01 August 2010

Alles schläft, eine wacht oder Die Cinemaxx-Blitzreaktion



Von: Matt
Betreff
: Aufpreis für Sichtbehinderung – wtf?
Datum: 31. Juli 2010 01:47:42 MESZ
An: cinemaxx.com


Liebes Cinemaxx Dammtor in Hamburg,

wir haben uns am Wochenende für 20 Euro den Leo-DiCaprio-Film „Inception“ angesehen (hervorragend, Hut ab), und zwar in Saal 1, Reihe M.

Ich weiß nicht, ob es Ihnen bereits aufgefallen ist, doch vor Reihe M befindet sich ein Metallgeländer mit einem geknicktem Handlauf, der zuverlässig einen Teil der Leinwand verdeckt – sogar wenn man sich aufrecht und möglichst gereckt hinsetzt, was einer bequemen Sitzhaltung aber eh nicht förderlich wäre. Im Theater kosten Plätze mit Sichtbehinderung weniger, bei Ihnen mehr – versteh einer die Welt!

Da die Vorstellung ausverkauft war und wir leider auch zufällig keine Metallsäge mitführten (ein Versäumnis, welches nicht wieder vorkommen wird), war das Problem nicht zu beheben. In der Pause des Films versuchte ich daher die verantwortliche Kassendame standrechtlich zur Rechenschaft zu ziehen, doch sie hatte vorsorglich bereits das Weite gesucht.

Ich griff mir ersatzweise einen Sicherheitsmann im Saal und schilderte ihm den Mangel, ja, ich nötigte ihn sogar erfolgreich dazu, kurzzeitig meinen Platz einzunehmen und die versperrende Wirkung des Geländers mit eigenen Augen zu verifizieren, was er auch tat. Er wusste auch nicht so recht, welcher Teufel den Architekten geritten hatte, konnte aber zumindest die Information beisteuern, dass dieses Geländer bereits von Anfang an in diesem Saal sein Unwesen trieb.

Immerhin besteht der Handlauf – das muss ich fairerweise betonen – aus zwei parallelen Stangen, die etwa alle 50 Zentimeter vertikal verbunden und segmentiert sind. So konnten wir durch einen geschickten Mix aus Ducken, Recken und horizontales Verschieben des Oberkörpers auch Blicke auf jene Bildinhalte links unten erhaschen, die uns das sardonische Geländer eigentlich vorenthalten wollte. Gerade bei den anfänglichen Untertiteln erwies sich unsere körperliche Fitness als segensreich.

Gleichwohl kann es nicht im Sinne der Brüder Lumière sein, sich im Kino den Hals zu verrenken – vor allem nicht auf den teuren Plätzen. Denn zumindest das Parkett erfreute sich durchweg bester Sicht.

Lange Rede, kurzer Sinn: Weg mit dem Geländer, freie Sicht auf Leo! Was uns natürlich nur künftig wieder etwas nutzen würde, nicht aber die Vorstellung vom Samstag posthum zu retten imstande wäre. 20 Euro für einen Blick durch ein Geländer? Das finden wir – und ich spreche da auch im Namen von Ms. Columbo – deutlich übertrieben.

Sie hoffentlich auch.

Mit Nackenschmerzen:
Matt



Von: CinemaxX - Der Filmpalast
Betreff: AW: Kritik: Aufschlag für Sichtbehinderung – wft?
Datum: 31. Juli 2010 02:05:28 MESZ


Guten Tag Herr Wagner,

wir bedauern ihr getrübtes Kinoerlebniss und möchten ihnen als Entschuldigung gerne Freikarten zukommen lassen. Senden sie uns dazu bitte ihre Adresse auf diesem Weg.

Haben Sie vielen Dank für Ihre Mail und Ihr Interesse an unserem Hause!

Mit freundlichen Grüßen

Verena E. K.

CinemaxX Cinema GmbH & Co. KG


PS: Dass eine Mitarbeiterin mitten in der Nacht noch auf Kritik wartet und sie prompt kalmiert, finde ich im Nachhinein doch weniger erstaunlich als die kleine Veränderung im zitierten Betreff: Aus meinem „wtf“ wurde wundersam ein „wft“. Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde …


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Kommentare:

  1. Die sind sehr unkompliziert wenn es "Entschädigung" geht. Wir haben uns mal beschwert weil der Teppichboden bei unseren Plätzen total klebrig war. Hatte wohl jemand Cola umgekippt. Wir haben dann auch Freikarten bekommen.

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  2. Sieg! Sieg! Victory! Ich habe einen Kommentar hingekriegt... ich fasse es nicht... :-)

    Wir haben übrigens für zwei Kinokarten (ebenfalls "Inception")20 CAD bezahlt. Ohne Geländer.
    ;-)

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  3. Also so ein paar Freikarten rauszuhauen und dafür Kunden zu behalten juckt die nicht. Ist immerhin billiger, als ein neues Geländer.

    Und dass das Geländer schon immer da war und die trotzdem noch nichts gemacht haben und weiterhin die teureren Karten da verkaufen, zeigt, dass die meisten sich nicht trauen, sich zu beschweren.

    Erinnert mich echt wieder dran, warum ich diese Masche der Multiplex-Kinos nicht liden kann. as soll überhaupt diese Sitzreservierung in Kinos? Wie deutsch ist das denn?

    Und vor allen Dingen, die unterschiedlichen Preiskategorien. Als ob der Film besser wird, wenn man weiter weg sitzt.

    Sowieso, im Theater sind die teuersten Plätze vorne, im Kino hat man es irgendwie geschafft, den Leuten zu verklickern möglichst viel zu zahlen, wenn man hinten sitzt.

    Im Ernst, 20 Euro für 2 Karten für einen Hollywood-Blockbuster halte ich für viel zu übertrieben. Vor allen Dingen, dass die dann auch noch schaffen, das ausverkauft zu machen, ist ein Schlag ins Gesicht jedes Künstlers, der live auf der Bühne steht und um jeden einzelnen Gast kämpfen muss und sich abrackert, anstatt einfach auf "play" zu drücken.

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  4. Anonym14:52

    Interessant das Problem mit dem klebrigen Teppichboden hatte ich gerade gestern Abend, zusätzlich zu unfreundlichem Personal und immerhin 26€für 2 Karten.
    Auf meine Beschwerde hin wurde geantwortet das der Teppichboden versehentlich mit einem falschen Reinigungsmittel gereinigt wurde und bei hoher Luftfeuchte dann klebt. Immerhin Freikarten wurden auch uns angeboten.

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  5. Anonym20:58

    Interessantes Problem! Ich war gestern auch in solch einer Box. Und der Teppich klebte dort auch. Es gab sogar Löcher in den Wänden. Ich habe keine 20 Euronen bezahlt. Hat auch keine zwei Stunden gedauert. Der Hauptfilm. War halt ein Kurzfilm. Geländer gibt es dort auch. Die sägt aber keiner ab. Und eine Rückerstattung könnte schwierig werden. Ich liebe Kino. Klappe!

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  6. Der Teppich klebt wohl immer vermute ich. Vermutlich nehmen die gar kein Reinigungsmittel. Den meisten Besuchern ist das anscheinend egal. "Ach, ist wohl Cola oder Bier ausgelaufen. Passiert ja mal." Aber wenn man sich beschwert gibt's halt Freikarten. Und man könnte so sich dann wieder beschweren usw usw und bräuchte dann nie mehr was zu bezahlen.

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  7. sophie21:51

    @Manuel:
    Also ich zahle lieber 1 Euro mehr, als dass ich mich in die erste oder zweite Reihe setzen muss, um nach dem Film dann den Hals nicht mehr bewegen zu können.. Allerdings bin ich ja auch oft so frech, Parkett zu bestellen und es mir dann in der Loge bequem zu machen. *Pssst* Allerdings dürfte das bei neu angelaufenen Blockbustern an einem Samstag Abend im Cinemaxx eher schwierig werden. Und viele meiner Begleiter haben schlicht nicht die Nerven für so eine Aktion.. Alle viel zu dünnhäutig!

    Herr Wagner, ich kann ihren Protest sehr gut verstehen, ich hätte ähnlich reagiert. (Während meine bessere Hälfte sich wohl nur kopfschüttelnd gefragt hätte, was ich nun wieder habe) Allerdings wäre ich an Ihrer Stelle darüber verärgert, dass die Dame in ihrer Antwort überhaupt nicht auf den Handlauf eingegangen ist.

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  8. Da sind wir uns in der Tat ähnlich – denn ich habe die Dame in meiner zweiten Mail gefragt, ob das Cinemaxx denn gedenke, das Problem grundsätzlich zu lösen, oder ob wir beim nächsten Besuch explizit auf Plätze ohne Geländerblick bestehen sollten.

    Eine Antwort darauf steht allerdings noch aus.

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  9. Nannte man die vorderen Reihen nicht auch Rasierloge?

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  10. Noch nie gehört.

    Gefahr für Bart, Leib und Leben besteht doch eigentlich nur bei Martial-Arts-Filmen in 3-D … ;-)

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  11. Martin W.23:59

    Ich stelle zunächst einmal erstaunt fest, dass Hamburg in der Tat ein teueres Pflaster als Osnabrück zu sein scheint.

    Allerdings sind hier auch klebende Teppichböden die Regel. Somit scheint es ein generelles Problem im Einkauf der Reinigungsmittel dieser Vergnügungstempel zu sein.

    Ich stehe ja sowieso mehr auf die guten alten Programmkinos, weil die mir in vielen Dingen mehr zusagen. Allerdings kann ich mich beim besten Willen nicht daran erinnern, dass vor der Euro-Umstellung Karten 14 Mark gekostet hätten.

    Zu guter Letzt: Eine sehr gelungene Wortwahl in ihrer elektronischen Post, Herr Matt. Hut ab!

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  12. Anonym07:51

    @ Martin W.

    Die Umstellung auf den Euro ist ja auch erst 7 1/2 Jahre her. Ein Kinoticket kostete damals hier in der Prärie schon 10 DM. Bei einer jährlichen Preissteigerung von 4% kommen wir auf 10 DM x 1,04 hoch 7 = 13,16 EUR. Liegt doch noch im Rahmen.

    @ Matt:

    Der Dreher wtf <-> wft ist mir auch gleich ins Auge gefallen. Vielleicht handelt es sich um einen verdeckten Seitenhieb auf Ihre Ausführungen. Das Kürzel wft könnte schließlich auch "Wat fürn Tünnef" bedeuten. Mal was neues.

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  13. Anonym07:53

    Ich meinte natürlich 13,16 DM und nicht 13,16 EUR. Das wäre dann doch etwas zuviel des Guten.

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  14. Martin W.09:15

    @Anonym:

    Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Einkommen früher jährlich um 4 % gestiegen wären.

    Davon abgesehen: Wie Manuel schon richtig andeutete stimmt die Relation irgendwo nicht, wenn ich mir angucke, was ein besserer Komödiant sich abrackern muss, um von seiner Kunst leben zu können.

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  15. Anonym10:53

    @ Martin W.

    Kann mich auch nicht an jährliche tarifliche Steigerungen von 4% erinnern. Konsens. Die Inflation erstreckt sich aber nicht exakt gleichmäßig verteilt auf alle Güter und Dienstleistungen.

    Recht haben Sie aber damit, dass ein Kinobesuch viel zu teuer ist. Schon wieder Konsens. Aber heutige Preise mit den Preisen vor der Euroumstellung zu vergleichen ist nach 7 1/2 Jahren vielleicht doch etwas überholt.

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  16. Als fleissiger Kinogänger muß ich anmerken, dass die Preise - in Hamburg allgemein und in den Multiplex-Kinos im Besonderen - schon vor der Euro-Umstellung und inflationsunabhängig ein wenig über der Norm lagen.

    Bevor ich vor 12 Jahren nach Hamburg gezogen bin, war ich in Darmstadt Preise von 10-12 DM gewohnt. Als ich dann in Hamburg das erste mal ein Multiplex besuchte (das UFA am Gänsemarkt - RIP) dachte ich, die Dame am Ticketschalter hätte sich versprochen, als sie für 2 Karten 35 DM haben wollte. Aber es war ihr voller Ernst: eine Karte in der Abendvorstellung am Wochenende kostete damals stolze 17,50 DM.

    Im Prinzip sind die Preise über die Jahre nur wenig gestiegen. Der Grundpreis für ein Ticket am Wochende liegt im CinemaxX bei 8 Euro. Dazu kommen aber je nachdem Zuschläge für Loge, Überlänge, Reservierung sowie natürlich inzwischen für 3-D.

    So kann man sich dann schon mal überlegen, ob man einen Film unbedingt im Kino sehen will oder ein Jahr später für den gleichen Preis auf DVD kauft. Zumal man zuhause weder in Gefahr läuft von einem Geländer oder einem 2-Meter Koloss in der Sicht behindert zu werden. Oder noch schlimmer: durch einen persönlichen Audiokommentar durch zwei Reihen weiter sitzende Quatsch-Tanten.

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  17. Zwei Reihen weiter??? Direkt neben uns!

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  18. vermutlich hat die dame ein push handy am start und war gerade dabei, ins bett zu gehen (oder kam grad angeschiggert nach hause). sie hat sich über ihre mail gefreut (auch wenn sie eigentlich eine liebesmail ihres chefs erhofft hatte), war aber nicht willens oder fähig zu einer eigenen kreativen antwort. also standard bla bla, diese formulierungen sitzen auch nach 12 coktails sicher, zumindest schriftlich. dabei hat sie auf dem iberry aus versehen den betreff weggedaddelt und manuel wieder hinzugefügt und dabei einen buchstabendreher hinterlassen.

    so muss es gewesen sein.

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  19. Kann sein. Und jetzt müssen nur noch die Freikarten kommen …

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  20. Im aktuellen Wochenprogramm des CinemaxX-Dammtor sind keine Vorstellungen für den Saal 1 vorgesehen - sollte Ihre Beschwerde tatsächlich zu größeren Umbaumaßnahmen geführt haben? Wie dem auch sei - ich hoffe der Saal wird bis zum Beginn des Fantasy Filmfests am 18.08. wieder frei.

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