02 Dezember 2009

Schtand licht hat viele Vorteile



Der Fahrradladen meines bedingungslosen Vertrauens kam hier im Blog schon mal vor, und zwar auf etwas delikate Weise.

Nach einem mehrmonatigen Interimsdomizil in der Clemens-Schultz-Straße ist er vor einiger Zeit wieder zurückgezogen in sein Stammhaus in der Talstraße, und ebendort wurde ich heute
mal wieder erzwungenermaßen und dennoch freudig vorstellig. Nach meinem dilettantischen Versuch nämlich, die hintere Lampe zu reparieren, ging nun auch die vordere nicht mehr. Irgendetwas Rumpeldummes hatte ich mit den Kabeln angestellt, mir passiert so was immer.

Eine komplett defekte Belichtungsanlage ist dummerweise ein Manko, welches die Hamburger Polizei derzeit mit einer Gnadenlosigkeit verfolgt, die an die damalige Fahndung nach Albaner-Willi erinnert. Deshalb musste ich in den Fahrradladen.

Als ich dort meinen Anteil am Problem beschönigungslos geschildert hatte, kümmerte sich sogleich der Chef um mich. Er ist ein kleiner gedrungener Mann mit gemütlicher Frontwölbung, der stets schüchtern lächelt und so eine grundsympathische Melancholie verströmt. Da die augenblicklich in Angriff genommene Reparatur etwas länger dauerte, konnte ich mich umsehen.

Erstmals in meiner langen Karriere als Ladenbesucher nahm ich die Ausstattungsmerkmale der Fahrräder auf den angehefteten gelben Zetteln in Augenschein. Ein hochinteressantes Studienobjekt. Sie sind per Hand beschriftet, wahrscheinlich vom Chef persönlich.

Da gibt es zum Beispiel ein „Renrad“ mit beeindruckender „Rahmen grose“. Viele Modelle verfügen lobenswerterweise über eine „Rücktred Brems“, was ich aus Sicherheitsgründen unterstützenswert finde.

Und hätte ich just ein paar Euro mehr zur Hand gehabt, wäre es gewiss eine Überlegung wert gewesen, Ms. Columbos allzu schmalen Fahrzeugpark um das ausgelobte Damenrad mit „schtand licht“ und „und plad bare Reifen“ zu erweitern. Zumal es über „3 gönge“ verfügte, wenn auch nicht über „Bremz scheiben“.

Inzwischen war Cheffe fertig, er hatte meinem Fahrrad hinten ein „schtand licht“ montiert. „Mit LED“, sagte er stolz und melancholisch, „die lade auf, wenn trede. Un brenne weider an Ampel.“

Genauso muss es sein. Hoffentlich geht bald wieder was kaputt an meinem Rad.


Kommentare:

  1. MarkusMagic01:18

    Was für ein Landsmann ist der Chef? Die Schrift auf den Schildern lernt man jedenfalls nicht in bundesdeutschen Grundschulen.

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  2. miele01:44

    türke sehr nett......
    aber warum so weit weg ?????
    der nette hundehalter um die ecke wäre netter und dichter bei gewesen.......
    oder hast du es dir mit dem verscherzt ?..?..?..
    es grüßt
    miele

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  3. Joshuatree02:13

    Ich fand das "Renrad" begrifflich sehr weihnachtlich. Wahrscheinlich wollten Sie uns alle nur auf die kommenden Feiertage einstimmen. Sie Schelm, Sie! ;-)

    btw: Ich suche übrigens ein gutes Hollandrad in Nordbaden. Rahmenhöhe 58, drei Gänge reichen.

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  4. Miele, meine Vorliebe für die „Fahrrad-Börse“ hat Tradition. Die gebe ich nicht so leicht auf. Der Laden um die Ecke ist mir gleichwohl sympathisch, gerade wegen des Hundes, der mir inzwischen sogar namentlich vorgestellt wurde (Carlos).

    Ja, das Renrad (als Fortbewegungsmittel des -tiers?) gefiel mir auch sehr gut, joshuatree. Hollandradtechnisch würden Sie übrigens sofort fündig in meinem Laden, aber das ist dann doch vielleicht etwas zu weit weg von Ihnen.

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  5. Hat LED fertig wenn parke oder leuchte weite?

    Es bestimmt ist nicht die Rücktred Brems, sondern der Rücktred Brems das by Preis 110Euro gebaut wurde, Herr Matt.

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  6. Ich liebe das, wenn man es trotzdem versteht.
    Rechtschreibung ist doch was für Spießer ;-))

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  7. Sie meinen wohl Rechte sreibung.

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