05 Dezember 2005

Die Tanzhalle

Dass die Tanzhalle „Tanzhalle“ heißt, ist ungefähr so, als würde man die Londoner Royal Albert Hall „Engtanzschuppen“ nennen. Der Club ist echt klein, wahrscheinlich der kleinste auf dem Kiez.

Er liegt in der Silbersackstraße, und um von der Seilerstraße unbelästigt von einschlägigen Damen dorthin zu gelangen, muss ein Plan her.
Dazu gehört essentiell das Fahrrad. Aus mehreren Gründen: weil es a) nur mäßig regnet, b) schneller geht und c) die unterwegs trotz der Umgehungsroute eventuell lauernden Abfangjägerinnen es schwerer haben mit Opfern, die unterwegs sind wie der Blitz.

Ich radle also die Seilerstraße hinab, biege am Hamburger Berg links ein und dann rechts in die Reeperbahn, folge ihr bis zur S-Bahn-Station und überquere sie an der Fußgängerampel. Somit habe ich die hochneuralgischen Punkte Davidstraße und Hans-Albers-Platz, wo die Gefahr sich vielbeinig ballt, links liegen gelassen.

Jetzt kann ich ungestört die Silbersackstraße hochfahren, wo die Tanzhalle liegt.
Dort spielen heute Abend zwei Gitarren-Bands, Film School und The National, und wären sie schon größer und berühmter, würden sie höhnisch lachen über die Tanzhalle und sich lieber ums Ausschlürfen bretonischer Austern kümmern. So aber ist man als Zuschauer nirgends weiter als sechs, sieben Meter von den Musikern weg.

Das geht natürlich auf die Ohren; ich verkrümele mich daher ans hintere Ende des Raumes, wo zugleich der Tresen aufhört. Und dort auf der Anrichte entdecke ich dieses Arrangement aus Flasche, Spieß und grobem Zucker im Glas. Auch im größten Lärm ist eben Platz für ein Stilleben.


Große Musik, die heute durch den iPod floss: „Neon lights“ von Kraftwerk, „This wheel's on fire“ von The Byrds und „In love with a view“ von Mojave 3.


Kommentare:

  1. Nicht zu vergessen die beiden Bordsteinschwalben die unten an der Silbersackstraße stehen. Aber die beiden kennen mich schon und wissen das ich in selbiger Straße wohne. Zufälliger weisse war ich gestern abend auf Gegenbesuch in der Seilerstraße und habe dort in der "Schanke" (???) mit einem Freund gegessen und danach noch im East (da wohnt er momentan) einen Cocktail geschlürft. Soweit so gut ;)

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  2. "Schanke"? Hmm, muss ich mal recherchieren. Im East sitzt es sich cocktailtechnisch ganz vorzüglich – vor allem in der Lounge mit den Sitzquadern.

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  3. Hachje... The National hätt ich gern gesehen!

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  4. ole, das war auch gar nicht einfach mitzukriegen, denn selbst die dusselige Tanzhalle selber kündigte auf ihrer Homepage die Band „Grand National“ an – und die kommt aus England und spielt was ganz anderes. Doofer geht's ja wohl nicht.

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  5. Das East ist mir in seiner unfreundlich-mondänen Art irgendwie unsympathisch. Ich halte arrogante Kellner für ein Zeichen von Zweitklassigkeit, hervorragende Restaurants sollten freundliche Kellner (idealerweise mit Ausbildung, anders als im East) haben.

    Egal. Wollt nur zeigen, daß ich immer noch mitlese ;-9

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  6. Naja wenn man direkt am Tresen sitzt im East hat man nicht wirklich viel mit den Kellnern zu tun. Aber ich fand 5 Euro für ein Tequilla arg teuer

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  7. Gebe Ihnen recht. Als ich das East kennenlernte, saß ich auch nur in der Bar, in diesen von Matt so treffend gelobten Sitzquadern.

    Meine Kritik bezieht sich zwar ausschließlich auf das Restaurant, aber irgendwie wurde mir der ganze Laden dadurch unsympathisch.

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  8. Wie fließt es eigentlich in die Wertung des East ein, dass Ludenboss Carsten Marek ausgerechnet dort verhaftet wurde – positiv oder negativ?

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  9. Gute Frage. Eigentlich ändert es die Bewertung nicht. Da es sich nicht um die normalerweise übliche Stammklientel handelt, kann ich darauf weder positive noch negative Rückschlüsse auf den Laden ziehen.

    Allerdings bestätigt es ein ganz klein wenig, daß der Laden eine etwas zu „trendige“ Werbestrategie verfolgt.

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