30 November 2006

Mitten in der Arena

Die Agentur Arena, Inhaberin der Übertragungsrechte für die Fußballbundesliga, mailte mich diese Woche an, weil ich mal Premierekunde war. Jetzt möchte sie mich auch gern als Abonnenten.

Lieber nicht, gab ich in meiner Antwort zu verstehen. Erläuternd führte ich aus, ihr Geschäftspartner Premiere sei m. E. ein nicht ganz seriöser Verein, der möglicherweise zurückgeschickte Entschlüsselungskarten hat verschwinden lassen, um ein bisschen Schadensersatz zu kassieren. Und das würfe doch ein seltsames Licht auf Pay-TV-Anbieter generell und somit auch auf sie, Arena, weshalb ich die Entwicklung zunächst einmal mit gesunder Skepsis beobachten wolle.

So weit, so gut. Dachte ich. Doch am Tag darauf erhielt ich eine weitere Mail von Arena. In einer einleitenden Floskel zeigte man sich bestürzt über meinen Anlass zur Klage. Gleichwohl, hieß es dann aber unvermittelt weiter, freue man sich, mich vielleicht doch bald wieder als Kunden gewinnen zu können und hoffe, mir mit dieser „Information“ weitergeholfen zu haben.

So, so. Ich schrieb sinngemäß Folgendes zurück: Mit ihrer Mail hätten sie, Arena, bewiesen, wie pimpe ihnen ein ernsthafter Kundenkontakt sei; sonst hätten sie wohl kaum einfach nur ein paar dämliche Textbausteine wahllos und widersprüchlich auf einen Haufen geschmissen. Das Bekunden eigener Freude nämlich, so fuhr ich stichhaltig fort, ginge nirgendwo als „Information“ durch; allenfalls sei ihr Sichfreuen schön für sie, aber keineswegs nützlich für mich.

Alles in allem, signalisierte ich beherzt, habe sich meine Skepsis gegenüber Premiere nun auch ein wenig auf sie, Arena, ausgeweitet, und an meinem Beobachterposten sei vorerst erst recht nicht mehr zu rütteln.

Eine erneute Arena-Mail steht noch aus. Wenn sie noch kommt, erhoffe ich mir als Absender einen Menschen und keinen Computer.

Ob der's besser machen würde, ist allerdings nicht sicher.

Kommentare:

  1. Nicht sicher meinen Sie? Da scheint mir ein sehr optimistischer Blick auf die Welt zugrunde zu liegen. Wo doch jeder weiß, dass der Mensch das Problem ist, nicht die Maschine. Ich liebäugelte ja eine ganze Weile damit, meinen ca. 4-wöchigen Mailwechsel mit echten Menschen der Büchergilde Gutenberg zu verarbeiten (der ich eher aus alter Gewohnheit verbunden bin als aus echter Begeisterung), beschloss dann aber, dass man das beim besten Willen niemandem zumuten kann.

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  2. Wobei, werter Herr poodle, aus Ihrer, naja, "Feder", wohl auch die Schilderung eines mehrwöchigen Briefwechsels mit einer Parkuhr ebenso erfrischend wie erheiternd wäre.

    Weniger erheiternd, Herr Wagner, sind, da gebe ich Ihnen Recht, Autotexte in Firmenmails. Ich habe vor grob geschätzt 125 Jahren bei Premiere im (ausgerechnet) Technik-Call-Center gearbeitet und muss sagen, dass das Aufkommen dieser Seuche den Spaß an der Arbeit dort doch wesentlich gemindert hat.

    Bei Autotexten geht es nämlich im wesentlichen darum, eine einheitliche Sprache zu nutzen und vor allem darum, unverfängliche Aussagen zu machen, damit man später nicht mit bestimmten Formulierungen, Versprechen oder sonstwas vor den Kadi gezerrt werden kann. Individuelle Ratschläge und Lösungen (die gerade in der Technik essentiell waren und sind) bleiben da auf der Strecke, Eigenverantwortung der Mitarbeiter wird weitgehend abgeschafft.

    Fazit: Ich glaube durchaus, dass auch bei Arena kompetente und kundenfreundliche Menschen sitzen. Allein: sie dürfen es nicht zeigen.

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  3. Ist es nicht herrlich? Diese ganzen Unternehmen merken meines Erachtens wirklich nicht, daß sie jeden Tag Kunden vergraulen mit ihrer angeblich so schlauen Unverbindlichkeit.

    Ist mir ja auch gerade passiert (siehe Blog).

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  4. @ poodle: Wie gern würde ich die Gutenberggeschichte lesen! Bittebittebitte!

    @ ramses: Danke für Ihre Infos aus erster Hand. Sie scheinen also Indizien für echte Arenamenschen zu haben. Das sind aufregende Neuigkeiten!

    @ GP: Man muss es diesen Unternehmen immer wieder verdeutlichen, vielleicht lernen Sie's irgendwann. (Ein bisschen Idealismus hat diesem Blog gerade noch gefehlt, das gebe ich zu.)

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  5. Matt, es ist ja Weihnachten. Da schadet ein wenig Idealismus nie.

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  6. Selbst GP wird besinnlich. Jetzt hat die Adventszeit wirklich begonnnen.

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  7. Pünktlich zum ersten Dezember. Schön, nicht?

    Könnte aber auch an etwas anderem liegen. Ich weiß das ja immer nicht so genau bei mir.

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  8. Aaaaaah - falsches Thema!! Ich habe mir eben erneut den Schriftwechsel mit Premiere aus diesem Frühjahr durchgelesen, weil ich letztes mein Abo kündigte, die Smartcard zurückgesendet hatte und über ein halbes Jahr danach diese "angeblich" bei Premiere nie eingetroffen war. Ich zahlte erst, als ein Inkasso-Unternehmen eingeschaltet und ich keinen Bock auf einen Schufa-Eintrag hatte; knapp 80 Euro in Summe übrigens. Ich zahlte auch nur, weil mir der Verbraucherschutz dazu riet.

    Da soll Arena mal kommen, denen werde ich ne Antwort senden, die sich gewaschen hat!

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  9. Du solltest dich wenn möglich noch der Sammelklage anschließen. Wäre interessant, was der Verbraucherschutz nach der neusten Entwicklung zu dem Thema sagt.

    Ich hatte meine zum Glück per Einschreiben zurückgeschickt, da konnte Premiere nicht tricksen. Was für ein Verein!

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  10. Matt, wie ist ARENA eigentlich an Ihre Kontaktdaten gekommen? Hatten Sie den Leuten von Premiere die Datenweitergabe erlaubt? Lustigerweise bekomme ich seit meiner Kündigung des Abonnements bei Premiere ständig irgendwelche Gratismonate in den verschiedenen Paketen... Die wollen ganz offensichtlich die Statistik künstlich hochhalten.
    Nun, mal schauen was aus Premiere wird sobald Red Bull den Kaufvertrag unterschrieben hat.

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  11. Ich habe vor einigen Monaten mal nach den technischen Voraussetzungen für den Arena-Empfang gefragt; daher haben sie die Daten wohl.

    Mir haben Sie übrigens noch nie ein Gratisabo angeboten. Schade …

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  12. Verstehe. Die Sache mit den Gratiskanälen klingt aber besser als es ist. Zuerst war es Premiere komplett für umme. Dann einen Monat Premiere Thema oder so.. irgendwelche Omakanäle eben. Seit Oktober bis Jahresende habe ich Premiere Sport gratis. Sport! Nicht Fußball! Das bedeutet ich könnte mir so grßartige Dinge wie die Basketball Bundesliga ansehen. Sie sehen, mein Mehrwert durch die Gratiskanäle hält sich doch sehr in Grenzen.

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  13. Oh, angeregt durch Ihre Heimradelkarte habe ich mal eben nachgesehen.. Sie wohnen gerade mal zwei Minuten Fußweg von meiner Schwester entfernt.
    (nurmalsonebenbei)

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  14. Amadeus, die Karte im Eintrag „Nichts geht mehr“, die Sie wohl meinen, zeigt nur die ersten paar hundert Meter meiner Heimradelei. Danach geht's nach St. Pauli in die Seilerstraße. Trotzdem kann es sein, dass ich Ihre Schwester vom Sehen kenne. Schöne Grüße!

    PS: Danke für die Warnung vorm Gratis-Pay-TV. Werde ich nicht forcieren.

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