19 März 2007

Matt vs. HSV 2:1 (kurz vor Ende der Verlängerung)

Wir erinnern uns: Ich versuche seit einiger Zeit, ein überschüssiges HSV-Ticket loszuwerden. Bei Ebay geriet ich allerdings sofort ins Visier des argusäugigen HSV, der eine Stornierung der Auktion erwirkte.

Ich rief aufgebracht in der Geschäftstelle an und verlangte ersatzweise eine Rücknahme und Erstattung der Karte, was mir unter deutlichen Anzeichen großer Erheiterung verweigert wurde. Dagegen protestierte ich in einem Schreiben ohne amüsierte Untertöne, woraufhin mir der HSV kühl beschied, ich habe mit der Auktion gegen Urheberrechte verstoßen.

Nun gut, dachte ich, vielleicht hätte ich einfach deutlicher herausstellen sollen, kein Schwarzhändler zu sein. Also startete ich – und das ist jetzt die neue Entwicklung – erneut eine Ebay-Auktion und bot die Karte explizit zum Selbstkostenpreis als Sofortkauf an. Keine zwei Tage später wurde der Bundesliga-Abstiegskandidat, der offenbar sonst nichts zu tun hat, schon wieder bei Ebay vorstellig.

Folge: Meine Auktion wurde zum zweiten Mal storniert, und nicht nur das: Ebay schmiss mich raus. Jetzt hatte ich also immer noch ein Ticket zu viel, dafür aber ein Ebay-Konto zu wenig – nicht mal mehr unsere Mingvasen dürfte ich seither versteigern, sofern wir welche besäßen.

Meine nächste Mail an den HSV war kein Liebesbrief, o nein. „Warum tun Sie das?“, erkundigte ich mich und deklarierte mich wahrheitsgemäß als „ehrlicher Ticketkäufer, den Sie ohne Gegenleistung um 48 Euro bringen wollen“. Heute nun erhielt ich folgende Antwort:

„Sehr geehrter Herr Wagner, eine Verletzung des Urheberrechts erfolgt in der Regel durch Verwendung von urheberrechtlich geschütztem Bildmaterial, wie z. B. eines Stadionplans der AOL Arena. Sofern Ihrerseits keine Verwendung für das besagte Ticket besteht, bieten wir gerne eine Rückgabe gegen eine Stornogebühr von € 2,00 an.“

Wow: Sie nehmen meine Karte also plötzlich doch zurück! Und was für die Zukunft noch wichtiger ist: Nicht die Auktion als solche war offenbar illegal, sondern nur meine Illustration derselben mit dem Stadionplan. Habt ihr das gehört, Schwarzhändler?

Warum man mir dieses entscheidende Detail erst nach zwei Wochen zäher Auseinandersetzungen und dem vorläufigen Ende meiner Ebay-Karriere mitgeteilt hat, das weiß wohl nicht mal Didi Beiersdorfer.

Heute habe ich die Karte zurückgeschickt. Natürlich per Einschreiben.

Nachtrag vom 31.3.2007: Aus! Aus! Das Spiel ist aus! Gestern wurde die Rücküberweisung des HSV auf meinem Konto verbucht.

Kommentare:

  1. Stefan07:29

    Auf so etwas muss man auch erst mal kommen. Gäbe es einen Preis für den Erbsenzähler des Monats, der HSV hätte ihn zweifelsfrei verdient.

    Um erbsenzählermäßig ungefähr auf Augenhöhe mit dem HSV zu bleiben, hätte ich denen den Vorschlag gemacht, die 2 Euro Stornogebühr zu akzeptieren, wenn sie die 2 Euro an eine wohltätige Organisation spenden. Aus der Nummer wären die ohne Gesichtsverlust schwer wieder rausgekommen.

    AntwortenLöschen
  2. selbst mein Versicherungs-Vertreter hat mehr Feingefühl im Umgang mit Kunden - und der ist schon sehr grobmotorisch (in jeglicher Hinsicht).

    Lieber Matt, ich war mal wieder so frei, Sie zu zitieren:
    Dienst ohne Leistung
    Es soll nicht ungelesen bleiben, was der HSV so treibt ;-)

    AntwortenLöschen
  3. ich frug mich schon wieso gerade ihre auktion( beendet wurde, schon beim letzten eintrag hab ich bei ebay ungefähr 50 auktionen gefunden die einfach so weiterliefen. auf die stadionplangeschichte wäre ich allerdings nicht gekommen ...

    das ebay sie gleich ganz sperrt ist mal wieder typisch - sie haben denen wohl nicht genug geld eingebracht bisher :D

    AntwortenLöschen
  4. ich finde ja, dass der HSV gewonnen hat - 2 € um genau zu sein. Ein kleienr Sieg, aber ein Sieg.

    AntwortenLöschen
  5. German Psycho14:01

    Immer wieder erstaunlich, daß Unternehmen erst reagieren, wenn es eigentlich zu spät ist.

    AntwortenLöschen
  6. Stefan, Gesichtsverlust ist glaube ich das Letzte, was Fußballrechteverwerter fürchten, spätestens mit der WM 2006 wurden alle Tabus beseitigt.

    elbkind, kein Problem, wenn sonst nichts Blogbares anfällt …

    sard, eigentlich bin ich ein guter, wenngleich sporadischer Ebay-Kunde. Dass Ebay aber keine Einzelfallprüfung vornimmt, sondern sich in der Rolle des willigen Erfüllungsgehilfen bescheidet, ist aber doch eine große Enttäuschung für mich gewesen.

    zoe, Ihre Argumentation ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Würden Sie auch einen Remisvorschlag meinerseits akzeptieren?

    gp, mich erstaunt das eigentlich nicht.

    AntwortenLöschen
  7. Der Abstieg wäre die verdiente Strafe!

    ;-)

    AntwortenLöschen
  8. da hier david gegen goliat spielte, ist ein remis fair. btw. die labels bei dir klappen nicht so recht. Die Wörter sollten doch sicher einzelnd stehen, oder?

    AntwortenLöschen
  9. Stimmt. Mit Komma abgetrennt funktioniert es besser. Wobei die Unikate natürlich auch einen gewissen Charme haben. Falls das gewollt war. So als subtiler sarkastischer Protest gegen den Begriff "Label". Weiß man ja nie ;-)

    AntwortenLöschen
  10. Ja, die Kommas habe ich schlicht vergessen. Aber danke, ramses, für die Unterstellung einer hintergründigen Reflexion!

    AntwortenLöschen
  11. Manueller Trackback: Hamburger SpassVerderber
    http://textundblog.de/?p=1516

    AntwortenLöschen
  12. Flevan16:56

    Tut mir echt leid, aber ich finde deine Aufregung reichlich künstlich. Es ist nun einmal bekannt, dass die meisten EBay-Verkäufer auf Profit spekulieren. Dass der HSV gegen Schwarzhändler vorgeht, finde ich als HSV-Fan wünschenswert und richtig. Die meisten HSV-Fans übrigens auch.

    AntwortenLöschen
  13. Klar. Aber der HSV sollte auch in der Lage sein, einen Schwarzhändler zweifelsfrei zu identifizieren …

    Die Mühe scheint er sich aber nicht machen zu wollen.

    AntwortenLöschen