Manchmal aber reicht schon ein zufällig belauschter, aus jeglichem Zusammenhang gerissener Gesprächsfetzen, um nicht auf die bloße Erörterung von Ereignislosigkeit zurückgreifen zu müssen.
Heute zum Beispiel begegnete ich einem mittelalten Paar. Es verließ vor mir das Bürogebäude ganz in der Nähe der fotografierten Ampel, und er sagte zu ihr: „Geh bitte auf meiner rechten Seite. Ich habe links noch Blut im Ohr.“
Ihre Antwort verstand ich schon nicht mehr, doch sein Satz hallte lange in mir nach. „Ich habe links noch Blut im Ohr.“ Wahrscheinlich gibt es Schriftsteller, deren innere Assoziationsmaschine sofort explosionsartig eine ganze komplexe Story, eine Lebens-, Liebes- oder Krimigeschichte herunterratterte, nur wegen dieses einen Satzes.
Bei mir ist das anders: Der Satz „Ich habe links noch Blut im Ohr.“ gibt mir schlicht mehr zu denken, als mir lieb ist. Und das reicht auch für einen Blogeintrag.