10 November 2005

Der Lindenberg

Interviewtermin im Hotel Atlantic mit einer wunderbaren Singer/Songwriterin. Plötzlich schreitet eine Sonnenbrille mit Hut vorbei und platziert sich mogulartig an der Bar. Natürlich ist es Udo Lindenberg; er bewohnt hier seit Jahren eine eigene Suite und suhlt sich in der Rundumversorgung eines Luxushotels.

Schwer zu sagen, was ihn diese Marotte pro Monat kostet. Vielleicht 10 000 Euro? Das wären im Jahr 120 000, in zehn Jahren 1,2 Millionen. Egal, Peanuts für Udo. Zumal er dazu neigt, an dieser Bar gezielt Likör auf Bierdeckel, Rechnungen und Atlantic-Notizblocks zu verschütten und die Pfütze sodann gedankenverloren mit wurstigen Fingern zu verschmieren.

Wenn alles trocken ist, nennt er das Ganze „Likörell“, stellt es aus und verkauft es, was ihm eine weitere Monatsmiete im Atlantic einbringt. Wie er allerdings die Feinjustierung der Farbästhetik hinbekommt, ohne die Sonnenbrille abzusetzen, ist mir schleierhaft.


Draußen senkt sich blau die Dämmerung über Alster, Enten und Bojen. Hinter den Totenschädelaugen einer Skulptur sieht das Atlantic gelassen der Novembernacht entgegen. An der Bar ist Udo wahrscheinlich schon beim zweiten Likörell.


Große Musik, die heute durch den iPod floss: „King of the mountain“ von Kate Bush, „Tomorrow never knows“ von Trouble und „Dream machine“ von Daniel Ash.


Kommentare:

  1. Hrhr, Likörell gutes Wort. Ich hab dann auch soeben mein erstes eigenes bewusst wahrgenommenes Likörell in der Hasenschaukel (wirklich eine sehr sehr nette Bar) zu Papier (äh Tresen) gebracht.

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  2. Ja, die Hasenschaukel ist liebenswert, allein schon wegen des Namens. Aber auch sonst.
    Dort habe ich sogar schon mal ein Konzert gesehen, obwohl man sich das bei den Ausmaßen der Bar nicht recht vorstellen kann. Frehn Hawel von Tigerbeat spielte ein Akustikkonzert; dafür reichte der Platz.

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  3. Anonym02:20

    Hey, ich kenn die Ecke - um die Ecke arbeitet, oben, versteckt, ein kleines, leises, aber verdammt kluges Redaktionsbüro.

    Jürgen, die Reise mit dem Dacia war genial. Renault meets Rumänien. Normalität ist nicht Trumpf, sondern da.

    Gruss nach Hamburg aus Heidelberg, (mit viel Klein- und Grosskunst)

    J.

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