03 April 2006

Matt for the masses

Seit neustem bin ich Fernsehstar, obwohl Ms. Columbo dafür viel geeigneter wäre, schon rein optisch. Morgens um 9, wenn ich das Haus verlasse, bin ich bereits im Fokus vieler Objektive. Und abends, wenn ich von der Arbeit komme, sind die Kameras immer noch da. Wenn ich das Sichtfeld der einen verlasse, übernimmt mich liebevoll die nächste.

Klingt nach glamourösem Leben. Klingt, als sei „Die Rückseite der Reeperbahn“ endlich zur täglichen Seifenoper geworden. Matt for the masses.

Doch die Zuschauer vor den Monitoren, auf die mein Konterfei nun morgens und abends übertragen wird, haben alle den gleichen Beruf: Es sind Polizisten. Und es ist nicht die Rück-, sondern die Zuckerseite der Reeperbahn, die unter medialer Dauerbeobachtung steht. Ich laufe halt nur Tag für Tag durchs Bild. Und jeder meiner Gänge reeperbahnrauf und reeperbahnrunter wird vier Wochen lang gespeichert.

Die Idee hatte unser aus Bayern importierter Innensenator Udo Nagel. „Das im vergangenen Sommer novellierte Hamburger Polizeirecht“, schwärmt er in schönstem Euphemistendeutsch, „gibt uns diese gute Möglichkeit, die Sicherheitslage in unserer Stadt weiter zu verbessern.“

Am Wochenende aber, als Chemnitzer Neonazis durchs Viertel marodierten, Rassistenlieder sangen und von der Polizei unbehindert verfassungsfeindliche Symbole schwenken durften, blieb die Sicherheitslage in unserer Stadt eher unverbessert.

Vielleicht lag's ja daran, dass die Chemnitzer einfach zu blöd dazu waren, durchs Bild zu laufen.

Ex cathedra: Die Top 3 der Songs mit Fernsehbezug
1. „Video killed the radio star“ von The Buggles
2. alles von TV Smith
3. alles von den Talking Heads

Kommentare:

  1. Wo sind denn die Monitore fotografiert?

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  2. Ich musste am 22. Februar feststellen, daß Du schlecht frisiert warst. Ich hoffe, das kommt nicht wieder vor. Schliesslich hast Du ja Publikum. Meine Freunde von der Videoüberwachung und ich selbst würden sich wünschen, Du würdest am 1. Mai in voller pasender Montour "I`m going fishing" von Chris Rea intonieren und schauspielerisch darstellen. Wäre das machbar? Danke vorab ;-).

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  3. Joshuatree00:16

    ah - für geputzte Gummistiefel (in gelb, bitte) gäbe es auch nachträglich ein "s" dazu ...

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  4. herr herrner, die Videowand wurde in der Mopo gezeigt, sogar mit den armen Würstchen davor, die den ganzen Tag hinstarren müssen. Auch ein Schicksal, mannomann.

    joshuatree, das hast du doch alles erfunden! Indizien: a) Am 22. 2. gab's die Kameras noch gar nicht. b) Bei mir kann von einer Frisur im engeren Sinn nicht mehr die Rede sein; ich würde es eher als „Abwesenheit von Haaren“ bezeichnen. Insofern muss ich auch die Rea-Anregung von mir weisen.

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  5. joshuatree01:07

    Erfunden? Ich muss mich hier sofort und ausdrücklich empören! *empör*.

    Der Videobeweis im Zeitraffer mit neuester Software kann aber mehr: Er zeigte, Du hättest am 22.02. noch vier Haare mehr gehabt, zwei davon waren grau. Da Du Rea abgelehnt hast, werden die Jungs und Mädels der Videoüberwachung nun auf Deine Performance von und zu "Watch me Come Undone" drängen. Da kann ich nun nicht mehr viel tun - Du musst da wohl durch. Stecke einfach morgen Deinen rechten Zeigefinger vor der Kamera ins linke Nasenloch, und alles wird gut. Bitte nicht umgekehrt, ich lese schliesslich gern hier.

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  6. Na gut, ich sitze in der Falle – und tue wie geheißen.

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  7. Morgen früh bitte etwas lustvoller. Und: Sichtbar war der Mittelfinger.

    Samstag ist übrigens in Hamburg Wunschtag. Das gibt es in München nicht. Also: Was würdest Du dann intonieren wollen, bevor Du zum garstigen Kioskbesitzer gehst?

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  8. joshua, ich bin mal wieder schwer von Kapee – hilf mir auf die Sprünge …

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  9. Joshuatree21:14

    Das war eine wohl zu extrem komprimierte Zusammenfassung zweier Blogs von Dir aus der Sicht der Videokameras: Dein "mögliches" Mogeln bei der Einlösung der hier gestellten Aufgabe und die Verbindung zu Deiner erwähnten Samstagsbeschäftigung: das Einholen der MoPo beim videospielbegeisterten, aber sozial gehemmten Kioskbesitzer. Die Videoüberwachung gab Ihnen zu dieser Situation einen Wunsch frei, den für Dich passenden Song dazu zu intonieren...

    Ich bitte meine vorige gehetzt-komprimierte Unverständlichkeit zu entschuldigen und hoffe, meine Phantasie beim "Videoüberwachspiel" ist jetzt zumindest etwas nachvollziehbar ;-).

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