06 Oktober 2006

Rosen in der Ritze

Beim Zechen mit Joshuatree und German Psycho im Herz von St. Pauli, der Ritze und Gretel und Alfons gehen unterwegs die Rosen verloren, die ich spontan bei einem fliegenden Händler für Ms. Columbo erstanden habe.

Genauer gesagt: Ich vergesse die Blumen in der Ritze, wo die platinblonde Drohne von Wirtin sich als besonders geschäftstüchtig erwiesen hatte (auf ihre Frage: „Noch drei Bier?“ antwortete GP besänftigend „Langsam“, woraufhin sie praktisch sofort drei Bier servierte – die wir widerstandslos akzeptierten.)

Zum Glück macht mich nach dem Ende der Zechtour joshuatree per SMS auf die verlorenen Rosen aufmerksam, woraufhin ich mich lange nach Mitternacht noch mal aufs Rad schwinge – und einen fulminanten Beweis für meine Orientierungslosigkeit abliefere.

Denn ich finde unfassbarerweise die Ritze nicht mehr.

Rauf und runter radle ich die Reeperbahn, und was präsentiert sich mir? Ein Tabledanceschuppen nach dem anderen, hochmotivierte Koberer, Hotdog-Läden, Polizisten im Einsatz, „Amazing grace“ grölende Penner – aber keine Ritze, nirgends.

Erst bei der dritten, inzwischen verzweifelten Durchfahrt entdecke ich sie; sie hat sich hämisch versteckt am Ende eines Seitengässchens, das seit dem Rosenvergessen mindestens um den Faktor 3 schmaler geworden ist.

Die Wirtin aber weiß schon Bescheid. Sie hat die Rosen verteidigt wie eine Löwin ihr Junges. „Da wollten schon viele ran“, erklärt sie stolz und saugt an ihrer Zigarette, dann wickelt sie die Blumen in eine Serviette und überreicht sie mir mit einer Anmut, die mir vorhin, als sie uns die drei unverlangten Biere hinklatschte, gar nicht aufgefallen ist.

Ein versöhnlicher Abschluss eines sowieso versöhnliches Abends, wie Joshuatree und German Psycho sicher bestätigen werden.

Sofern sie sich noch daran erinnern können.

Kommentare:

  1. Matt, ich muß zugeben, daß Sie - anders als Sie es immer darstellen - die Biere doch irgendwie besser weggesteckt haben als ich.

    Ich habe dafür tatsächlich noch den überreichten Dreck probiert - nach dem Hesburger - und festgestellt, daß er trotz Zimtgeschmacks nicht schlecht ist. Äh - war.

    Netter Abend, in der Tat. Auch, wenn ich feststellen mußte, daß ich meinen St.-Pauli-Kapuzenpulli lieber vorher hätte waschen sollen...

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  2. Ich muss zugeben, dass der Kapuzenpulli im Kiezschummerlicht sehr passabel aussah. Allerdings ist meine Brille nicht mehr die neuste.

    Was das Besserwegstecken angeht: Wer hat denn die Rosen in der Ritze vergessen und dann die Ritze nicht mehr gefunden - wer denn, hm?

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  3. Und wer hat gelallt? Na?

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  4. Das kann ja wohl nicht mithalten. Lächerlich.

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  5. Da hab ich scheintsgar was verpaßt, hätt ich doch die Pillen absetzen sollen.

    Der Mormonenbaum liegt wohl noch in sauer?

    Empfehlung an GP: aufgrund dieses Berichts und obiger Kommentare bitte nächstes Mal die silberne Axt ein Haus weiter abgeben zur Aufbewahrung. Scheiße, wenn die weg wär!

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  6. Keine Sorge lieber Opa, er residiert bereits wieder in seinem kurpfälzischen Domizil und dankt der Deutschen Bahn AG für die freundliche Bewirtung mit mehreren Litern Mineralwasser während seiner Rückreise ...

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  7. Astrid00:52

    bei der nächsten Suche nach "der Ritze" einfach laut rufen, dann leuchten wir den Weg, denn wir sehen den Eingang vom Wohnzimmerfenster aus. :-)

    Im Gegenzug erbitte ich dann Wegweiser zur Post, denn die suche ICH immer in der falschen Ecke. :-(

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  8. Ritze gegen Post: Klingt wie ein fairer Deal!

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