07 November 2007

Fundstücke (35)

1. Gestern lenkte ein wohlmeinender Kollege meine Aufmerksamkeit auf die Webseite von Martha Olschewski. Sie hat eine besondere Dienstleistung im Angebot, die sie auch hier auf dem Kiez in einem Ladenlokal offerieren könnte: das „Genitallesen“.

„Wie schon ihre Mutter“, erläutert die gebürtige Georgierin bereitwillig, „brachte meine Mutter mich mit 12 mit dem Genitallesen in Kontakt.“ Mit 12! Und mit Folgen: „Bis irgendwann eine gute Freundin mir vorschlug, das Genitallesen doch nebenberuflich auszuüben. Mir gefiel die Idee, und auch mein Mann meinte, dass es durchaus einen Versuch wert sei.“


Auch ihr Mann also. Heute ist die Olschewski, die wahrscheinlich mehr Schniedel in Händen hielt als Domenica und Dolly Buster zusammen, längst selbstständig. Sie liest Tausenden die Zukunft aus Pimmeln und Muschis, ob Einzelpersonen oder Unternehmen. Interessante Vorstellung übrigens: Die Firma Letzte Ruhe Bestattungs-GmbH geht geschlossen zum Genitallesen.

Jedenfalls hat Martha Olschewski eine echte Marktlücke entdeckt und geni(t)al besetzt: „Das Genitallesen“, eröffnet sie uns denn auch offen und ehrlich, „ist heute eine nur noch wenigen Menschen bekannte Technik.“

Ja, das ist eine ganz, ganz großartige Seite. Ich bitte nur darum, das Gästebuch nicht noch mehr zu versauen, als es eh schon ist. OKAY?

2. „Hundertmal werd ich’s euch sagen und tausendmal: Irrtum ist Irrtum! Ob ihn der größte Mann, ob ihn der kleinste beging.“ Sagt Friedrich Schiller. Leider hat er die Frauen vergessen.

3. „Das Internet ist so etwas wie eine offene Form der geschlossenen Anstalt. Auch von mir selbst weiß ich manchmal nicht so genau, ob ich nun Pflegekraft oder Patient bin. Aber ich bemühe mich wenigstens darum, mich nicht ganz offensichtlich wie ein Patient zu verhalten.“ Gefunden an der Blogbar.

4. „Man fühlt sich erdrückt von einer um sich greifenden öffentlichen Dummheit, der man kein korrektes Urteil in den elementarsten Dingen zutrauen kann.“ Hannah Arendt nach ihrem Besuch in Deutschland 1949 – übrigens das Jahr, in dem Martha Olschewski geboren wurde.

Kommentare:

  1. Anonym09:27

    tach!
    soso. blutpenis und sehr ausgeprägtes selbstbewusstein - das hätte ich ja nie von mir gedacht!
    danke matt!

    blondyonly

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  2. Nachbarin10:21

    Damit sich Schiller ohne Goethe nicht ganz allein fühlt: "Es irrt der Mensch, solang' er strebt."
    Jeder weitere Kommentar zu der von Ihrem Kollegen gefundenen Seite der O. erübrigt sich eigentlich.

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  3. reddog10:40

    als weiterführende lektüre empfehle ich die seite www.rosenhzep.de (bekannt aus vielen hamburger u-bahn waggons) insbesondere die fotogalerie ist sehr zu empfehlen!

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  4. Anonym14:08

    Kein großer Unterschied zwischen Begegnungen mit Außerirdischen, Sternzeichen & Horoskopen, Genitallesen, Religion jeglicher Couleur.

    Frau Arendt hat schon recht mit ihrer Feststellung.

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  5. Anna15:58

    Früher nannte man das einfach Doktorspielchen. Heute macht man einen Beruf draus.
    Komisch.

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  6. Der Brüller schlechthin, bei mir auf den Gängen gackert jetzt noch das halbe Büro.

    ...und so manche Kollegin ist heimlich mit nem Kosmetikspiegel aufs Klo geschlichen ;-)

    (btw, war wohl der Cache meines Bürorechners, der mir einen Streich spielte)

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  7. Lesen, gut !
    Komme nicht über das Komma hinaus.
    Opa du auch nicht?
    Ich lese mal an Bambi.

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  8. blondyonly, bestimmte Dinge WOLLEN wir hier nicht wissen, wenn Sie verstehen, was ich meine.

    reddog, danke für Ihren Linktipp, doch Erhellendes und Weiterführendes zur Kunst des Genitallesens war dort nicht zu finden. Bitte bleiben Sie beim Thema.

    Anna, es gibt keine schlechten Berufe. Es gibt nur unangemessene Kleidung.

    Phil, ich hoffe, der Beitrag hat das Bruttosozialprodukt Ihres Büros heute nicht allzu sehr gesenkt. Andererseits ist man gutgelaunt ja auch produktiver. Insofern gleicht sich das wahrscheinlich wieder aus, mindestens.

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  9. Anonym08:20

    hallo matt
    klar versteh ich das - aber was solls zu spät ;)
    blondyonly

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  10. Diese Kunst wird schon in Robert Rankins Buch "Sex, Drugs and Sausage Rolls" behandelt... scheint auf den Britischen Inseln weiter verbreitet zu sein. Als ich es gelesen habe, hielt ich es noch für einen Rankin'schen Scherz.

    Unter "penistry" spuckt google eine Menge Ergebnisse aus.

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