14 Oktober 2007

Die Muslimin und die Stripteasescheibe

Gemeinhin respektiere ich die meisten hierzulande gültigen Gesetze, sofern sie mir nicht völlig sinnlos erscheinen.

Neulich, als ein rund 12-jähriger Steppke mit Migrationshintergrund an meinem Flohmarktstand diese nicht jugendfreie und auf dunklen Wegen in meinen Besitz gelangte Striptease-UMD kaufen wollte, fiel mir dieses staatsbürgerliche Prinzip wieder ein.


Ich beschloss also, das Jugendschutzgesetz zu respektieren.

„Nein, die verkaufe ich dir nicht“, beschied ich ihm, „die ist erst ab 18.“ Er schaute verdutzt. „Bitte“, sagte er. „Nein“, sagte ich. „Dann hole ich Oma!“, drohte er und dampfte ab.

Ich hatte den Jungen schon fast vergessen, da kam er wieder an. Mit Oma. „Wieviel kosten?“, verkürzte die als Muslimin erkennbare barocke Frau ihr Anliegen aufs Allerknappste. „Die Scheibe ist erst ab 18“, informierte ich sie und schaute vielsagend ihren Enkel an. „Egal“, antwortete sie, „wieviel kosten?“

Sie trug Kopftuch, ein zeltartiges Kleid und deutlich weniger als 32 Zähne im Mund. „Ich wollte fünf Euro, aber für Jugendliche ist die Scheibe nicht geeignet“, startete ich einen weiteren Versuch, auch sie zur Respektierung der hierzulande gültigen Gesetze zu animieren. Der Junge stand da, gespannt und regungslos. Er lächelte nicht, er beobachtete nur die Szenerie, vor allem Oma.

„Drei“, sagte sie. „Hören Sie“, erwiderte ich, „Ihnen verkaufe ich diese Scheibe natürlich, aber Sie sollten sie nicht ihrem Enkel geben.“ Sie kramte wortlos in ihrer Börse, die sie aus dem Innern ihres Zeltes gekramt hatte, und hielt mir einige Münzen hin. Sie summierten sich auf drei Euro.

„Vier“, sagte ich schwach. Sie schaute mich freudlos grinsend an und nickte auffordernd, während ihre Hand vor meinem Brustkorb auf und ab schwebte wie der Futterbeutel vor einem Packesel. „Na gut“, brummte ich und nahm die drei Euro.

„Aber geben Sie sie nicht ihrem Enkel …“, versuchte ich zu sagen, während Oma ihm die UMD überreichte und mit ihm davonwalkte, eine altgediente Muslimin mit zu wenig Zähnen.

Irgendwie war sie mir plötzlich sympathisch.

PS: Das Foto habe ich auf einem anderen Flohmarkt geschossen, doch es gibt Motive, die noch weniger zu diesem Beitrag passten.

Kommentare:

  1. Oma Anna00:48

    So eine Oma hätte wohl jeder gern, nicht wahr, Herr Matt?
    :-)

    AntwortenLöschen
  2. Nun ja, ich denke schon. Doch was wird wohl aus diesem 12-Jährigen, bei so einer Oma …?

    AntwortenLöschen
  3. Joshuatree01:51

    Da gab es doch anno dunnemals so eine Geschichte, in der Sie eine Porno-DVD im Hof konfiszierten ... fiel mir gerade ein. Aber die Kinderlein waren damals weit jünger, oder irre ich mich?

    AntwortenLöschen
  4. Ja, Vorschulalter.

    AntwortenLöschen
  5. Dafür kommen Sie in Allahs Wurstküche.

    Der Stepke war sicher einer von diesen
    neuzeitlichen Kinderagenten und unter
    dem Zelt verbarg sich Ursula von der Leyen.

    AntwortenLöschen
  6. Opa, Ihre Oma hat zumindest mehr Zähne. Noch.

    Stimmt, Oldman, das war sicherlich ein geheimer Markttest unserer Familienministerin. Da hätte ich gleich drauf kommen – und ihr das Zelt vom Leibe reißen sollen.

    AntwortenLöschen
  7. Asche21:39

    ...das erste was ich gesagt hätte, wäre "die UMD kostet 30€..." , und die asche wäre gegessen gewesen...

    AntwortenLöschen
  8. Anonym11:45

    Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

    AntwortenLöschen
  9. Asche, das Lügen ohne rot zu werden, gehört ebenfalls nicht zu meinen Stärken.

    AntwortenLöschen