17 Mai 2006

Bob Dylan: Vom Schweiger zur Plaudertasche

Nicht nur, weil er über lange Zeiten schwieg oder pro Dekade höchstens ein Interview gab (und das an konspirativen Orten), gilt der amerikanische Sänger, Dichter und Komponist Bob Dylan als Mysterium. Selbst auf der Bühne spricht er nicht, er brummt am Ende eines Konzertes allenfalls die Namen der Mitmusiker.

Ein Rätsel, dieser Mann. Und wahrscheinlich der bedeutendste, einflussreichste, geheimnisvollste US-Künstler der letzten 100 Jahre. Als vor einigen Monaten der Regisseur Martin Scorsese auf seiner DVD „No direction home“ gefilmte Interviews mit ihm veröffentlichte, konstatierte die internationale Dylanologie erstaunt und ergriffen: Der Mann kann ja doch sprechen. Und das sogar flüssig und fein mit Witz gewürzt.

Doch nicht genug der Sensationen. Bob Dylan, die Sphinx unserer Zeit, hat jetzt eine eigene Radioshow.


Als DJ.
Ungelogen.

Jede Woche mittwochs geht er auf Sendung. Er knöpft sich ein Thema vor, erzählt mit sonorer Stimme kleine Geschichten über die Künstler, die er gleich spielen wird, wirft uns nonchalant Nachtschattenaphorismen hin und scheint uns dabei zuzuzwinkern.

Ja: Dylan ist jetzt ein DJ, man fasst es nicht. Die Sendung gibt es natürlich nur gegen Bares im Internet, bei XM Satellite Radio. Doch ich habe zwei Links zu MP3-Mitschnitten der Sendungen entdeckt. Die online zu stellen, ist vielleicht illegal, mag sein, aber damit muss sich die Ursprungsquelle herumschlagen. Und wer weiß, wie lange diese 60-Minuten-Wunderwerke der Radiogeschichte noch dort verfügbar sein werden.

Doch solange sie da sind: Hört sie euch an. Ladet sie auf eure Rechner. Dann kann sie euch niemand mehr nehmen. Denn wenn jemand jahrzehntelang mehr oder weniger schwieg und jetzt redet, dann sollte man zuhören, was er zu sagen hat. Es ist ja nicht irgendjemand. Es ist Bob Dylan. Wir haben nicht viele, die größer sind als er.

Hier sind die Links:
3. Mai 2006: Thema „Weather“
10. Mai 2006: Thema „Mothers“.

Aber verpetzt mich nicht, ok?

Ex cathedra: Die Top 3 der Songs, die DJ Bob aufgelegt hat
1. „Mama don't allow“ von Julia Lee
2. „The wind cries Mary“ von Jimi Hendrix
3. „Have you seen your mother, baby, standing in the shadow“ von The Rolling Stones

Kommentare:

  1. Acknowledged. Koraba! (Gilbertesisch:
    Vergeltsgott)

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  2. Nein, nie nicht verpetzen wir den Radiomatt. Wobei ich gestehen muß, das ich Dylan weder für besonders mysteriös noch für das größte musikalische Wunder der letzten 100 Jahre halte. Aber ein Mann der klaren Gedanken ist er ja nachwievor. Schön, wie er die Brücke von Dean Martin zum jungen Elvis schlägt. Die zweite Sendung geb ich mir heute abend. Jetzt erstmal den letzten Podcast von Karen Miller "The Miller tells her tales" anhören und abwaschen.

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  3. ding dong... Bescheid:
    ick habs nich vajessen. bin nur noch nicht dazu gekommen. (weil: wenn, dann mache ich etwas vernünftig)
    bis pfingsten ist ja noch ´n bisschen hin. (mir war erst wie das WE zu christi himmelfahrt)
    im e-fall hätte ich das vor ort auch persönlich übernommen... also im sinne von: mal uff´n getränk treffen [blogger goes real life] - aber ich flüchte pfingsten, wenn die ganzen touris kommen ;-)

    tillsenn K.

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  4. Ich mag seine singende Sprechstimme ...

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  5. Bluesman01:23

    Das war ja jetzt mal ne freudige Überraschung!Die Wettersendung hab ich letzte Woche schon irgentwo gefunden!Hab seit Tagen nach ner 2.gesucht und da finde ich sie hier.Wollte nur mal schnell danke sagen.

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  6. Hier gibt es übrigens die Links zu allen vier Teilen, die bisher gesendet wurden.

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  7. Bluesman04:10

    Nochmals danke!Und wie ich dem kanadischen Blog entnehmen konnte folgen bald die nächsten Theme-times.Ich freu mich schon auf Coffee!:)

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