07 August 2010

Begegnung mit einem Vampir (oder Zombie)



Ein Tag der Merkwürdigkeiten – wobei die unvermittelte Ergänzung zur Anweisung des Hausarztes nicht mal die größte darstellte.

Denn am merkwürdigsten wurde es abends im indischen Restaurant Zala in der Rothenbaumchaussee. Ich erhielt als Wechselgeld Münzen – und die waren erschreckenderweise eiskalt.

Der Kellner verließ freundlich lächelnd den Tisch, während ich die Münzen rasch in der Hosentasche verwschwinden ließ, wo sie mir allerdings sofort durch den Stoff Gefrierbrandflecken in den Oberschenkel stanzten. Derweil ratterten mir die wichtigsten Fragen durch den Kopf, die dieser Vorfall aufwarf:

Lagern sie hier im Zala die Münzen etwa in der Tiefkühltruhe, bevor sie sie rausgeben? Oder war es die Hand des Kellners, die den Temperatursturz des Metalls bewirkte – und was bedeutete das für die Einordnung des Mannes in die Fauna?

Vielleicht gibt es ja doch Wesen, die menschlich wirken und doch keine Warmblüter sind. Seit dem Zala-Besuch scheint mir die Existenz von Vampiren und Zombies wieder deutlich plausibler.

Die Münzen habe ich heute an zwei obdachlose Russen im Brauquartier verschenkt. Sicher ist sicher.



Kommentare:

  1. Frederick01:50

    Ärzte scheinen da allgemein wenig Vorstellung von der Unsicherheit von Patienten zu haben. Als ich beim Gastraoenterologen eine Stuhlprobe abgeben sollte, hieß es "da hinten rechts, da legen Sie sie bitte auf den Tisch". Stracks den Flur entlang, liegen zur Rechten drei Türen, keine gekennzeichnet. Ich will ja nicht in irgendeine Behandlung Reinplatzen, also frage ich lieber nach, die erste Tür zur Rechten soll's also sein. Da ist nun ein Raum, der aussieht, als wäre es die Aufenthaltsküche der Angestellten. Der Tisch steht schief, das Reagenzgläschen hält nur nach zweimaligem Drehen. Als Ablagefläche kommt sonst nur die Theke vor der aktivierten Kaffeemaschine in Frage, aber das will ich wiederum dem Personal nicht zumuten.
    Warum stellt man nicht einen 1-Euro-Korb auf mit entsprechender Aufschrift? Ich vermute, als Privatpatient habe ich den Korb mit jedem Wort ohnehin viermal bezahlt.
    Darüberhinaus, weil gerade alle begeistert über Stuhlproben nachdenken: beim Hausarzt, der immer begeistert ist, wenn er mich sieht und schlaue Ratschläge gibt ("wenn das beim Bücken schmerzt, dann Bücken Sie sich besser nicht") gibt's Stuhlprobenröhrchen in Doppel-Verglasung, sprich ein Röhrchen mit Löffel-Deckel und ein Äußeres, das undurchsichtig ist. So ist gewährleistet, dass man sich, wenn man es voller Stolz der Sprechstundenhilfe in die Hand drückt, keine Gedanken machen muss, ob der Blick der Färbung gilt.

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  2. In Berlin legen viele Bedienungen das Portemonnaie in die Kühlung, weil es da keiner sucht und demzufolge auch nicht klaut.

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  3. Marc17:44

    Nicht nur in Berlin!

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  4. Frederick, Ihre Geschichte ist durchaus interessant, doch sie streift das Thema nur am Rande. Mir ging es nur um das denkwürdige „Hunger!“-Graffito, und das hat sicherlich ein Patient da hingeschrieben.

    Kai, Marc: Sie beweisen mir mal wieder, wie lehrreich es sein kann, seine eigene Unkenntnis im Blog zu thematisieren. So bin ich schlauer geworden. Die Diebe allerdings auch …

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  5. Lottominati13:09

    noch eine Kaltgeld-Rückgabe (change you can freeze from), beim Wiederlesen von Arno Schmidts "Caliban über Setebos" gefunden:

    : "Kommt auss'e Kühltruhe." sagte er s-tolz; "meine Frau hadda ne Ziegaa'nkissde mit Kleingeld in : ihre Eis-Kasse - Offebaa,wie?"

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  6. Lottominati, es ist immer sinnvoll, Schmidt zu zitieren, vor allem Arno. Das Phänomen scheint jedenfalls schon weiter älter zu sein, als ich mir je hätte vorstellen können.

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