01 Oktober 2007

Die verpasste Sause

Ohne Reklame ist ein Produkt schon a priori mausetot – und sei es ein Friedhof.

Der Ohlsdorfer feiert heuer seinen 130. – ähem – Geburtstag, und dazu schmiss er eine Riesenparty, für die er hamburgweit trommelte, auch in der U-Bahn. Unterirdisch passt ja auch besonders gut.

Dort, in der U-Bahn, wurde auch ich mit dem entsprechenden Werbeplakat konfrontiert. Es pries geradezu atemlos diverse Attraktionen an, darunter die Punkte „lebendige Steinmetzwerkstatt“, „Snacks und Getränke“ sowie „Grabpflege“. Besonders mutig fand ich den Punkt „Mitmachzirkus“.

Leider kam mir das alles viel zu spät zu Ohren, der Rummel zwischen Grabmalen und Aufbahrungshalle fand nämlich schon am 16. September statt. Sonst hätte ich Ms. Columbo mal zu einer richtigen Sause im Freien ausgeführt.

Aber so ist die ganze Sache natürlich längst gestorben.

Kommentare:

  1. Olaf07:40

    Tja. Machen wir uns nichts vor: Irgendwann trifft es jeden und man kann keinen Bevollmächtigten stellvertretend hinschicken oder erfolgreich um Fristverlängerung bzw. einem neuen Termin bitten.
    "There's nobody else that can go for you..." ("Lonesome Valley" von den Fairfiled Four [auf dem Soundtrack von "O Brother where art thou ?"]).
    Ich glaube, daß es vorher nervig sein wird, wenn der hochbetagte bettlägerige inkontinente Senior (oder die Senioreuse) von einer 420 EUR-Kraft auf dem Weg gen Ohlsdorf "begleitet" wird und sich nicht wehren kann gegen dieses "GUTEN MORGEN - WIE GEHT ES UNS DENN HEUTE ??" etc.
    Richtig skurril wird es dann, wenn im Pflegeheim in jedem Büro und auf den Fluren Kalender hängen mit der Werbung eines Hamburger Sarg- und Bestattungsdiscounters.
    Natürlich mit Telefon-, Fax- und e-mail-Daten. Damit auch der richtige Entsorger beauftragt wird.
    Und bei einer Pauschalreise ist man ja auch manchmal daran interessiert, wer der Carrier ist und den Flug durchführt.

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  2. Anonym08:16

    schön!

    blondyonly

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  3. Freckert19:21

    Hallo Herr Matt.
    Waren Sie auf dem 2. Reeperbahnfestival? Wenn ja, wie war es? Laut unserem lokalen Tagesblättchen, soll es ein Erfolg gewesen sein.

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  4. Joshuatree20:45

    Dead c a n dance - das wollte das Ohlsdorfer Friedhofsamt mit dieser Kampagne wahrscheinlich sagen.

    Ich finde es übrigens überaus interessant, dass jetzt sogar Friedhöfe zu den kidlichen Grundlagen der Öffentlichkeitsarbeit greifen, um ihr Alleinstellungsmerkmal (USP) zu kommunizieren. Läge ich in Ohlsdorf bequemer, als anderswo? Gibt es dort auch einen gepflegten Bereich in ungeweihter Erde für Atheisten? Ich bitte um fundierte Informationen für meine Zukunftsplanung.

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  5. Anna Janssen21:14

    top!

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  6. Wer zu spät kommt, den bestraft ... na ja. Irgendwie nicht mein Thema ;-)

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  7. Herr oder Frau Freckert, Ihre Frage ist äußerst merkwürdig. Ich bloggte wohl kaum heute über das Reeperbahnfestival vom letzten Jahr. Und ja: Es war ein Erfolg. Auch wegen Frau Lewis, wenn Sie bitte einmal den Eintrag von gestern nachlesen würden.

    Joshuatree, ob athesistisches Reservat oder nicht: Allein die unmittelbare Nachbarschaft von Leuten wie Hans Albers, Wolfgang Borchert, Heinz Erhardt oder Inge Meysel sollte Sie diesem Ort gewogen machen.

    Opa, das will ich aber schwer hoffen!

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