10 Dezember 2010

Der Kontaminator

Es verbessert die durch einen grippalen Infekt eh angespannte Gesamtlage keineswegs, sondern – im Gegenteil – macht sie vollends entwürdigend, wenn man dazu auch noch Rücken hat.

Wie ich.

Ein sogenannter Wärmegürtel linderte heute die schlimmsten Qualen, doch allein schon in den Räumen einer Apotheke die Beratung des einschlägig erfahrenen Franken in Anspruch nehmen zu müssen, vergällt rückblickend die ganze Woche.

„Ich weiß, wie das ist“, feixt der Franke Mitleid. Immerhin springt er nicht beiseite, als ich mich – beim Aufstehen wieder mal von Thors Blitz durchzuckt – entsetzt auf seiner Schulter abstützen muss. Braver Franke.

Neulich aber war er nicht brav. Während einer gemeinsamen mittäglichen Flanage durch den Pennymarkt in Ottensen hatte ich vier Tafeln „Ritter Sport Dunkle Voll-Nuss“ erstanden. Zurück im Büro stand bereits nach wenigen Minuten Kramer in der Tür.

Er habe aus gewöhnlich zuverlässiger Quelle gehört, hub er an, ich hätte fünf Tafeln „Ritter Sport Dunkle Voll-Nuss“ in egoistischer Verwahrung. „Franke, ich verfluche dich und deine Nachkommen bis in die siebte Generation!“, wollte ich gerade brüllen, doch da stand Kramer schon vorm Bisley und nestelte gierig wie ein Zombie an den Schubladen.

„Vier! Es waren nur vier!“, schrie ich, während ich verzweifelt mit ihm rang, doch er glaubte mir kein Wort und wollte, wie jeder stinknormale Mafiaboss, seinen Anteil. Wie es mir freilich im Verlauf unseres Kampfes um die territoriale Unversehrtheit meiner Bisleyschubladen gelang, ihn von der Schokolade abzulenken und seine Aufmerksamkeit stattdessen mit Mentholbonbons von Ricola zu fesseln, vermag ich nicht mehr stichhaltig zu rekonstruieren.

Tatsache jedenfalls ist: Beim ungelenken Herausschütteln aus der Dose fielen mir versehentlich gleich drei Bonbons in seine geöffnete Handfläche. Eine Katastrophe, denn damit waren sie alle schlagartig Kramer-kontaminiert, und wer diesen vierschrötigen Allesbegrabscher je in manueller Aktion erlebt hat, weiß, wovon ich spreche.

Er bestand darauf, die zwei Mentholbonbons zurück in die Dose zu befördern, ich verweigerte das mit brutalstmöglicher Verbissenheit. Aus Rache betatschte er daraufhin minutenlang wahllos alle erreichbaren Gegenstände im Zimmer, er kontaminierte buchstäblich handstreichartig Nachschlagewerke, Monitor, Tastatur, Terminkalender, Teppichboden (!) und die Oberfläche meines Schreibtisches.

Den Griff der Bürotür natürlich auch – wie sollte ich nun je wieder aus meinem Büro hinauskommen!? Und an allem war natürlich nur einer schuld: der Franke.

Ich sollte ihn mit einem Wärmegürtel knebeln.
Einen habe ich ja noch übrig.

Kommentare:

  1. Also erstmal möchte ich Ihnen gute Besserung und baldige Genesung wünschen und das gleich zweimal, obwohl Rücken ja durchaus mit Grippe zusammenhängen kann.

    Das Schlimme an Erkrankungen für mich ist, dass man in unserem Alter mittlerweile vom Pflegepersonal mehr Vorhaltungen als gute Ratschläge zur Behebung unseres maladen Zustands bekommt, insbesondere wenn man Rücken hat.

    Gerne wird dann das angeblich reziprok proportionale Verhältnis von Kalorienaufnahme zu Bewegung genommen, wofür Sie aber, was ich aus Ihren bisherigen Beschreibungen ableite, ein schlagendes Gegenargument sind - ha, ich weiss, wie ich Ihr aktuelles Leiden mal in meinem Sinne verwenden kann.

    Und seien Sie dem Franken bitte nicht böse (dank Rucola wohl jetzt ein Schweizer Franke, haha), wir meinen das nicht so - meist ist es nur Heimweh.

    Der einfachste Weg ist, uns zu dieser Jahreszeit mit Elisenlebkuchen von Voll-Nuss-Schokolade abzulenken - so dreissig Stück oder ein paar mehr müssten eigentlich genügen.

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  2. Elisenlebkuchen? Ich weiß nicht mal, was das ist.

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  3. Also lecker, extrem lecker, Hüftgold par excellence, qualitative Hintergründe finden Sie z.B. hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Elisenlebkuchen#Zutaten.

    Preiswert ist was anderes, aber was macht man nicht alles für Dunkle Voll Nuss?

    Wollen Sie mal welche probieren?

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  4. Lieber nicht! Was da steht, ist sehr besorgniserregend. Außerdem bin ich als Süßschnabel ein verbohrter, unflexibler Betonkopf.

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  5. Also, Ihre Flexibilität würde gut zu den Lebkuchen passen. Wenn wir nämlich Ostern noch welche vom letzten Weihnachten finden, verwenden wir diese aufgrund Ihrer Konsistenz als Wackeltischunterlage oder - Mandeln runter und dann bohren - als Beilagscheibe für Wandschrankhalterungen.

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  6. Wahrscheinlich wurde damit auch die Chinesische Mauer gebaut, nehme ich an.

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  7. Und ich habe immer gedacht, Sie machen sich einen schönen Lenz, wenn Sie arbeiten gehen.
    Ich wusste ja nicht, was Sie für gruselige Kollegen haben!
    Und er hat wirklich auch den Teppichboden angefasst???
    So wie Sie den Mann beschreiben, ist das bestimmt wirklich ein Zombie. Passen Sie bloß auf sich auf!

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  8. Ich fühle mich auch schon ziemlich angefressen …

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  9. Sie sind doch nicht etwa Mysophobiker? Einfach öfter belegte Brötchen im Transmontana essen und dem Kollegen Kramer mehrfach täglich die Hand schütteln, das härtet ab, dann bekommt man auch nicht so schnell eine Grippe. Nur die Harten usw.

    Gute Besserung ;)

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  10. Zaphod, Sie verlangen Unmenschliches, und das wissen Sie. Danke für die guten Wünsche.

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  11. Nihilistin19:09

    Männer und Schokolade. Was für ein Drama.
    Kranke Männer und Schokoloade. Was für ein Jahrtausenddrama.
    Früher hätte man aus so einer Geschichte ein Opernlibretto gebastelt.

    Gute Besserung, Herr Matt. Ab 40+ gehts abwärts. Sogar ich ertappe mich manchmal bei rückenstärkenden Übungen auf dem Fußboden. Irgendwann erwischt es jeden einmal.

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  12. Ich dachte immer, man sei so jung, wie man sich fühlt, unabhängig von 40+ oder so. Und das glaube ich auch weiterhin, verdammt!

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