31 Oktober 2005

Der totale Ausverkauf

Mein täglicher Radelweg zur Arbeit führt mich an der Kreuzung Holsten- und Utrecht-Straße vorbei. Dort prangt über Eck ein nicht eben kleiner Möbelladen, und seit Monaten verkünden gewaltige Transparente hinter seinen Scheiben den „Totalen Räumungsverkauf“.

Von außen sieht man zum Beispiel metallene Beistellregale mit zwei Abstellflächen, an denen riesige gelbe Preisschilder kleben. Der ursprüngliche Betrag ist durchgestrichen, aber lesbar; und aktuell hätte der totalausverkaufende Möbelladen gern nur noch lachhafte 280 Euro dafür. Meine Herren! Die Dinger scheinen einen Goldüberzug zu haben.


Seit einigen Wochen frage ich mich nun immer drängender, wann denn der „Totalausverkauf“ endlich abgeschlossen sein wird. Der Laden wird
jedenfalls einfach nicht leerer. Mein Blick ist inzwischen geschärft, und ich muss gestehen, dass sich gar ein gerüttelt Maß unfeines Misstrauen einschlich. Allmorgendlich schaue ich mir im Vorüberfahren wie zwanghaft die Verkaufsräume an – und sie sind voll. Sie sind sogar immer gleich voll. Was auch kein Wunder ist, denn oftmals stehen Lieferwagen vor der Eingangstür. Sie laden aus, nicht ein. Und zwar Möbel. Sofas, Tische, Schränke: Immer rein damit.

Der „totale Räumungsverkauf“ scheint mir
ergo – aber ich bin ja nur ein Laie und immens unbewandert in den Deklarationskonventionen von Möbelläden an Hamburger Kreuzungen – nicht hundertprozentig ernst gemeint zu sein. Sondern vielleicht nur zweiprozentig, aufgerundet. Irgendwie hat das Ganze etwas von persischen Teppichläden: Die haben auch immer gerade Ausverkauf und derart maximale Minipreise, dass du dich vor Verblüffung und aufbrandendem Teppichkaufzwang glatt lang hinlegen musst, aber zum Glück liegt ja genau dort ein persischer Teppich.

Ich werde das weiter beobachten. Zumindest, wenn es nicht regnet: Der Bus nimmt eine andere Strecke.

Große Musik, die heute durch den iPod floss: „Eternal drift“ von Axiom Ambient, „Another green world“ von Brian Eno und „The deadly nightshade“ von Daniel Lanois.

Kommentare:

  1. Wollt Ihr den TOTALEN AUSVERKAUF?

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  2. Hey! Da fahre ich auch vorbei... Und mein Bus auch nicht!

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  3. In diesem Zusammenhang stellt sich mir als musikalischem Laien unausweichlich die grundsätzliche Frage Ist ein Klavier ein Möbelstück?

    Können Sie mir weiterhelfen?

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  4. Wenn man es nicht spielen kann: definitv!

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  5. Oh Daniel Lanois! Daumen hoch! Wie sieht denn Ihr Herbstsampler aus, Herr Matt? Bei einem so fähigen "Kollegen" wie Ihnen bin ich da ja doch neugierig. :)

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  6. Also deine Auswahl kann ich aber mit Hochachtung und Anerkennung unterschreiben - Kompliment!

    Ich habe mir gerade einen Sampler unter der Maßgabe „Epic Pop“ zusammengestellt, der im Herbst tadellos funktionieren sollte:

    1. A shining lamp Laura Veirs
    2. Alibi David Gray
    3. Moorlough shore The Corrs
    4. Carnival Sandy Denny
    5. Champagne Supernova matt pond PA
    6. Come on spring Mick Harvey
    7. Frankenstein Antony & The Johnson
    8. Halo Amandine
    9. In My Room Walker Brothers
    10. Old Fashioned Waltz Sandy Denny
    11. Morning rise Whipping Boy
    12. Novi Svet theme Chris Eckman
    13. Riding To Vanity Fair Paul McCartney
    14. Ballad of Emma Deloner Midnight Choir
    15. The One I Love David Gray
    16. The Seventh Seal In The Nursery

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  7. Oh! Auch eine hervorragende Liste, das. Respekt. Ganz generell! :) Musikalische Grüße, Ole

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