09 Mai 2008

Die Tücken des Einzelhandels

Freitag ist Einkaufstag. Ich stehe bei Real an der Schnellkasse. Man qualifiziert sich dort fürs Anstehen, indem man höchstens zehn Artikel im Wagen hat. Ich habe zwar elf darin, doch jeweils mehrere von einer Sorte, so dass sich das Gesamtsortiment nach meiner Rechnung auf lediglich fünf beläuft.

Klingt logisch. Gleichwohl bin ich auf einen knappen Disput mit der Kassiererin eingestellt. Soweit sind wir aber noch lange nicht, denn die Schnellkassenschlange entwickelt die Dynamik eines Grönlandgletschers. Die Schlangen an den Kassen links und rechts (die man analog eigentlich „Langsamkassen“ nennen müsste) ziehen mühelos an uns vorbei.

Starke Indizien für die Öffnung einer weiteren Zahlstelle in unmittelbarer Nähe nehme ich zwar wahr, traue ihnen aber zunächst nicht über den Weg, und als die Indizien zu Beweisen werden, ist es zu spät: Geier sonder Zahl haben sich bereits vor mir aufs neue Opfer gestürzt.

Mein Platz soll also offenkundig hier sein, in der Schnellkassenschlange, bis zum bitteren Ende. Irgendwann komme ich doch noch bei der Kassiererin an. Sie zieht alles ab und beginnt dann mit der vorausgesehenen Standpauke.

Ich hätte, schimpft sie, gegen das eherne Schnellkassengesetz verstoßen und ihr, der Hüterin der richtigen Zahl, mehr als zehn Artikel aufgetischt. Mein Gegenargument, mehrere gleiche Artikel dürfe man ja wohl nur einmal zählen, zumal unmittelbar vor Pfingsten, lässt sie auf erstaunlich kategorische Weise nicht gelten.

Egal: Sie hat ja eh schon alles eingescannt. Ich zahle, nicke schuldig, damit sie sich besser fühlt, und packe meine Sachen ein. Daheim beim Auspacken bemerke ich allerdings das Fehlen zweier Päckchen marinierter Krabben; anscheinend ließ ich sie im Einkaufswagen liegen.

Damit hat sich de facto mein Einkauf auf neun Artikel
reduziert, was mich zumindest a posteriori doch wieder für die Schnellkasse qualifiziert hätte. Verdammt.

Bei Aldi treffe ich Wolle (bzw. Mütze; s. Kommentare), jenen Wirt, der damals bei Günter Jauch eine halbe Million Euro (oder weniger; s. Kommentare) abräumte. Doch Wolle/Mütze ist auf dem Teppich geblieben, die treue Seele kauft immer noch bei Aldi und nicht bei Mövenpick.

Gedankenverloren nehme ich trotz fehlenden Bedarfs einen Tacker in Augenschein – und bin plötzlich beschmiert. Ein vorsichtiger Geruchstest ergibt: Die Tackerpackung war aus unbegreiflichen Gründen mit Mayonnaise kontaminiert.

War einfach nicht mein Tag heute, echt nicht.

Kommentare:

  1. olaf06:45

    Und was ist, wenn man nur vier Teile hat (oder vornehm ausgedrückt: nArt < 5) ?
    Allerdings beruhigt es mich viel mehr, daß auch Sie dieses meineWarteschlangeistdielangsamste erleben.Ich dachte immer, das sei allein mein Privileg (warum habe ich noch nie gehört, daß jemand sagt, daß seine Kasse die schnellste war ?).
    Und wurden Sie an der Kasse wenigsten gefilmt, Herr Matt ?
    Sind Sie und Ihre Schnellkassenschummelmethoden jetzt Gegenstand eines Lehrfilmes für die Ausbildung der "Accountmanager" zum Kassenprofiler ("Identifizierung von Schummelkunden leichtgemacht") ? Bald auf YouTube zu sehen ?

    Ein wunderbarer Sonnenaufgang bescheint meinen Südbalkon. Ja, das klingt schon wieder nach Hütchen und Stöckchen. Ich höre besser auf ;-)

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  2. Mütze, nicht Wolle, heißt der Mann aus dem "Lehmitz", der einst bei Jauch abräumte. Es handelte sich außerdem keineswegs um eine halbe Million Euro, sondern nur um 125000 DM, also nicht nicht einmal 75000 Euro - kein Wunder also, dass der gute Mann immer noch oder schon wieder bei Aldi einkauft. Interessanterweise scheint es dem Wirt bw. Ex-Wirt, mit dem Du ihn mutmaßlich verwechselt hast, finanziell auch nicht besser zu gehen, so jedenfalls das "Abendblatt vom 21.2.2008: "Wolle Krug, 29 Jahre lang Kneipenwirt im Pöseldorfer Zwick und Eimsbütteler Maybach, lebt jetzt in Bayern. Der kauzige Promi-Gastronom ist bei einem Freund in Bad Reichenhall mitten in den schönen Alpen untergeschlüpft. Krug hat nach Pleiten in Hamburg rund 40 000 Euro Schulden."

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  3. dein_koenig11:00

    was ist denn mit dem Wagen an der Kasse passiert? und dann noch hinterher nicht bezahlte Krabben im Wagen vergessen?
    junge junge......

    Aber bei Real einkaufen; das zeugt ja auch von einem gewissen "hohen" Einkommen... (Es sei gegönnt)

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  4. Andreas, danke, habe die Korrekturen eingefügt.

    dein_koenig, Sie verstehen mich miss: Bezahlt habe ich die Krabben, danach landeten sie wieder im Wagen wie alles andere auch, und beim Umräumen in die Einkaufstasche passierte das Malheur.

    Real ist übrigens der einzige Laden im Umkreis, der eine bestimmte Sorte Mineralwasserflaschen führt, die wir für unsere Aufsprudelgerät benötigen. Ich bin also ab und zu zum Realkauf gezwungen.

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  5. flex11:21

    Da ich mich beim Anblick des Fotos auch fragte, was bei Inanspruchnahme der Schnellkasse mit weniger als 5 Artikeln droht, folgende Überlegung:

    Die beschriebene freundliche Kassiererin beschimpft den Kunden (mit Einverständnis der Geschäftsleitung) sehr unflätig als Konsumverweigerer, armen Schlucker und Volkswirtschaftsschädling. Zur Strafe geht es dann an die eigentlich schnelleren Langsamkassen, denen man ihr Verhalten mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung auch noch austreiben wird...

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  6. German Psycho11:31

    Natürlich kommt einem die eigene Schlange stets langsamer vor als alle anderen. Ist ein wissenschaftlich ziemlich gut erforschtes Phänomen. Die Schnellkasse allerdings sollte normalerweise schon schneller arbeiten, es sei denn, es stehen dort Menschen an, die sich auf Kosten der anderen einen Zeitvorteil erschwindeln wollen und mit 11 statt 10 Artikeln ankommen.

    Ähja. Ich war übrigens auch vor kurzem dort. Habe aber leider kein Wii-Angebot gesehen. Schade.

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