06 Januar 2007

Ich bin eine große Hilfe

An der Davidstraße, ziemlich genau zwischen Lustgrotte und Reeperbahn, werde ich von einem Paar um die 20 angesprochen. „Entschuldigen Sie, eine Frage“, sagt der junge Mann, „können Sie uns sagen, wo St. Pauli ist?“

In solchen Momenten muss man Haltung bewahren. Wieherndes Losprusten könnte die Fremdlinge düpieren, und sie sollen ja wiederkommen, zum Nutzen der hiesigen Wirtschaft.

„Nun“, sage ich beherrscht, „Sie sind mittendrin. Das hier“, fahre ich mit einem halbkreisförmigen Schwingen meines rechten Armes fort, „ist die Davidstraße. Da drüben sehen Sie die Davidwache – und die Straße da vorne, das ist die Reeperbahn.“

Ich scheine den richtigen Ton getroffen zu haben, denn die beiden lächeln mehr erleichtert als peinlich berührt. „Genau da wollen wir hin“, strahlt die Frau, die ganz hanseatisch eine offene Flasche Bier mit sich führt. Und dann zockeln sie zufrieden davon, zur Reeperbahn.

Es freut mich immer, wenn ich Menschen weiterhelfen kann, obwohl ich der Geschichte der menschlichen Orientierungsfähigkeit schon viele krachende Niederlagen zugefügt habe.

Doch heute war es wirklich leicht, selbst für eine Katastrophe auf zwei Beinen wie mich.

Kommentare:

  1. Am schönsten ist es ja immer wenn man in fremden Sprachen nach dem Weg gefragt wird, mein Favorit in dieser Kategorie: Russisch. Aufm Weg zu HSV - CSKA Moskau hat mich ein Russe nach dem Weg gefragt, glaube ich. Pech nur das er kein Englisch oder Deutsch und ich - leider - kein Russisch sprach. Naja, es endete damit, dass ich ihn zur S-Bahn geleitete und ihm aufschrieb welche Station er raus muss, ich höflicher Mensch ich. Ich denke einigen Leuten in der S-Bahn habe ich damit keinen Gefallen getan, der Typ hat ununterbrochen geredet, unabhängig davon ob man ein Wort verstand oder nicht. Klang irgendwie alles wie Vodka. ;)

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  2. Vielleicht haben die sich einen Scherz gemacht. Ich habe nämlich Anfang Dezember auch einem Pärchen auf der Reeprbahn erklärt, wo die Reeperbahn ist. Und ich habe mich änlich benommen wie du. Auch im Sinne der hiesigen Wirtschaft. Vielleicht sind das ja Studenten, die eine Studie über die Freundlichkeit der Hanseaten machen, wie bereitwillig sie einem den Weg erklären. Man weiß es ja nicht.

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