07 November 2007

Nur ein Bier, BITTE!

Vorm Tätowierladen in der Barner Straße, den die meisten Leute, die ich kenne, seit einiger Zeit „Tättushobb“ nennen, steht ein großer Hund vor der Tür und schaut sehnsüchtig hinein.

Hunde haben einen fantastischen Geruchssinn, vielleicht riecht er Blut. Das Blut all der lustvoll gepeinigten Masochisten, die Kunden sind im Tättushobb. Oder er beobachtet sein Frauchen, das an der Theke lehnt und wahrscheinlich gerade die Modalitäten eines Arschgeweihs bespricht.

Egal, mein Bus kommt, die Sache bleibt ungeklärt. Abends beim Konzert von Lucinda Williams (Foto) in der Fabrik schleiche ich mich zwischendurch raus, um in der Pizzeria nebenan kurz die Zwischenergebnisse der Champions-League-Spiele zu erfahren. Pro Forma bestelle ich ein Bier. Doch der Ober lehnt ab: „Wir sind keine Bar.“

Zehn Minuten, barme ich, nur zehn lächerliche Minuten, dann sind die Spiele zu Ende und ich verschwinde wieder und lasse die deutschitalienische Gastronomie in Ruhe mit meinen empörenden Konsumwünschen.

Er ist gnädig, räumt aber mit deutlicher Muffigkeit die gewaltige kreidebeschriftete Tafel wieder ab, die er wie einen stummen Vorwurf auf den Stuhl gegenüber gestellt hatte. Nach dem Abpfiff gebe ich trotzdem 50 Cent Trinkgeld, aber ich hasse mich dafür.

Soviel Selbstachtung muss sein.

Kommentare:

  1. Tsss. Einen auf Sternegastronomie machen aber Fußball laufen lassen. Das nenn ich mal Selbstbewusstsein.

    AntwortenLöschen
  2. German Psycho11:58

    Sie hätten ihm statt 50 Cent lieber 50 Schrotkugeln ins Gesicht schiessen sollen. Etwas anderes haben solche Typen nicht verdient.

    Nach Abgabe des Schusses dann das Geschäft langsam verlassen, dabei zu sich selbst, aber für Außenstehende deutlich hörbar, über die Servicewüste Deutschland meckern. Jeden, der zustimmt, ebenfalls erschiessen.

    AntwortenLöschen
  3. Anna12:26

    Sie hätten ihm 50 Euro Trinkgeld geben und ihn damit so richtig beschämen sollen! So richtig. Bis ins Mark!

    Obwohl mir der Vorschlag von GP noch viel besser gefällt.
    Besonders der Schluss...

    AntwortenLöschen
  4. strelo19:27

    Ich kann den Mann vom Restaurant verstehen und bin froh, dass es noch Menschen gibt, die sich und ihre Überzeugung nicht für ein paar Euros verkaufen.

    Wie heißt der Laden?

    AntwortenLöschen
  5. ramses101, das Restaurant macht auf Sterne? Vielleicht sollte ich da wirklich mal ESSEN gehen.

    GP, Ihre Lösungen sind meistens konsequenter als meine, das muss ich schon zugeben. Das gilt auch für Annas Vorschlag, der zudem noch billiger gewesen wäre. Eine Schrotflinte ist doch bestimmt teurer als 50 Euro?

    strelo, ich weiß es nicht einmal. Er liet an dem Platz, wo auch die Fabrik beheimatet ist. Leicht zu finden. Gehen Sie doch einfach mal hin und bestellen Sie ein Bier …

    AntwortenLöschen
  6. Anonym21:18

    Das ist ganz eindeutig das Il Vagabundo. Ich habe mich beim Lesen ganz köstlich amüsiert und kann ganz deutlich Ricardos Gesicht sehen, als er die Bestellung aufgenommen hat.

    Ich liebe den Laden. Und die rotzige Art dort.

    AntwortenLöschen