Zu türkischem Dudelradio begegnen wir blinkenden Madonnen, Handyschalen aus den frühen Neunzigern, Plastikbesteck, Porzellanschäferhunden in Lebensgröße oder Taschenradios, die von dreijährigen Taiwanesen zusammengetackert wurden, und zwar in wochenlangen 24-Stunden-Schichten.
Mit einem Gefühlsmix aus Faszination und Grusel betrat ich daher – von der zusätzlichen Verlockung eines „Wir ziehen um“-Schildes wie magisch hineingezogen – den türkischen Ramschladen am Ende der Reeperbahn, kurz hinterm Beatles-Platz.
Hier vermochte ich heimlich für die Welt jenseits des Kiezes zu dokumentieren, was sie mir ohne diese Fotos nicht glauben würde. Es folgt eine kleine Galerie des Schreckens.

In Läden wie diesen – und in diesem ganz besonders – hat die legendäre Compact Cassette ihre traurige letzte Zuflucht gefunden. In vielhundertfacher Anzahl dämmert sie in schlichten Drahtverhauen ihrer endgültigen Entmagnetisierung entgegen. Natürlich dominiert dabei der 0815-Türkpop, doch unfasslicherweise steht auch Michael Holm dazwischen. Michael Holm! Das zeigt, seit wann das Sortiment nur noch ergänzt, aber nicht mehr komplett ausgetauscht wurde. Schätzung: 1978.

Dieses Spielzeugauto hat die Größe eines Kinderwagens – aber leider keinen Akü mehr. Pech. Dafür aber büllüg.

Türkische Ramschläden vermögen oftmals mit kühnen Drapierungsideen zu verblüffen. Dieses Arrangement aus Billig-DVD-Spieler, Plastikschaufel und Kartonmüll ist dafür ein guter Beleg.

Wenn sich für letztklassiges Sortiment partout kein Käufer mehr finden will, dann zuckt der Ladeninhaber halt lässig mit den Schultern und verschenkt den ganzen Schamott en bloc. Zum Beispiel diese „Battari“-Schachteln. Ich habe mir die Packungen mal angeschaut. Aus den meisten Batterien war schon Säure ausgeapert und an den Rändern wieder weißlich kondensiert. Herstellungsjahr wohl noch in diesem Jahrtausend, trotzdem eindeutig Sondermüll.

Regale? „Was das?“, lacht da der Verramscher von Welt herzlich auf. Ein paar grobe Holzpaletten auf den Boden gepfeffert, dann mit dem Gabelstapler hundert Rucksäcke und Polyestertaschen draufgekippt: fertig ist die Abteilung für Sport- und Outdoorausrüstung. Hier könnte selbst Aldi noch was lernen.

Zum Abschluss noch ein erhellender Panoramablick. Wir sehen Ständer mit Klamotten, die wahrscheinlich bei kik aus Qualitätsgründen aussortiert wurden. Und wir sehen einen historischen Röhrenfernseher, der sehr gut dadurch zur Geltung kommt, dass er liebevoll kopfüber in einen Einkaufswagen gewuchtet wurde.
Wäre ich nicht schon dagewesen, ich ginge schnell noch mal hin.
Ehe es zu spät ist.