04 November 2005

Die Bauwut

Oh, Mann, die Seilerstraße ist momentan eine einzige Lärmhölle. Überall hämmern sie und graben, schaufeln und baggern, Kräne pendeln wirr durch die Gegend. Ständig gellen die Flüche und Kommandos der Bautrupps durch die Straße, und sobald man ein Fenster kippt, hat man die ungebetenen Schallgäste im Wohnzimmer. Und dann sind da auch noch die Betonmischer-Lkws, die unter unserem Balkon herumstehen und stundenlang vor sich hin dieseln.

Letztes Jahr ging die Bauwut los mit blitzartig hochgezogenen Hotels. Sehr bunt und geometrisch lugten sie herab auf die Seilerstraße, doch inzwischen sind sie bereits wieder verdeckt, denn neben unserem Haus entsteht seit Monaten eine Wohnanlange namens „Condominium", die sich jeden Tag ein wenig höher schraubt und dies glaubt, stolz und lauthals kundtun zu müssen.


Als reichte das nicht, hat die Stadt gerade im Abstand von jeweils rund 30 Seilerstraßenmetern das Pflaster aufgerissen. Es ist eine einzige Slalomfahrt. Auch schräg gegenüber von
Waschmaschinenhöker und Schwulenkino: ein gähnendes Loch, Presslufthämmer, Großstadtgrauen.

Als wir heute in die Fußballübertragung HSV gegen Stavanger reinschauten, fiel Ms. Columbo auf, dass Benny Lauth aussieht wie der leibliche Bruder von Bärbel Schäfer. Und mittags sah ich das neuste Bild von Mel Gibson. Ich schwöre: Er könnte der Zwilling von Saddam Hussein sein. Es ist wirklich verblüffend.


Große Musik, die heute durch den iPod floss: „Out on the weekend“ von Paul Weller, „Girl from the north country“ von Leon Russell & Joe Cocker und „Close behind“ von Calexico.

Kommentare:

  1. Ist doch klar. Hamburg putzt sich raus für die WM, weil all das "Gesocks" sich nach jedem Spiel auf dem Kiez er- begiessen will. Die Anwohner intressieren da nen Scheissdreck.

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  2. Du sagst es. Und wir kriegen als Entschädigung nicht mal WM-Tickets.

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  3. Na kommen Sie, Daiko - wer sich eine Wohnung in Reeperbahnnähe aussucht, tut das nicht wegen der unglaublichen Ruhe, die er von dieser Wohngegend erwartet. Insofern finde ich Ihren Einwand bezüglich des Gesocks ein wenig hart.

    Bin selbst Teil davon... ;-)

    Klar, Baulärm ist immer lästig. Wenn er denn wenigstens dazu dient, die Gegend schöner zu machen, hält man ihn auch recht gut aus. Ansonsten natürlich nicht.

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  4. Sicher nicht. Aber wer hier wohnt bekommt auch sicher einen komplett anderen Blick für die Dinge. Ich trink auch gerne mal einen, aber ich piss und kotz anderen Leuten noch lange nicht direkt vor die Haustür. Ich hör auch gerne mal Musik (auch gern mal lauter) aber ich geh nicht total besoffen auf den Schlager Move, G-Move, Harley Davidson Treffen ähm Grand Prix Eurovision etc.
    Was mich halt stört ist, das wir trotz riesiger ungenutzer Flächen in der Hafencity, jedes (beschissene) Superevent auf die Nasegedrückt bekommen

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  5. @daiko:
    Die deiner Meinung nach beschissenen Events finden da statt, wo sich viele Leute aufhalten. Welchen Touri verschlägt es zurzeit in die Hafencity, wo ja absolut noch tote Hose ist.
    Im übrigen scheint mir immer noch die Devise zu gelten: Nur nicht vor meiner Haustür - bei anderen aber gerne!

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  6. Baulärm ist eine der wenigen Lärmformen, mit denen ich mich derzeit nicht rumschlagen muss. Ansonsten ist ne Menge unterschiedlicher akustischer Umweltverschmutzungen im Angebot. :)

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  7. "Out On The Weekend" ist die Neil Young Coverversion, oder?

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  8. Genau, Neil Young. Findet sich in den Bonus-Tracks der hervorragenden Deluxe-Edition von Paul Wellers „Stanley Road“.

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  9. Eine Photomontage wie Heiner Geißler zu Yoda mutiert gibt es hier:
    http://synapsenkitzler.soup.io/
    Hoffen wir das sein Schlichterspruch auch so weise ausfällt.

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