02 Juli 2008

Tannenzapfenzupfen (9)

(Foto via FHS Holztechnik)


V
iel zu lange pausiert nun schon die recht beliebte Fundstücke- und Gammelsprechrubrik. Dabei fliegt mir doch weiterhin genug verbloggbares Zeugs zu, nicht nur diese strunzdumm-fröhliche Eigenwerbung einer Zeitschrift:

„Hier das neueste Update der aktuellen ,Mädchen’-Ausgabe, inklusive Ehrenmorde und einem Guide, wie ihr in sieben einfachen Schritten ein Meth-Labor in ein Terrarium umwandelt.“ Vor allem das heitere Anpreisen der Ehrenmorde in unmittelbarer Gesellschaft einer Terrariumsbauanleitung ist irritierend, oder geht’s nur mir so?

Hier kommen weitere Beispiele IQ-gedimmter und naturbelassener Promotexte aus der Musikbranche, die man so niemals erfinden könnte. Ohren zu und durch:

1. „Es sind Gefühle im Innern, die in mir das Verlangen auslösen, einen Song schreiben zu wollen. Das fließt direkt aus dem Herzen heraus. Nicht aus dem Kopf, sondern aus den Eingeweiden.“ Die anatomisch nicht sattelfeste Sängerin Lou Rhodes über das etwas anrüchige Geheimnis ihrer Kreativität.

2. „Der Schlagzeuger drischt auf seinen Schrottplatz ein, dass man sicher ist, er verspeist Kleinkinder zum Fruehstueck. Das alles macht soviel Spass wie schon lange nichts mehr!“ Ja – aber nur Hannibal Lecter.

3. „Wie ein Ninja, der auf dem Hochhaus sitzt und konzentriert zum letzen mal die Klinge seines Schwertes prüft und küsst und sie dann in eine Nazi Demo gleiten lösst und ein romantisches, farbenfrohes Blutband purer Formvollendung anrichtet! Ein Feuersturm der totalen Übernahme bereitet sich in Flensburg vor um loszuschlagen!“ Ein Blutband. Aus Flensburg. Alles klar.

4. „In bester Tradition von Helden wie Cult Of Luna, Isis und Neurosis, aber dennoch mit einer angenehmen Eigenständigkeit läuten TEPHRA mit ,A Modicum Of Truth’ den Weltuntergang ein.“ Immerhin mit angenehmer Eigenständigkeit, was die Apokalypse viel erträglicher macht.

5. „Mal wieder nur mit schlechten Spruechen die Hintertuer bekritzelt und mit schelmischer Miene an der Bar den Barkompasen von Barcorde und von der Baerenjagd erzaehlt. Barnanas! So wie es frueher war.“ Ein Rätsel, dieser Text. Er geriet dem Schreiber zu einem Alliterations- und Binnenreimdelirium, das nur mit der exzessiven Einnahme von Barbituraten erklärlich ist.


Man gerät fast in die Stimmung für einen Ehrenmord. Aber vielleicht bau ich doch lieber das Terrarium um.

Was bisher geschah: 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1




Kommentare:

  1. German Psycho09:05

    Bei 3. mußte ich schon wegen der Kompositadiskriminierung dreimal lesen, bevor ich verstand, daß eine Nazidemo gemeint war.

    5. hingegen finde ich ganz famos. Wunderschön, wie er den zweiten Satzteil, der ja in der Tat hirnrissig ist, durch den ersten subtil erklärt ("mit schlechten Sprüchen (...) bekritzelt").

    Und was die Ehrenmorde betrifft: Ich glaube, da hat ein Satiretexter das falsche Magazin erwischt. Ich meine, so furchtbar ernst ist es ihm sicherlich auch mit dem Meth-Labor nicht, oder?

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  2. ich weis nicht warum mich 5. so an einen Ex-Kanzler erinnert....

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  3. dein_koenig18:00

    Da ist wohl mehr als nur der IQ gedimmt. So ist also die Musikbranche.

    Matt wie hältst du das aus, hilft da die Mrs oder die Freunde wie GP und co. oder nur der Alkohol?

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  4. Äh, wie Gammelsprechrubrik schon aussieht, grässlich. Das ist ja nicht auszuhalten. Herr Matt. Gibt's denn da nix von hmhmhm?!

    Und: Wenn ich mir eine Identität auswählen möchte, wird mir eine vorgeschlagen, die so heißt wie ich, aber eine emailadresse hat, die ich noch gar nicht kenne, aber immer schon gern gehabt hätte. Nanunana?

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  5. GP, mich beschäftigt an Nr. 5 seither „Barnabas“. Wer ist das? Was will er? Diese Grübeleien werde ich nicht mehr los.

    Aquil in LA, ich weiß erst recht nicht, warum sie Nr. 5 an einen Ex-Kanzler erinnert. Aber vielleicht kommen Sie ja noch drauf.

    dein_koenig, wie man an solchen Einträgen sieht, habe ich mich entschlossen, das alles mit Humor zu nehmen. Zum Glück verfüge ich über eine gehörige Portion davon.

    Frau Tante, Sie bringen jetzt ganz neue Problemfelder ins Spiel, als wenn die aufgeführten Gammelsprechkunststückchen nicht schon genug davon hinterlassen hätten. Auf all Ihre Fragen weiß ich jedenfalls keine Antworten, nicht eine einzige.

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