10 Juni 2011

Im Visier der CIA oder dergleichen



Nein, nicht alles, was nach den festen Hinterlassenschaften des gemeinen Canis lupus familiaris aussieht, schmeckt so gut wie die Morcilla.

Dabei handelt es sich um eine spanische Blutwurst, welche uns heute Abend in der Weinbar St. Pauli warm kredenzt wurde. Dazu servierte Geschäftsführer Raphael einen vorzüglichen Rioja, denn die Veranstaltung firmierte völlig wahrheitsgemäß unter dem Namen „Wurst & Wein“.

Wir waren irgendwo in der Mitte der viergliedrigen Gangfolge, die später in der warmen Morcilla ihren Höhepunkt finden sollte, als plötzlich schon wieder Ina Finn vor mir stand. Erstmals sei sie heute in der Weinbar St. Pauli, erklärte sie, sie habe schon immer mal hier vorbeischauen wollen.

Und noch während sie sprach, wurde mir auf einmal alles klar.

Diese Frau nämlich ist zweifellos nichts anderes als eine zugegebenermaßen geschickt als Sommelière getarnte Geheimagentin, die aus bislang noch okkulten Gründen auf mich angesetzt ist – wahrscheinlich, weil ich immer mal wieder gegen die Gentrifizierung St. Paulis blogge oder die Gentrifizierung nicht ausreichend laut genug verdamme.

Ja, genau so ist es.

Vielleicht bin ich aber auch nur ein wenig übersensibilisiert, weil wir uns gerade eine Staffel nach der anderen von „Alias – Die Agentin“ reinziehen. Mit der üblichen Verspätung des nearly adopters natürlich.

Kommentare:

  1. Wiebke09:09

    Naja, lecker sieht anders aus....

    Aber ist bei Labskaus ja auch so;-)

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  2. Anonym10:11

    @wiebke: Labskaus schmeckt aber auch scheiße, hat aber den Vorteil, nicht in Gentrifizierungs-Lokalitäten gereicht zu werden.

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  3. De gustibus (et coloribus) non est disputandum.

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  4. Also, ich glaube, Sie überreagieren hier, jedenfalls, was die Gentrifizierung betrifft.

    Ich habe hier seit vielen Jahren jemandem unter meinem Dach, der mich beim Weinkauf in Richtung null Prozent beeinflussen will und mir in Gaststätten folgt und mich in Gespräche verwickelt, um mich beim Bestellen von entsprechenden Genussmitteln zu beeinflussen, nicht zuletzt, indem sie versucht, mir ein schlechtes Gewissen zu machen.

    Der Tenor ist immer der gleiche: "Es geht doch nur um Deine Gesundheit."

    Vielleicht ist Frau Finn in einem ganz anderen Auftrag unterwegs ...
    Pareidolie einmal anders ...

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  5. Wie bitte? Es gibt ja wohl kaum etwas Gesünderes als maßvollen Weinkomsum – ich sage nur: Antioxidantien!

    Null Prozent ist gesundheitsSCHÄDLICH, sagen Sie ihr das bitte!

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  6. Also, Danke, Danke, Danke, Danke, Danke für diese Unterstützung, endlich eine neutrale Quelle für diese wertvolle Information.
    Ich hab's ja auch schon mit dieser Argumentation versucht, aber Sie wissen ja, der Prophet und das eigene Land .....

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  7. Schauen Sie mal Richtung Mittelmeer. Griechen, Spanier, Italiener leiden erheblich seltener an Herz-/Kreislauferkrankungen als der gemeine Deutsche, und woran mag das wohl liegen? Natürlich an der verehrungswürdigen Kombination aus Olivenöl, Fisch und Wein, welche diese Völker in intuitiver Weisheit zur Basis ihrer Ernährung erkoren haben. Kein Bestandteil davon darf fehlen, ganz wichtig! …

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  8. Also, erlauben Sie mir ergänzend die Anmerkung, dass zum allgemeinen Wohlbefinden und zur Förderung der Gesundheit auch das junge Gemü.. ..., ähm, ich wollte sagen, die Köchin selbst in nicht unerheblichem Maße beizutragen im Stande ist, wenn, ja, wenn sie allen Zutaten gleichwohl gewogen ist.

    Alternativ kann es schnell in ein "Viva la Mama" abdriften, wie der Italiener so schön sagt.

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  9. Und gegen all das ist natürlich überhaupt nichts zu sagen, im Gegentum.

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  10. Anonym22:35

    Schön finde ich, dass Sie den Beitrag mit Gentrifizierung taggenm, wohl wissend, dass es eben diese Abend und Ansprüche sind, die die Gentrifizierung vorantreiben. Während der Ureinwohner sich mit eine flasche billigem Bourbon und einer Hauswand zufriedengibt, muss es bei den zugezogenen schon spanische Blutwurst zum teuren Rotwein sein.

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  11. Ach, machen Sie die Ureinwohner doch nicht so nieder. Das sind keineswegs alles Penner. Ab und zu kann sich sogar ein echter St. Paulianer einen vergnüglichen Abend für insgesamt 15 Euro (4 x Wurst, 4 x Wein) leisten, sogar als Hartz-IV-Empfänger.

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  12. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  13. Lieber Anonym (Posting um 10:11 und 22:35), ich gehe mal stark vom satirischen oder ironischen Charakter deiner Kommentare aus. Falls ich mich jedoch irren sollte, dann würde mich schon interessieren, was unsere Bar qualifiziert, eine "Gentrifizierungs-Lokalität" zu sein. Bin mal gespannt!

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  14. Weinbar Sankt Pauli, Sie sollten sich keinesfalls mit Paranoiden anlegen. Das endet nur in Verzweiflung und Frustration.

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  15. Anonym20:07

    Zwischen Weinbars in norddeutschen Rotlichtvierteln und der Gentrifizierung einen Zusammenhang herstellen zu wollen, ist ein genauso absurdes Unterfangen wie plebejisches Geduze und gehobene Speisekultur und gute Umgangsformen unter einen Hut zu bringen.

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  16. Hm, mir ist gerade nicht ganz klar, ob Sie damit die Errungenschaften der menschlichen Zivilisation preisen oder verdammen wollen.

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  17. Anonym15:35

    Interessanter Gedanke. Unter dem Aspekt, dass es sich bei der Gentrifizierung und der Internetduzerei um Errungenschaften der menschlichen Zivilisation handeln könnte, habe ich es bisher noch gar nicht betrachtet.

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  18. Natürlich wissen Sie genau, dass ich freundliche Umgangsformen und Esskultur gemeint habe. Warum ich trotzdem auf ihr vermeintliches Missverstehen reagiere, weiß ich aber auch nicht.

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  19. Anonym22:18

    Das ist meiner Meinung nach - und diesmal ganz ohne Ironie - eine Ihrer bewundernswertesten Eigenschaften.

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