08 März 2007

Vom Handeln mit Rezessionen

Promoterin: „Hallo, ich habe dir das neue Album von The Dingenskirchens geschickt. Planst du eine Rezession?“
Matt: „Du meinst wahrscheinlich eine Rezension.“

Promoterin: „Versteh ich jetzt nicht.“
Matt: „Eine Rezession ist ein wirtschaftlicher Abschwung.“
Promoterin (aufgeregt): „Genau das meine ich!“

Gut: Ich stelle mir also mal vor, wie es sein könnte, Rezessionen zu planen. Darin liegt, bei genauer Betrachtung, eine geniale Geschäftsidee: Ich könnte einen Im- und Exportservice aufmachen, mit Rezessionen. Man könnte sie ganz unkompliziert bei mir bestellen, und ich würde sie zeitnah liefern, sofern gerade eine geeignete auf Halde läge.

Aber wer wäre mein Zielpublikum, wer sollte mir welche abkaufen? Bin Laden vielleicht, die Taliban natürlich. Oder Hedgefonds, die prall und aufgeblasen sind vor lauter Put-Optionen.

Ich glaube, ich würde mich gleichwohl lieber teuer dafür bezahlen lassen, keine Rezessionen zu verkaufen. Ich würde mich fürs Stillhalten, fürs Wegschließen und Deponieren, vielleicht sogar fürs Entsorgen von Rezessionen bezahlen lassen, und zwar fürstlich. Von Leuten, die prall und aufgeblasen sind vor lauter Call-Optionen. Oder von Franz Müntefering.

Jau, ich glaube, so mache ich’s.

Kommentare:

  1. Och, so eine Zwergrezession für den Schlüsselbund oder als Ohrclip, die würde ich Ihnen glatt abnehmen. Nicht, dass ich wirklich Verwendung hätte dafür, mehr aus Originalitätserwägungen.

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  2. Da es sich dabei um eine heikle Ware handelt, die unter diverse Proliferationsverbote fällt (weshalb ich meinen Firmensitz wohl auf die Caiman Islands verlegen muss), ist sie auch in Ohrclipgröße nicht billig. Ich hoffe, das ist Ihnen klar.

    Gleichwohl bin ich unter Freunden natürlich von geradezu erschütternder Generösität und neige zu vergleichsweise großartigen Preisnachlässen.

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  3. Köstlich, Matt! Köstlich!

    Ich bezeichne mich stets als Fond-Manager, wenn ich auf den Rücksitzen eines Autos sitze oder mir überlege, welchen Geschmack ich ins Essen bringen könnte. Reicht das für eine Bewerbung? Bitte handeln Sie schnell, meine Gehaltsvorstellungen unterstehen der Rezession.

    Nähere Informationen über diese Prohibitionsverbote (was war das?)werden gern gelesen.

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  4. Sie wissen doch: Geld spielt keine Rolle! Nichts unnötiger als etwaige Preisnachlässe also.

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  5. Hauptsache, ich bleibe in der Long-call-Position und die Option liegt im Geld. Sonst habe ich vielleicht Pech und der Wert des Basiswertes liegt am Tag der Ausübung nicht weit genug über dem Ausübungspreis, so daß nicht einmal die Optionsprämie kompensiert wird. Dann gehe ich als Stillhalter nämlich sofort in die Short-call-Position und begebe als Emittent sämtliche Optionsscheine.

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  6. das erinnert mich an das tamtam eines filmverleihs, der einen neuen "mega"-streifen mit einem kleinwüchsigen sektenprediger in berlin vorstellte: um die pressevorführung sehen zu dürfen, musste jeder (nach der durchleuchtung, bis hin zur brille - könnte ja eine kamera drin sein. wo das aufnahmegerät dazu sein sollte, wusste allerdings niemand) ein "embargo" unterzeichnen, das rezensionen vor dem starttermin des films unter androhung von liebesentzug verbot. mein hinweis, dass ich embargos weniger mit sperrfristen für berichterstattung als mit exportbeschränkungen verbinden würde, stellte man sich auf stur: "wir nennen das embargo. und jeder weiß, was gemeint ist." aber die filmwirtschaft erlebt ja eine rezession...

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  7. opa, so isses. Ich frage mich gerade, ob Ihr breitgefächertes Wissen auch die Sphäre verzwickter Spekulationstechniken umfasst, oder ob Sie sich das mal so eben irgendwo rauskopiert und geschickt verbunden haben.

    poodle, der Preis dürfte sich an jenem orientieren, der vor einigen Monaten für ein Autogramm aus Ihrer Hand im Gespräch war. Sie wissen schon.

    joshuatree, für die Einführung des glorios tautologischen Wortes „Prohibitionsverbot“ in die deutsche Sprache möchte ich Ihnen sowohl danken als auch gratulieren. Als Fond-Manager sind Sie offenbar eine Koryphäe.

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  8. Ja, Eric, Fremdwörter sind Glückssache. Wiglaf Droste belauschte mal in einem hippen Berliner Restaurant das Gespräch eines ebenso hippen Pärchens am Nachbartisch und schnappte den Satz auf: „Dem werde ich Barolo bieten!“

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  9. Hoffentlich kommen wir uns da im Business nicht in die Quere; mit meinem Im- und Export für Depressionen ;-)

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  10. Verehrter Matt
    Ich drehe das mal um und bin der Meinung, dass ich den Barolo nur mit jemandem trinke, der mir was bietet. Wort- / Spielereien. Ansonsten trink ich die Flasche lieber alleine. Und gut, dass Barolo nicht in Scottland ist und somit in aller Vergangenheit nicht prohibitioniert wurde. Gute Jahrgänge.

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  11. Dann kann ich meinen Gartenbaubetrieb auf Fehmarn knicken.
    Mein Putt Garden hat zu sehr unter den CO2 Vögeln zu leiden, die
    diese Linie fliegen.
    Ich verlege nach Casablanca, dort spricht man noch Deutsch:
    "How much clock is it?"
    "Nine watch"
    "Oh, so much"?

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  12. Andreas11:06

    "Dem Feind Barolo bieten!" - war das nicht Anfang der 90er Jahre der Slogan der sogenannten Toskana-Fraktion in der SPD?

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  13. Ach kommense, die wollt Sie doch nur promovieren. Vielleicht hätten Sie mal ein Exemplar stationieren sollen, an das noch Generatoren denken werden?

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  14. Rezessionen kommen doch von ganz allein Schlechte Platten können dies allerdings beschleunigen.

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  15. Der ganze Opa ist ein einziger Sepkulatius.

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  16. chuchichäschtli, wehe Sie trinken einen Barolo alleine! Zur Not müssen Sie mich zur Verkostung herbeibitten, sofern niemand sonst verfügbar ist. Aber nicht alleine, keinen Barolo!

    Andreas, das klingt sehr plausibel. Ach ja, die Schröder-Ära … Das waren noch Zeiten.

    GP, Ihr Einfühlungsvermögen in andere Sprachspähren ist mal wieder phänomenal. Wenn Sie das jetzt noch auf Sächsisch verpodcasten würden, das wäre grandios.

    bosch, das stimmt keineswegs immer. Ich erinnere nur an Erfolge wie die von DJ Ötzi, Andrea Berg oder „Schni-schna-schnappi“: Die haben die Rezession verzögert, oh ja.

    wikiopa, sollten Sie Spekulatius gemeint haben, verstünde ich Sie zwar auch nicht, aber mir wäre dennoch wohler.

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  17. Ich weiß nicht, was Sie wollen. Sie verstehen mich doch.

    Was kann ich dafür, wenn mir jede Lektorin davonläuft.

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