15 Januar 2010

Erotisch wie ein Nacktmull

Auf dem Kiez wird das Jammern über den Niedergang des Rotlichtmilieus immer lauter.
Es käme nur noch Pinneberger Partyvolk, heißt es, doch keiner wolle mehr zu den Huren; die Koberer quatschten sich vergeblich die Münder fusslig; es herrsche tote Hose beim Tabledance.

Alles bestimmt richtig. Doch woran liegt’s? Vielleicht, lieber Kiez, nicht nur an den leeren Taschen des Zielpublikums; vielleicht hast du ja auch ein selbstgemachtes Problem mit deiner Außenwirkung.

Nehmen wir doch mal paradigmatisch diese Oben-ohne-Bar an der Reeperbahn, die uns mithilfe der abgebildeten Auslage von den unwiderstehlichen Reizen ihres Angebotes überzeugen möchte.

Was draußen versprochen wird, muss drinnen mindestens zur Hälfte zu einem Drittel gehalten werden, das weiß hier jeder. Doch die Strumpfhose hat maximal die erotische Strahlkraft eines Nacktmulls mit Neurodermitis. Wie müsste wohl eine Stripperin beschaffen sein, die weniger als halb so rattenscharf ist wie dieses Stück Reiz(los)wäsche …?

Es trägt auch nicht zu ihrer Wirkung bei, dass sie offenbar seit Uwe Seelers Abschiedsspiel nicht mehr gewaschen wurde. Und auch die Idee, sie an allen vier Enden mit Reißzwecken zu fixieren und diese dann dekadenlang dem gemütlichen Verrosten anheimzustellen, wirkt nur eingeschränkt aufgeilend.

Natürlich: Nicht alle Erotikangebote auf der Reeperbahn wissen so erschütternd wenig über die männliche Libido. Doch die Mehrzahl hat vermarktungstechnisch enorm Luft nach oben.

In unserer Oben-ohne-Bar ginge wahrscheinlich schon die Sonne auf, wenn man das erbarmungswürdige Strumpfhöschen rausnähme und der Leihstellerin zurückgäbe.

Vielleicht wird man dabei ja ganz in der Nähe fündig, etwa in der Seniorenwohnanlage Am Elbpark – und muss nicht mal hoch bis zum Ohlsdorfer Friedhof.

Kommentare:

  1. Joshuatree01:21

    Ich bin mir sicher, dass es in der Seniorenanlage "Am Elbpark" erotischer zugeht, als auf dem Kiez und sonstwo.

    Selbst das Downstairs in HH hat sich wohl allem und allen geöffnet, wie ich gerade las.

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  2. Ganz im Gegenteil: Dieses Etablissement hat dichtgemacht.

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  3. Bin gespannt, wie es weiter geht mit der Sexmeile Hamburgs! Haben die Medien eigentlich dieses Thema schon aufgegriffen oder benutzen sie immer noch das alte Image der Reeperbahn für Berichte jeglicher Art? Naja, wie auch immer - ein Niedergang zu einer Party-Meile wäre wohl schade, oder???

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  4. Nils die Erotikmaus10:22

    Also ich vermute, dass die einschlägigen Etablissements nach wie vor ihr Geschäft machen und gut davon leben können. Und das Feiervolk (zu dem ich mich auch zähle) ist nun mal nicht auf offensichtlich bezahlten Sex aus.
    Gut, wenn man das mal hochrechnet, wie oft man einer Dame was ausgibt und wie selten es dann tatsächlich zu hause klappt, da kommt man mit 40EUR im Laufhaus aber günstiger bei weg :D
    (Das ist jetzt nur eine ungefähre Hochrechnung und spiegelt nicht meine persönliche Bilanz wider! (Die ist nämlich viel höher!))
    Zurück zum Thema:
    Ich empfinde die Koberer und Nutten immer noch als störend. Ich bin immer froh, wenn ich durch den Ring am Hans-Albers-Platz durch bin ...

    Aber haben Sie gemerkt? Kaum schreiben Sie wieder über Sex und Nutten, bin ich wieder voll dabei! ;)

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  5. Natürlich, Nils, weiß ich längst, welche Knöpfe man bei Ihnen drücken muss. Sie sind soooo simpel gestrickt …

    Auge, der Trend ist schon länger da; das ist jetzt nicht gerade die Enthüllung des Jahres. Aber speziell diese Strumpfhose wurde meines Wissens noch nie thematisiert. Und darauf bin ich stolz.

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  6. Nihilistin12:23

    Als sich dieser Eintrag langsam auf meinem derzeit etwas langsamen Notebook aufbaute, war mein erster Gedanke zum Foto: Nacktscanner-Aufnahme der unteren Extremitäten einer Strapsträgerin.
    Soweit hat mich die Diskussion um die Scanner schon gebracht.
    Seufzende Grüsse - Nihilistin (derzeit Vielfliegerin)

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  7. ohne es ausprobiert zu haben und nähere Informationen zu haben schätze ich mal, dass man mit 40 € auch im Laufhaus nicht viel Spaß haben wird

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  8. Das sagt mir auch mein gesunder Männchenverstand.

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  9. Nils die Laufhausmaus14:33

    Oh doch.
    Zumindest war das mal vor sieben Jahren so.
    Nach vier Uhr lag der Preis bei 30-40EUR. Ich kann das aus sehr sicherer Quelle bestätigen. Aber wie gesagt, das war vor sieben Jahren so ...

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  10. Joshuatree23:53

    @Matt: Hatte einen Smiley vergessen. Diese Bar war vor der unsäglichen Programmänderung, die zwangsläufig zum Kollaps führen musste, früher durchaus einen toleranten und niveauvollen Besuch wert.

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  11. Cinema_Noir11:39

    Kiez, und Ohlsdorfer Friedhof haben schon gewisse Gemeinsamkeiten. Auch wenn der Themenschwerpunkt bei letzterem anders liegt.
    Mit dem Kiez verbindet man gemeinhin die bezahlte Möglichkeit zur Kopulation. Entsprechend findet man dort, dem Themenschwerpunkt entsprechend, eine reichhaltige Auswahl an Geschäften die sich dieses Themas in direkter aber auch indirekter Weise annehmen.

    Der Themenschwerpunkt des Ohlsdorfer Friedhofes dürfte grundsätzlich klar sein, und deshalb nicht unbedingt erwähnenswert. Jedoch findet man auch hier alles was zum Thema passt. Nur eines ist anders!

    Die Bestatter kobern nicht.

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  12. Es ist schon etwas merkwürdig, das muß ich bei kritischer Betrachtung meiner eigenen Ausgehgewohnheiten mal feststellen: Einerseits finde ich am Kiez das Nebeneinander von Diskotheken und Kneipen auf der einen, Oben-ohne-Bars und Puffs auf der anderen Seite höchst reizvoll, jedenfalls macht das eine Menge der Stimmung aus.

    Andererseits geht es mir wie Nils, der Maus: Mich stört es schon, ständig angesprochen zu werden, ständig durch den Blockadering der Prostituierten brechen zu müssen.

    Nur: Wenn die Nutten nicht mehr da wären, es ginge eine Menge des Flairs verloren.

    Daß aber das Partyvolk daran schuld sein solle, daß die einschlägigen Etablissements keinen Umsatz mehr machen, halte ich ebenfalls für eine sehr gewagte These. Im Gegenteil: ich glaube, daß die Wechselwirkung beider Angebote insgesamt für alle Beteiligten von Vorteil ist.

    Aber eben nur dann, wenn auch die alteingesessen Betreiber verstehen, daß auch der Markt der käuflichen Liebe ein Markt ist. Und daher auch hier marktwirtschaftlich gearbeitet werden muß; sprich: sich den Kundenwünschen anpassen oder eben untergehen.

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  13. Wo hast Du denn dieses Bild noch machen können? Ich dachte, dass der Kiez nur noch aus Billigkneipen und Erotikkaufhäusern besteht. ... aber stimmt, etwas Schmuddel gibts noch in den Nebenstraßen. Aber da regen sich ja die neuen Bewohner auf dem ehemaligen Brauereigeläden auf, die natürlich vor Einzug nicht wußten, wohin sie ziehen.

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