15 Juni 2011

Es schneit Styropor



Obwohl ich mich seit vielen Jahren redlich mühe, meine Nemesis, den
Franken, durch den Kakao (oder besser: die Bratensoße) zu ziehen, hat dieses Blog erstaunlicherweise auch geneigte Freunde in seiner Herkunftsregion gefunden. Zum Beispiel den schon oft durch so intelligente wie eloquente Kommentare aufgefallenen Herrn blogspargel.

Wahrscheinlich hat der Mann – obzwar aus Nürnberg – mit untypisch feinem Gespür erkannt, dass unter der scheinbar harten Realität des Frankendissens eine zarte, zerbrechliche Wahrheit glimmt: nämlich die der liebevollen Hommage an diesen eigensinnigen Volksstamm.

Jedenfalls ließ Herr blogspargel mir heute bereits zum wiederholten Mal ein Paket mit ausgewählten Frankenweinen zukommen, abgefüllt natürlich durchweg im Bocksbeutel, von dem die Sage geht, sein Aussehen und Name leite sich ab vom Hodensack des Ziegenbocks, doch dazu später mehr oder vielleicht auch nicht.

Nämlich nur auf den Inhalt (des Bocksbeutels!) kommt es an, und der ist oftmals vorzüglich, denn wenn der Franke eins beherrscht, so ist es das adäquate Abstellen körperlicher Mangelerscheinungen mittels Speis und Trank in Hülle und Fülle und gar nicht so selten auch mit erstaunlichem Niveau.

Als ich in der Küche blogspargels Weinkarton öffnete, sah ich zunächst nur haufenweise Styroporteilchen. Irgendeins davon löste allerdings plötzlich einen Niesreiz bei mir aus, und ich konnte gar nicht so schnell gucken, wie ich auch schon in die Kiste nieste – mit erstaunlichem Effekt.


Eine ganze Legion kecker Styroporflocken nämlich stieg in Zeitlupe auf, als illustrierten die Macher von „Sex & the City“ eine winterlich-weihnachtliche Zweisamkeitsszene in den Straßen von New York, und dann sanken sie butterweich und unter Verspottung der Schwerkraft wieder nieder – auf die Anrichte, den Toaster, das Brotschneidebrett, den Boden, eigentlich überall hin.

Eine nur im ersten Moment verwunschene Szene, denn schon bald rutschte ich fluchend auf den Knien durch die Küche, um diese erstaunlich effiziente Styroporisierung unseres Wohnraums wieder rückgängig zu machen.


Vorm Niesen zur Unzeit kann ich also nur warnen. Die Gewogenheit der Franken indes ist bedingungslos zu empfehlen.


Kommentare:

  1. Anonym08:44

    Zitat Anfang
    Die Gewogenheit der Franken indes ist bedingungslos zu empfehlen.
    Zitat Ende
    Richtig, sehr richtig! Bei uns ist seit Montag ein Bocksbeutel fränkischer Rosewein daheim, wurde sogar 'geliefert' und ich freue mich schon sehr auf dessen Genuss.
    Und da ich ja nun eine Quelle habe ....
    Frau-Irgendwas-ist-immer

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  2. Das sind ja richtig grosse Styroporsteine da oben auf dem Bild, seien sie mal froh, hat der Franke seine Weinflaschen nicht mit Styroporkügelchen der Grösse "Globuli" gepolstert.

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  3. Nihilistin18:55

    Herr Matt, ich gönne Ihnen den Frankenwein und Herrn Blogspargel das blogöffentliche Dankeschön von Herzen.
    Aber: Sollte es sich um die handelsüblichen Styroporflocken handeln, die ich (vor Verwendung von Luftpolsterfolie) aus Dutzenden IT-Zubehör-Kartons gepult habe, dann gibt es genau zwei Möglichkeiten:
    1. Sie haben ein Riechorgan (und damit auch einen entsprechenden Druckausgleich), das C. de Bergerac vor Neid erblassen liesse, oder
    2. Sie haben ein wenig Bloggarn gesponnen. Ich habe die Dinger noch nicht mal zum großflächigen Fliegen gebracht, wenn ich die Kartons kopfüber entleert habe. Die folgten angesichts ihres Gewichtes einfach der Schwerkraft.
    Da heute ein sonniger Tag ist, unterstelle ich Ihnen mal 1.)

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  4. Matt, ich habe auftragsgemäß die XL-Bettlaken bei IK*A für Ihre Nasenpflege gekauft.
    Außerdem habe ich die Alpakawolle für Ihren Nasenschoner beim Wollgroßhandel bestellt. Die senden Ihnen eine Flasche Champagner, wegen der Bestellmenge von 200 Kilo Wolle. Toll, was?
    Zudem habe ich jetzt schon mal mit dem Stricken des besagten Nasenschoners begonnen. Der Winter kommt immer so plötzlich...

    Ansonsten: Blogspargel for president! *Konfettiregen* :-)

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  5. Also, Herr Wagner, Sie bringen mich zum Erröten, das ist einfach zuviel der Ehre. Der Franke sagt herzlichst Danke.

    Um solch verflockte Szene künftig zu vermeiden, böte es sich an, einfach kein Füllmaterial mehr zu verwenden. Oder die Flocken einfach mit einem Liter Schmierfett zu deckeln. Bis zum Postschalter jedenfalls würde sich dadurch nichts ändern.

    Und Frau Nihilistin, was glauben Sie, welche Anstrengung notwendig ist, wenn so ein Flocken in der Nase steckt. Da spielt Schwerkraft wirklich keine Rolle mehr.

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  6. Frau Irgendwas, das Schönste ist ja, dass im Fall eines guten Weins nicht die Vorfreude die schönste ist, sondern die Trinkfreude. Erfahrungswert!

    Herr Brutalo, Sie haben völlig Recht. Wahrscheinlich werde ich von diesen Brocken trotzdem noch monatelang welche hinter Heizung und Spülmaschine hervorklauben müssen. Zum Glück kann ich mir diese Tätigkeit schöntrinken.

    Frau Nihilistin, natürlich neige ich manchmal zum Spinnen von Bloggarn, doch so wahr ich hier sitze und bereits eine halbe Flasche des köstlichen Silvaners verputzt habe: Sie flogen und schwebten und taumelten durch die Luft, diese Dinger. Mein Niesen indes schien mir ein ganz normales gewesen zu sein. Ms. Columbo eilte nicht einmal alarmiert herbei.

    Anna, Ihre Sorge um meine Nase ist ja etwas ganz Neues. Doch so lange Schampus dabei herausspringt, lasse ich Sie einfach mal gewähren.

    Herr blogspargel, wenn hier einer sich bedanken darf, dann ja wohl ich, Herrschaftszeiten!

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  7. Hallo, bin gerade über diesen Blog gestolpert und muss sagen, dass dieser mir sehr gefällt. Was mir hier sehr aufgefallen ist, das hier immer von einem Herrn blogspargel die rede ist.... hat dieser blofspargel irgendetwas besonderes an sich ;-)

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  8. Man sollte die Unterschiede nicht ganz einebnen: Der Herr Blogspargel kommt aus Nürnberg, das ist Mittelfranken. Der "Franke" aber, soweit ich das weiß, kommt aus Mainfranken, was ein Teil Unterfrankens ist. Unter- und Mittelfranken aber sind einander alles andere als grün, ärger noch als Schwaben den Badensern, äh, den Gelbfüßlern. Einig sind sich Unter- und Mittelfranken ausschließlich in ihrer Aversion gegenüber den Oberfranken.

    Hier also von der gleichen Herkunftsregion von Blogspargel wie "Franke" zu sprechen, ist grob fahrlässig.

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  9. Aus exofränkischer Sicht nivellieren sich allerdings alle Unterschiede. Wenn ich von hier aus den Mars betrachte, sind das da oben auch alles einfach nur Marsmenschen, ungeachtet ihrer eventuell vorhandenen ethnischen Varianz.

    Und wie kommt überhaupt ein Schwabe dazu, die Franken auseinanderzuklambüsern? Das würde ich mir an deren Stelle niemals bieten lassen.

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  10. Christian, das Besondere an Herrn blogspargel sollte eigentlich aus dem Text hervorgegangen sein.

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  11. Ich lass mir das gerne bieten, denn alles was Gefährte Bandschublade da schreibt ist wahr und gut für die Unterfranken gesprochen! Ich selbst hätt's net schöner gsacht!
    Lassen Sie sich übrigens den Bocksbeutel gut schmecken, die diesjährige Ernte wird nämlich wegen späten Mai-Frösten nur karg ausfallen, wie ich aus Vor-Ort-Quellen weiß!

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  12. Also, Herr Wagner, erlauben Sie mir die Anmerkung, der Mars ist für uns Franken als Lebensraum etwas weit hergeholt, obwohl die Weite des Universums unserer geistigen Perspektive nicht unähnlich ist *ähem*.

    Der Schwabe an und für sich ist eigentlich ein ganz lieber, er will ja nur spielen. Die von ihm detaillreich beschriebene Diversifikation der Aversionen seiner fränkischen Nachbarn steht in Korrelation zu den vielen Sonnenstunden, die die südwestlichen Bewohner unseres Heimatlandes ja bekanntermaßen ausgesetzt sind, was zu einer "confusion de la chanson" führen kann und gibt einen Hinweis auf den von ihnen gewünschten - vor der Sonne geschützten - Lebensraum.

    Das kann nur hinter dem Mond sein. ;-)

    Und eben: Würden wir anhand unserer ethnischen Varianz unsere Aversionen wirklich so im Detail diversifizieren, würde uns so mancher gute Tropfen glatt entgehen. Proust!

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  13. Sie sind doch alles nur Süderelbler, Sie dahergelaufenen Ethnien, allesamt!

    In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen dringendst dieses Buch ans Herz legen.

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