen Ruth Arens (rechts).

Die recht männlich wirkende Bubikopfasketin bietet nichts weniger als Wildgans-Qigong. Nein, nicht etwa nur Kranich-Qigong, Lungen-Qigong oder Stilles Qigong. Sondern Wildgans-Qigong, und da sind alle anderen Qigongs auch mit drin.

Doch was macht das denn eigentlich, das Wildgans-Qigong?, frage ich mich im Stillen interessiert. Und entnehme dem Prospekt Verheißungsvolles, während ich in der Schlange zentimeterweise vorrücke Richtung Raukekauf. Wildgans-Qigong nämlich entspannt und dehnt den gesamten Körper; wobei beides für manchen Körperteil nicht immer zum optimalen Gebrauch führt, aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Zudem verspricht die Arens eine dank Wildgans-Qigong auch noch verbesserte Verdauung und Sehfähigkeit. Noch beim Raukekauf wird mir klar: Nach Absolvation dieses Kurses könnte ich besser kucken und kacken.

Und dagegen ist ja nun wirklich überhaupt nichts zu sagen.

Kommentare:

  1. Stefan07:05

    Nicht zu vergessen soll Wildgans-Qigong bei Mattigkeit, Schlaflosigkeit und Bluthochdruck helfen. Du siehst also auch anschließend besser, was du kackst. http://www.innere-kraft-64.de/wildgans_qigong.htm

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  2. Nie wieder 'n Krampf in der Hand beim Petting.
    Soweit ist mir das verständlich.
    Warum das Wissen erst mit 70 Jahren verraten
    werden darf, und wie ich 16 Stunden durchhalten
    soll, ist mir schleierhaft.
    Sowohl auf'm Klo als auch in umarmender Seitlage.
    Oder sehe ich das zu eng?

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  3. German Psycho12:31

    Wie gut, daß dank der Rechtschreibreform nun auch die Alliteration „kucken und kacken” Beifall finden kann, anstatt daß sie mit roter Farbe als fehlerhaft gebrandmarkt wird.

    Ich glaube übrigens, daß Thorsten weniger altruistisch als mehr praktisch veranlagt ist: Schließlich braucht er ja auch irgendetwas, in das er seine Avocados einwickeln kann.

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  4. „Kucken“ ging schon immer, zumindest regional. Und für eine gute Alliteration würde ich sogar Sangria saufen.

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  5. German Psycho14:13

    Ich hingegen sogar den Wein weglassen.

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  6. Ich mich mit Bier betrinken.

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  7. kuckende Anna19:46

    Ich hab immer "kucken" geschrieben und wurde dafür
    verspottet,
    verhöhnt,
    verpönt und
    verlacht!

    Und das mit der Alliteration hab ich auch nie gekonnt!
    Ich Wurm ohne Wissen!

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  8. Sie salbadernde Selbstbewusstseinslose!

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  9. Branna01:00

    Ja, und zudem brisante Braut brünftiger Bräutigamkommentatoren.

    Das war jetzt ein Insider.
    Herr GP hätte den jetzt verstanden!

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  10. German Psycho01:39

    GP genießt gute, grandiose, geradezu giagntische geniale Gags gleichermaßen gleichmütig wie Waldi warme Würstchen.

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  11. hausmeisterin03:20

    Also, wenn ich mal unterbrechen darf, ich muß was loswerden: diese Tusnelda auf dem Bild sieht aus wie der junge Mark E. Smith!!!!!

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  12. Sie denken auch immer nur an das Eine! (bzw. den Einen)

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