25 Dezember 2009

Bousdoukos hat auch eine ruhige Seite

Die automatische Damenstimme in der U3 betont unsere Haltestelle irgendwie komisch.

„Nächste Station: Sankt P…AU…li“, flötet sie. Beim Diphtong hebt sie die Stimme, und zwar anzüglich. „Als wenn sie sagen wollte: ,Sie wissen schon …'“, analysiert Ms. Columbo. Ganz genau. Ein vokales Augenzwinkern. Die Hochbahn weiß eben, was sie dem Kiez schuldig ist.

Rund um die Reeperbahn herrschte heute überwiegend Feiertagsruhe. Allerdings haben wir die Herbertstraße dahingehend nicht überprüft. Allweihnachtlich sollen sich dort ja die Entrechteten und Geknechteten besonders ballen, um sich für – sagen wir – 150 Euro temporär die Einsamkeit abkaufen zu lassen.

Wir hingegen taperten quer durch die Stadt, um im Mundsburgkino Fatih Akins „Soul Kitchen“ zu gucken. Ein Film, der wirkt, als hätte er sich an einem Aufputschmittel verschluckt, so penetrant ballert er uns mit bedeutsam gemeinter Musik zu, so überdreht ramentert das Ensemble durch die Kulissen; vor allem Adam Bousdoukos
als bandscheibenvorfallgeschädigter Gastronom.

Übrigens war Bousdoukos am Dienstag, als ich mit dem Franken und Kramer beim Mercadoitaliener speiste, ebenfalls aufgetaucht und goutierte mit ein paar Freunden die hervorragenden (weil selbstgemachten) Nudeln. Allerdings machte er privat weit weniger Krach als im Film, und wäre mir „Soul Kitchen“ am Dienstag bereits bekannt gewesen, so hätte ich Bousdoukos dafür sicher ausdrücklich belobigt.

Denn kaum etwas ist mir unangenehmer, als wenn man mich beim Lasagneessen mit Deppenleerzeichen (Foto) oder Lärm behelligt, der über das eh schon dezibelintensive Geplapper und Gelaber Kramers und des Franken hinausgeht.

Zusätzlich erträglich wäre höchstens eine Damenstimme, die „Sankt P…AU…li“ flötet, doch in der U-Bahn esse ich so gut wie nie Lasagene, vor allem keine selbstgemachte.


Kommentare:

  1. Joshuatree01:13

    Als Altleser dieses Blogs erzürne ich mich darüber, dass vieles, was hier musikalisch eine Existenz hatte, in die linke Twitterspalte gerutscht ist.

    @Vic about 8 hours ago.

    :-/

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  2. Empörung ist eine rührende Gefühlslage. Die Ursache liegt diesmal aber in einem Aufenthalt in der Provinz ohne sicheren Internetzugang. Und jetzt ist es zu spät.

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  3. eben über nicht vereiste straßen aus mz zurück. dort im kino "soul kitchen" gesehen- bei den stadtaufnahmen immerzu an dich gedacht. was du zum film meinst. hab ich grad gelesen. wenn man so immer in der provinz lebt, findet man solcherart filme fremdartig, wild, cool- nun will ich noch dringlicher endlich mal absinth probieren, aber nicht bis zum knock out...die rolle von monica bleibtreu war arg sehr kurz. auf den tisch hauen und kreischen...bin noch hin und weg von dem hübschen langhaarigen...

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  4. Das ist Bousdoukos. Wenn Sie also mal in Hamburg sind, führe ich Sie zum Mercadoitaliener; vielleicht hängt er ja wieder mal zufällig dort rum. Der Rest liegt dann bei Ihnen …

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  5. oh, danke, DAS ist ja mal ein angebot! und ich habe eine nacht drüber geschlafen und nun auch was zum film geschrieben, wenn Sie mal schauen wollen...
    guten rutsch allenthalben wünscht
    die wilde gans

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