13 Mai 2011

Unser kleiner grauer Weggefährte



Freitags ist Einkaufstag. Dann zockeln Ms. Columbo und ich los mit unserem treuen Trolley, der traditionell meiner Führung überlassen ist.

Ich versuche dabei nach Kräften und starren Blicks gen Gehweg, die Hinterlassenschaften hiesiger Hunde zu umfahren. Denn nach dem Einkauf wird das zweirädrige Wägelchen, welches heutzutage immer öfter zum „Shopper“ gehypt wird, wieder hoch in die Wohnung geschafft, und dazu muss das Gute definitiv stubenrein sein.

Unser aktuelles Modell ist bereits Nummer 3. Die Lebensdauer des ersten war sogar kürzer als die einer Eintagsfliege, weil bei seinem Debüteinsatz nur wenige Minuten, nachdem ich ihn erworben hatte, ein Becher Buttermilch darin zerbrach. Milchreste in irgendwelchen Schlitzen und Falten, Schimmelnahrung à la carte? Nein, unzumutbar. So landete er nach nur halbstündigem Einsatz im Müll; ein schlimmes, aber unvermeidbares Schicksal.

Trolley Nummer 2 verlor irgendwann ein Rad, das ich wieder aufschraubte, doch das Ärgernis geschah immer öfter, und da er billig gewesen war – für zehn Euro geschossen auf einem Flohmarkt in Moorfleet –, entsorgte ich ihn zwischen hier und Edeka in einer fremden Tonne, heimlich, illegal und – aufgrund eines überholten, aber hartnäckigen Moralsystems – mit roten Ohren.

Der dritte nun ist ein immerhin 34 Euro teures Markengefährt, stabil, robust und geräumig, dazu von einem bescheidenem Grau, das sich beinah schüchtern versteckt vor den Graffitis der Mauern des Kiez. Heute war er wieder im Einsatz.

Warum ich das alles erzähle, weiß ich selber nicht, denn wer sollte sich schon für einen Trolley interessieren, der wochein, wochaus durch St. Pauli gezogen wird? Hier sollten Dealer, Luden, Huren vorkommen, verdammte(r) Hacke(nporsche)!

Na ja, demnächst bestimmt mal wieder. Großes Kiezianerehrenwort.


Kommentare:

  1. Also man hätte auch schlichtweg mit dem Duschschlauch den Behälter reinigen können. Überraschenderweise sind die Behälter abnehmbar. Und Milchreste sind wasserlöslich. :)

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  2. Jaja. Das überholte, aber hartnäckige Moralsystem...

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  3. Yann, Sie scheinen zu wissen, wovon ich rede … ;)

    Tom, und sagen Sie mir erst jetzt?

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  4. Oh, ich hätte Sie und Ms. Columbo eigentlich jünger geschätzt. Mit derlei Wägelchen assoziiere ich nämlich immer jene grenzdebile Klientel, die im Supermarkt an der Kasse vor mir gefühlt stundenlang nach Kleingeld kramt, nach man mir den Einkaufswagen in die Hacken gerammt hat.

    Aber vielleicht täusche ich mich ja ... ;-)

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  5. Vielleicht handelt es sich bei dieser Klientel auch nur um Leute, die auf den Besitz eines Autos verzichten. Anders kriegt man die Einkäufe nämlich nicht nach Hause.

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  6. blogg-hittn-wirtin17:11

    So was habe ich auch, nur in Korbgeflechtoptik. Vor Jahren habe ich es durch einen wütenden Herbststurm voller Einkäufe nach Hause gezerrt und da hat es ein abgespultes Tonband dahergeweht und da ich im Sturm nichts dagegen unternehmen wollte, hat sich das Band in voller Länge eng um die Achse des Wägelchens gewickelt. Nicht wieder abzubekommen, das Zeug. Ist heute noch dran. Ich wüsste zu gerne, mit welcher stummen Musikbegleitung ich seither meine Einkäufe erledige ...

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