23 Februar 2007

Fundstücke (33)

1. Der Promoter und Musikjournalist Ralph Buchbender sagt Wahres und Witziges über die Musikbranche: „Nach eingehender Betrachtung aller Aspekte bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es im Grunde keine Entschuldigung für Popmusik gibt. Popmusik zahlt sich monetär kaum noch aus, ist in der Herstellung zu teuer und verkündet meist unpraktikable Lebenskonzepte. Doch das beste Argument für ein generelles Verbot ist die Tatsache, dass die meiste Popmusik schlicht schlecht ist. Niemand stellt tausend Tonnen Erdbeermarmelade her, nur weil er erwartet, dass fünf Tonnen davon essbar sind. Die Popindustrie indes tut genau dies.“

2. „irgendwann merkt man dann, dass man copyrights nicht essen kann“, sagt Felix zum gleichen Themenkomplex.

3. Bela B. von den Ärzten enthüllt in einem Interview mit Zeit.de Bestürzendes über den FC St. Pauli, der als linker alternativer Stadtteilverein eigentlich sein natürlicher Verbündeter sein müsste – und es lange Jahre auch war. Seit einiger Zeit aber laufen Belas Songs nicht mehr im Stadion, und er glaubt zu wissen, dass „einer der Stadionsprecher Die Ärzte hasst. Er steht auf Die Böhsen Onkelz, da sind wir Feindbild. Das hat er mir selbst so erzählt.“ Ein Böhse-Onkelz-Fan – ein Quasinazi also – am Millerntormikro? Bela irrt sich, er muss sich irren.

4. Ich hätte nicht gedacht, dass Bogota (Entfernung: 9198 km) weiter weg liegt von der Reeperbahn als Tokio (8970 km) oder das südafrikanische Houghton Estate (9027 km). Apropos Houghton Estate: Ich hege die schmeichelhafte Vorstellung, es sei Nelson Mandela gewesen, der von dort aus meine Website angesurft habe, er kommt nämlich von dort. Mandela wäre der kleine weiße Punkt in der Bildmitte unten, über dem antarktischen Packeis. Ja, Bloggen bildet, gerade geografisch.

Alle bisherigen Fundstücke: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32, Oh, my Google!

Kommentare:

  1. Zu Funstück 1. Ich glaube an das Copyright. Ich bin wohl einer der wenigen Menschen, deren CD-Regal zu 99% aus legal erworbenen CD`s besteht (die restlichen 1% hat man mir ungefragt aufgedrängt und die verstauben im Regal. Ideeller Wert gleich 0 Euro). Jede CD ist ein Schatz für mich und hat einen für mich fast unbezahlbaren Wert. Der Künster macht sich für mich die Mühe und umschmeichelt meine Gehörgänge und dafür soll er auch anständig entlohnt werden. Incl. die vielen angeschlossenen Firmen, die gemeinsam mit ihm eine CD auf den Markt bringen. Ich hoffe, daas bleibt auch so. Würde ich mir sein kreatives Werk schwarz brennen, würde ich ihn beklauen und einen Lee Ritenour, Chuck Loeb, Norman Braun, George Benson, Al Di Meola ect. pp zu beklauen traue ich mich einfach nicht. Ich hätte ein schlechtes Gewissen.

    Zu Fundstück 4. Bei My Space bin ich auch stolz wie Bolle, wenn dort ein Besucher aus dem indischen Ozean meine Seite besucht hat. Ich fühle mich so einfach internationaler.

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  2. Zu 3. bestehen unterschiedliche Meinungen sogar clubintern unter ausgewiesenen Nazigegnern. Da ging es bei uns schon ganz heiß her - ich weiß zuwenig und werde mich künftig heraushalten.

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  3. Beraternase15:48

    Punkt 3 ist ziemlich heikel, da stimme ich opa zu. Ich selbst habe auch schon volltrunken: "Wir haben noch lange nicht genug" gegrölt. Ich finde, das Liedgut der BO dazu ideologiefrei gut verwendbar.

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  4. Stefan, wenn die Musikbranche in den letzten zehn Jahren ihre Energie darauf verwandt hätte, allen Hörern ein solches Bewusstsein für die Wertigkeit von Musik zu vermitteln, wie du es hast, dann hätte sie jetzt ein paar Probleme weniger. Aber was hat sie stattdessen getan? Die Musik entwertet, verramscht, zu Klingeltönen verwurstet, zum profanen Allerweltsprodukt degradiert - und ihre Restenergie darauf verwandt, ihre Kunden als potenzielle Kriminelle zu definieren und sie zu verfolgen.

    Opa, Beraternase: Diese Unsicherheit gegenüber den Onkelz ist kein Wunder. Nachdem die Band wegen ihrer rassistischen, faschistoiden Songs in den 80ern extrem unter Druck geriet und ständig auf dem Index landete, ging sie dazu über, ihre Denke weniger explizit in Texte zu gießen. Seither handelt sie ihre Sicht der Welt mehr auf der Andeutungsebene ab, in mehrdeutigen Metaphern und zwischen den Zeilen. Meine Auffassung: Diese Band hat sich keinen Deut geändert, sie ist inzwischen nur viel geschickter darin, ihre Gesinnung zu verbergen. Daher hat Bela völlig Recht: Eine ausdrücklich antifaschistische Band wie die Ärzte ist der natürliche Feind der Onkelz. Und das hat dieser Stadionsprecher klar verstanden; seine Handlungsweise ist also nur konsequent – aber eine Schande für St. Pauli.

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  5. Herr Worch organisiert neuerdings ja auch Kinderfeste mit Hüpfburg usw. :-(

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  6. Ich war ja lange Zeit auch Onkelz-Fan, war aber gleichzeitig kein Nazi und noch nicht mal nah dran. Ich höre auch heute noch ab und an manche Stücke. Man muß jedenfalls kein Nazi sein, um Musikstücke einer Band zu hören, die im Verdacht steht, früher mal rechts gewesen zu sein.

    Und soweit ich das verstanden habe, waren die Onkelz in ihrer Anfangszeit aufgrund ihrer Taunuserfahrung (Sie erinnern sich an meine Geschichte?) türkenfeindliche Musikstücke geschrieben. Dies ist zwar unsinnig und bedauerlich, reicht aber noch nicht aus, um als Nazi (Führerprinzip, Holocaust, Hurrapatriotismus...) zu gelten.

    Anders gesagt: Man könnte auch annehmen, daß die Jungs einfach erwachsen geworden sind und gemerkt haben, daß ihre Anti-Türken-Art falsch war. Jedenfalls haben sie das stets recht überzeugend erklärt.

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  7. Genau, und im Bett von Rotkäppchens Großmutter lag wirklich ihre Großmutter …

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  8. Matt, gehst Du am 4.4. zu diesem Mann mit den merkwürdigen Lebenskonzepten?

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  9. Anonym10:02

    hallo
    also vielleicht sollten blogger ganz allgemein nich zu eingebildet sein was ihre internationalität an besuchern angeht ;)
    es gibt nähmlich anonymiesierungsproxies und da bin ich dann auch mal ganz schnell ein us-ami - zumindest für die zugriffstatistik - real liegt mir wenig ferner ;)
    also nich wundern wenn mal blondyonly aus brasilien nutzlose kommentare abgibt ;)

    in diesem sinne
    blondyonly

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