Gestern entschied ich mich für die Passage durch einen Sexshop. Beim Durchqueren verharrte ich wohl einen Moment zu lange vorm erstaunlich breitgefächerten Sortiment an Vibratoren. Jedenfalls eilte ein Verkäufer herbei und erbot sich zu helfen.
„Ich möchte Ihnen etwas empfehlen“, sagte er und ging vor. Ich folgte ihm. „Schauen Sie mal hier.“ Er blieb vor der vielschwänzigen Kollektion eines deutschen Herstellers stehen. „Man sollte ja nicht allzu patriotisch sein“, bemerkte er entschuldigend, „aber das hier ist wirklich Spitzenqualität.“
Alles reines Silikon, erläuterte er, beste Verarbeitung. Ob Batterie- oder Akkubetrieb – alles ginge. „Manchmal kommen die Kunden nach kurzer Zeit mit den Chinadingern an und sagen: Die gehen nicht mehr – tja …“ Er zuckte lächelnd mit den Achseln, doch nicht anzüglich, sondern auf jene Art und Weise, die sich aus überlegenem Fachwissen speist.
„Warten Sie mal kurz“, bat er und eilte davon. Ich wartete. Er kam wieder mit einem der patriotischen Wackeldinger, ausgepackt und betriebsbereit. „Hier“, sagte er und streckte es mir entgegen, „fassen Sie mal an.“
Ich packte die Spitze, er hielt das andere Ende. Dann drückte er einen Knopf, der mit einem Pluszeichen gekennzeichnet war. Darunter befand sich einer mit einem Minus. Der Silikonphallus begann tieffrequent in meiner Hand zu vibrieren. Er drückte noch mal, jetzt vibrierte er stärker.
„Erstaunlich leise“, lobte ich. „Tja-ha“, freute sich der Verkäufer. „Aber jetzt … passen Sie auf …“ Er drückte erneut auf den Plusknopf. „Wow“, rief ich aus, „Intervallschaltung!“ Der Mann lächelte glücklich. Dann schaltete er noch mal hoch. Wahnsinn.
Plötzlich wurde mir klar, was hier gerade passierte. Ich stand mitten in einem Erotikshop, hielt einen lustvoll brummenden künstlichen Schwanz in der Hand, und vor mir stand ein Mann, der daran herumdrückte. Von draußen musste das … nun ja: merkwürdig aussehen.
Trotzdem ließ ich nicht los; ich wollte ihn nicht enttäuschen. Und dann sagte er jenen Satz, den jeder Verkäufer im Schlaf herbeten können muss, und zwar branchenübergreifend: „Das gleiche Modell“, sagte er ernst und blickte mich an dabei, „benutze ich auch zu Hause.“
Zum ersten Mal schaute ich ihn mir näher an. Ein Mittdreißiger, leicht massig, doch nicht adipös. Rundes Gesicht, volles Braunhaar, unauffällig seitengescheitelt. Ein Durchschnittstyp in Strickpulli und Jeans. Der zu Hause patriotische Vibratoren benutzt.
Auf dem Heimweg versuchte ich mir vergeblich seine Freundin vorzustellen.