Bisher begründete er allerdings die Tonnen an Lebensmitteln, die er zum Lunch in sich hineinschaufelte, stets mit dem genauen Gegenteil: einem höchst kargen Frühstück nämlich, welches lediglich aus einer Tasse Espresso bestanden habe.
Heute früh aber sah man ihn bereits zum Arbeitsantritt mit zwei kapitalen Mettbrötchen von der Größe je eines Turnschuhs ins Büro hetzen. Schon unterwegs hatte er sich gierig in eins verbissen wie ein Zombie in Tine Wittlers Oberschenkel, und am Schreibtisch setzte er diesen unästhetischen Vorgang auf eine Weise fort, deren Beschreibung jeden augenblicklich zum Gebrauch von Kernseife zwänge.
Kurz gesagt: Der Franke war schon in aller Herrgottsfrüh voll wie ein Walhai. Gleichwohl brachte er mittags plötzlich oben zitierte Theorie vor. Waidwund in unserem Essen stochernd mussten wir daraufhin mittags beim Inder in der Bahrenfelder Straße mit ansehen, wie er ein ums andere Mal durchs Buffet marodierte, mit vollbeladenen Tassen und Tellern zurückkehrte und zwischen zwei Bissen seine neue Theorie argumentativ zu fundieren suchte, was dank seiner unsauberen, reis- und hühnchengedämpften Spreche aber schon rein phonetisch nicht fruchtete.
Es ist übrigens nicht so, als seien nur die Mengen unzumutbar, die sein ganz offensichtlich außerirdischer Metabolismus ohne größere sichtbare Folgen zu verwerten imstande ist. Es ist auch die pure Geschwindigkeit, mit der er sich das alles zuführt. Manchmal hat man das Gefühl, man sähe dem Krümelmonster beim Keksfressen zu, aber im Zeitraffer.
Unlängst versuchten wir daher heimtückisch sein Esstempo zu senken, indem wir ihn zu extrem unhandlichen Lebensmitteln überredeten. Schauplatz war der Italiener im Mercado. Das Ergebnis indes war ernüchternd: Spaghetti mit Tomatensoße sind keine Frankenbremse, o nein. Sie sorgen lediglich dafür, dass er nach dem Mahl auch obenrum nicht mehr repräsentabel aussieht.
Wieso er trotz alledem auf schroffe Art nicht bereit ist, sich im Rahmen eines Workshops von emotionalem Essen heilen zu lassen, versteht wahrscheinlich nicht mal Tine Wittler.