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31 Dezember 2025

Der 19. offene Brief zu Silvester

Hallo, hören Sie mich? Ah, fein, denn ich habe wie jedes Jahr an Silvester ein paar brandheiße Tipps für Sie. Nämlich:

Wenn Sie keine Böller entzünden, sinkt die Chance, dass Sie sich heute Nacht selbst abfackeln und dabei Nasen, Ohren, Finger, Schniedel oder Zehen verlieren, auf nahezu null. Das Gleiche gilt für den Verzicht auf Kanonenschläge, Reibkopfknaller, Knallketten, Stab-, Zylinder- und Mehrstufenraketen, Fächerbatterien, Feuerräder, Leuchtkugeln, Bengalsterne, Handfackeln und Wunderkerzen, dito für Knatterbälle, Heuler, Pfeifer, Kreisel und Blitzknaller sowie für Gold- und Silberregen, Bazookas und Nuklearwaffen. 

Geil, oder? Das hätten Sie nicht gedacht. Aber jetzt fällt es Ihnen wie Schuppen aus den Haaren, und Sie begreifen: So überlebe ich Silvester! Einfach nichts in die Luft jagen!

Gut, möglicherweise haben Sie hier auf diesem Blog die letzten achtzehn offenen Briefe zu Silvester gar nicht gelesen oder es zwar getan, aber längst wieder vergessen, und deshalb bereits diverses brennbares Material parat gelegt, das darauf brennt (sic!), heute Nacht verwertet zu werden. Aber wissen Sie, was? Dem müssen Sie jetzt, nachdem Sie im Lauf der letzten Minute dank meiner Hilfe Ihren Überlebenstrieb wiederentdeckt haben, gar nicht mehr nachgeben! 

Dabei entstünde Ihnen nicht einmal ein materieller Zusatzschaden, denn das Geld, das Sie bereits ausgegeben haben, ist ja eh schon weg. Es hat jetzt ein anderer, nämlich der Silvesterfeuerwerkshöker in China oder Polen. Doch durch Ihren frisch gefassten Entschluss, das ganze Zeugs doch nicht in die Luft zu jagen und sich dabei selbst vielleicht gleich mit, bleibt Ihnen mit höchster Wahrscheinlichkeit ein invalides Restleben erspart, und das ist doch ein enormer geldwerter Vorteil, oder?

Ich spüre und fühle: Dieser neunzehnte offene Brief zu Silvester hat Sie vollends überzeugt. Und deshalb werde ich, werden Sie, wird die ganze Republik morgen in den Nachrichten nichts, überhaupt nichts von weggesprengten, amputierten, pulverisierten Nasen, Ohren, Fingern, Schniedeln oder Zehen erfahren.  Weil es sie nicht geben wird.

Denn wenn die Aufklärung der vergangenen zweihundert Jahre seit Kant & Co. eins bewirkt hat, dann doch wohl die Fähigkeit der Menschen, ihr Verhalten an die Vernunft anzupassen. (WER HAT DA GERADE GELACHT?)

Bis morgen, in alter Frische.

Foto: Gruppe anschlaege.de


 

30 Dezember 2010

Auf Friseusenpirsch (integriert: Offener Brief zu Silvester, 5)



A. wohnt noch nicht ganz so lange auf St. Pauli wie ich, doch er hat dank jahrelanger Besuche von Schmuddelclubs und schmierigen Tabledancebars interessante Tipps parat, die mir völlig neu sind.

Sonntagsabends zum Beispiel, sagt er, sei die ideale Zeit, um auf dem Kiez Friseusen abzuschleppen. Wie das? Weil montags die Salons Ruhetag hätten und Friseusen sich deshalb bevorzugt sonntagsabends von A. oder anderen Interessenten abschleppen ließen bis in die Puppen.

Eine solch hochbrisante Insiderinformation stößt bei einem Bruce-Willis-Typen wie mir natürlich auf frappiertes Staunen. Würde mein Friseurladenbesuchsverhalten (das vergleichbar ist mit meinen Ausflügen ins Weltall) bundesweit Schule machen, gingen nämlich all diese Läden binnen weniger Wochen pleite. Und die Friseusen natürlich mit, was es ihnen aber immerhin erlauben würde, sich auch an allen anderen Wochentagen von A. oder anderen Interessenten abschleppen zu lassen bis in die Puppen.

Doch soweit ist es ja noch nicht, und deshalb bleibt der Sonntagabend der bevorzugte Friseusenabschlepptag. Montags ist dann total tote Hose auf dem Kiez. In den Stripclubs gibt es weniger Gäste als Tänzerinnen, kleine Tröpfchen von Tristesse hüpfen von Tisch zu Tisch und finden trotzdem keinen teuren Billigschampus, den sie kontaminieren könnten.

Auch der Dienstag erinnert an die Ruhe nach der Apokalypse, mittwochs zieht es dann allmählich an, der Donnerstag läuft sich schon mal warm, und freitags und samstags tobt schließlich der Wirbelsturm über St. Pauli, was A. gewöhnlich davon abhält, das Haus zu verlassen (und mich in der Regel auch, es sei denn, German Psycho zwingt mich mit einschlägigen „Argumenten“ in irgendeinen Siffladen auf dem Hamburger Berg).

Am Sonntag schließlich geht es wieder auf Friseusenpirsch – ein ewiger Kreislauf. Zum Glück fällt Silvester diesmal auf einen Freitag; dadurch werden quasi zwei Wirbelstürme zusammengelegt, obwohl der an Silvester natürlich mit erheblich größerer Zerstörungskraft durchs Viertel fegt als jeder andere des Jahres. Das täte er allerdings auch an einem Montag, daher will ich nicht meckern.

Apropos Silvester: Obwohl meine bereits drei Appelle in den vergangenen Jahren jeweils verpufften wie jene Hand, die den Chinaböller partout nicht loslassen wollte, möchte ich es doch erneut nicht versäumen, ihn zu wiederholen, wenngleich nur in Form einer Verlinkung.

Irgendwann muss irgendwer doch mal anfangen, auf mich zu hören. Und wenn es nur die Friseusen sind.


PS: Das heutige Foto eines Graffitos auf St. Pauli hat nur partiell mit dem Beitrag zu tun, doch in der Not frisst der Teufel Fitschen.



31 Dezember 2018

Der übliche offene Brief zu Silvester (refurbished)

Seit 2006 versuche ich Sie jedes Jahr pünktlich zu Silvester mit einem so rührenden wie flammenden Appell davon abzuhalten, sich in der Neujahrsnacht Ihre Augen, Genitalien und/oder Resthirnzellen wegzubomben. 

Dennoch war das Studium der Presseberichte Anfang Januar für mich in allen Fällen seit 2006 mit viel Frustration verbunden, denn ich konnte aus den bestürzenden Meldungen über die bundesweiten Folgen unsachgemäßer Böllerbenutzung nur einen Schluss ziehen, und der war niederschmetternd:

Sie hören nicht auf mich. 

Anders gesagt: Ihnen ist es komplett pillepalle, was ich hier schreibe. Wenn ich Sie bitte, sich kein Loch in den Kopf zu sprengen, sagen Sie „Phh!“ und machen das erst recht. Wenn ich Sie darauf hinweise, wie kontraproduktiv es für Ihre Sehfähigkeit sein dürfte, wenn Sie sich über eine gerade selbst angezündete Feuerwerksrakete beugen, dann tun Sie was? Trotzig ebendas.

All das schließe ich – wie gesagt – rück aus den jeweiligen Presseberichten von Anfang Januar. Aber vielleicht sollte ich gar nicht so pessimistisch über Sie denken. Vielleicht hat das bisherige Dutzend offener Briefe zu Silvester ja bereits Tausende von Leben gerettet, ohne dass ich je davon erfahren hätte. 

Denn Sie, die Sie überlebt haben, Sie, denen kein vorfristig hochgegangener Chinakracher eine hübsche Echtblutfontäne aus dem Armstumpf schießen ließ: Sie machen natürlich keine Schlagzeilen. Niemand kümmert sich um Sie, niemand hält Sie einer Erwähnung wert, Sie sind der Presse wurscht. Nur Idioten landen in der Zeitung.

Deshalb habe ich beschlossen, die ganze Sache ab sofort positiv(er) zu sehen. Mindestens 80 Millionen von Ihnen werden die vor uns liegende Nacht relativ unbeschadet überstehen, und wenn das nicht an diesem jedes Jahr pünktlich zu Silvester platzierten so rührenden wie flammenden Appell liegt, sich weder Augen, Genitalien noch Resthirnzellen wegzubomben, dann weiß ich auch nicht.

Achten Sie aber bitte auch auf Ihre Leber.

Foto: Gruppe anschlaege.de




http://amzn.to/2hAhro6

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31 Dezember 2009

Offener Brief zu Silvester (4)



Unten am Fischmarkt herrschte heute Nachmittag die Ruhe vor dem Sturm. Doch wer weiß, ob der einsame Anhänger die Nacht unbeschadet überstehen wird.

Ein sorgenvoller Gedanke, der mich übrigens alljährlich an Silvester heimsucht und stets zu einem warnenden Appell in Form eines Blogeintrags gerinnt.

In diesem Jahr formuliere ich ihn allerdings nicht neu, sondern verweise auf die insgesamt bereits drei inständigen Vorgängereinträge, deren kassandrische Prophetie bisher noch jedes Jahr am Neujahrstag die Welt verblüffte. Außer mir natürlich.

Man sieht sich 2010, hoffentlich noch mit allen Körperteilen – und zwar am besten genau dort, wo sie naturgemäß hingehören.

(Nein, das war jetzt nicht anzüglich gemeint.)

29 Dezember 2023

Wieder mal die Bahn

Geplant ist, in Gießen in den ICE ein- und in Hamburg wieder auszusteigen, und gut is. Jedoch:

1. Der ICE ab Gießen fällt aus. Gerümpel auf der Oberleitung oder so. Alternative: Regionalzug nach Kassel, dort in einen ICE nach Hamburg. Und gut is.

2. Der ankommende Regionalzug ist ein geteilter. Die zur Weiterfahrt nach Kassel vorgesehenen Wagen fehlen allerdings, wie wir uns nach eiligem Auf- und Ablaufen ernüchtert eingestehen müssen. Die Bahn ist ratlos und weiß auch nicht, wo die Wagen sind. Ihr Rat: den Regionalzug nach Treysa nehmen, dort in einen Zug nach Kassel umsteigen, dann weiter nach Hamburg. Klingt praktikabel.

3. Der ankommende Regionalzug ist ein geteilter. Die zur Weiterfahrt nach Treysa vorgesehenen Wagen fehlen allerdings, wie wir uns nach eiligem Auf- und Ablaufen ernüchtert eingestehen müssen. Die Bahn ist ratlos und weiß auch nicht, wo die sind. Problem: Der nächste reguläre Zug von Gießen nach Kassel entfällt sowieso. Rat: Regionalzug nach Frankfurt nehmen, dort den ICE nach Hamburg entern. Der, so räumt man ein, sei jedoch so voll, dass unsere Reservierung nicht umgebucht werden könne. Wir holen uns deshalb die Gebühr direkt bar am Schalter zurück. Die neun Euro sechzig oder so kann uns keiner mehr nehmen – und das ist bisher das Beste, was uns heute passiert ist. Aber noch nicht das Allerbeste!

4. Der Regionalzug nach Frankfurt ist voll wie Harald Juhnke an Silvester. Sein Innenleben (also das des RE, nicht Juhnkes) erinnert an selige 9-Euro-Ticket-Zeiten. Aber hey, er bringt uns in Hessens heimliche Hauptstadt!

5. An Gleis 13 des Frankfurter Hauptbahnhofs fährt laut Anzeige erst noch ein anderer ICE ab; er steht schon parat. Wir kriegen nur durch Zufall mit, dass der wartende Zug bereits unserer ist und nicht etwa der an der Anzeigetafel. Beinahe hätten wir ihn unwissentlich ziehen lassen, was uns zwei tickende Zeitbomben wahrscheinlich hätte hochgehen lassen wie Harald Juhnke an Silvester, wenn sich herausstellt, dass Peter Frankenfeld den Schampus einzukaufen vergessen hat. Wir steigen ein, der Zug, er fährt los! Nach Hamburg!

6. Aber leider nicht zum Hauptbahnhof; er wird ihn nach einem Halt in Harburg links liegen lassen. Wir könnten allerdings in Kassel, Göttingen oder Hannover in einen Alternativ-ICE umsteigen, der jeweils auf dem Nachbargleis bereitstehen wird. Das ist die bisher drittbeste Nachricht des Tages (zweitbeste folgt unten, danach die allerbeste).

7. Wir beschließen, zunächst in unserem ICE sitzen zu bleiben und eventuell erst in Hannover direkt in den Speisewagen des Alternativzugs zu wechsen; schließlich haben wir hier trotz fehlender Reservierung zwei Abteilsitzplätze ergattert (= zweitbeste N. des Tages), und so was wäre bei einem früheren Umstieg gewiss nicht wiederholbar, denn DIE GANZE REPUBLIK STÜRMT GERADE DIE ZÜGE! Wir wollen ja unser Glück, das uns heute so hold war (vgl. die dritt- und zweitbesten Nachrichten des Tages), nicht überstrapazieren.

8. Nachdem also unterwegs drei Züge ausfielen und wir unversehens Mainhattan ein herzliches „Ei gude wie!“ entbieten konnten, kamen wir um siebzehn Uhr sechsunddreißig mit lediglich eindreiviertel Stunden Verspätung in Hamburg an. Das generiert die allerbeste Nachricht des Tages, nämlich eine fünfundzwanzigprozentige Rückerstattung des Ticketpreises. Hätte dieser blöde Zug bloß eine Viertelstunde Verspätung draufgepackt, wären es sogar fünfzig Prozent gewesen. Doch wir wollen uns nicht beklagen: Wir sind angekommen und damit Gebenedeite unter den DB-Kunden.

9. Nächsten Donnerstag trete ich die gleiche Reise erneut an. Bitte schließen Sie mich in Ihre Gebete ein.


 

31 Dezember 2021

Der 15. offene Brief zu Silvester

Liebe diesjährige Bewerber um den Darwin-Award,

wie bereits im vergangenen Jahr, so kooperiere ich auch heuer bei meinem annualen Appell, von der silvesterüblichen Selbstverstümmelung abzusehen, mit der Bundesregierung. 

Die Ampelkoalition zeigte sich in den vergangenen Wochen erfreulich offen für meinen Vorschlag, einfach den Verkauf von Böllern zu verbieten, statt auf etwas zu setzen, was bereits in den vergangenen sechzehn Jahren jeweils durch erschütternde Abwesenheit glänzte: Ihr gesunder Menschenverstand.

Doch was müssen wir, die Bundesregierung und ich, aus den Nachrichten hören? Sie fahren einfach trotzig nach Belgien und Holland, um sich dann halt eben dort mit suizidalen Materialien sonder Zahl einzudecken. Denn Ihre verdammte verfassungsgarantierte Freiheit, sich mit Böllern, Raketen und Chinakrachern die Hör- und Sehkraft, Finger, Zehen und Eier zu atomisieren, ist Ihnen nun mal heilig.

Okay, das habe ich verstanden. Gleichwohl möchte ich Sie – wie immer seit 2005 – natürlich auch in diesem Jahr pflichtgemäß bitten, von Ihrem Vorhaben abzusehen. Wäre es nicht einmal – nur einmal! – eine ernsthafte Überlegung wert, Ihrer zugegebenermaßen schwergängigen IQ-Maschine ein Tröpfchen Schmieröl zu spendieren und so zu dem simplen Entschluss zu gelangen: Diesmal reserviere ich mir aber mal keinen Platz auf der Intensivstation?

Ich weiß, dieser Gedankengang erstaunt Sie bass. Darauf sind Sie noch gar nicht gekommen. Das hätte man Ihnen auch einfach mal sagen können. Aber jetzt wissen Sie es ja. Morgen in den Nachrichten werden Sie deshalb dank der Lektüre dieses Textes gar nicht vorkommen. Und das Beste: Sie nehmen keinem Ungeimpften das Intensivbett weg! 

Dafür schon jetzt herzlichen Dank. Kontrollieren werde ich das natürlich trotzdem. Morgen in den Nachrichten. 

PS: Alle Silvesterappelle gibt es unter dem Etikett „Silvester“ oder hier.

Foto: Gruppe anschlaege.de



31 Dezember 2016

Ein offener Brief zu Silvester – diesmal als Selbstzitat


Seit geschlagenen zehn Jahren versuche ich hier jeweils zu Silvester die schlimmsten Folgen dieser Veranstaltung zu minimieren.

Heute verzichte ich auf eine weitere Variante dieses Appells und verweise auf den ersten Beitrag von 2006 – sozusagen die Mutter aller Bemühungen um Ihre Gesundheit.

Bitte studieren Sie den verlinkten Text aufmerksam. 
Nichts zu danken.


Foto: Gruppe anschlaege.de

21 Dezember 2006

In der Italopophölle

Heute Abend habe ich Ms. Columbo zum Schlemmen in unser liebstes italienisches Restaurant Pesco Mare eingeladen. Das Lokal zwei Straßen weiter ist kulinarisch ebenso großartig wie stets erstaunlich schlecht besucht.

Dieser bedauerliche Umstand liegt sicherlich weder an der Qualität des Essens noch am Enthusiasmus des Kochs, äußerlich ein Mix aus Ronaldo und dem späten George Foreman. Nein, es muss einen anderen Grund geben, und ich glaube ihn zu kennen: Das Pesco Mare ist die brutalstmögliche Italopophölle.


Zu hausgemachter Pasta und traumhaften Antipasti serviert man die totgespieltesten aller Oldies in Dauerschleife – von längst hundertfach durch den Bocelli-Fleischwolf gedrehten Verdi-Arien bis zu 30 Jahre alten Schnulzen wie „Ti amo“. All diese Songs sind tief ins paneuropäische limbische System eingesunken und haben dort unbehelligt und inoperabel eine erfolgreiche Zweitkarriere als Folterinstrumente gestartet.

Und dem wirkt das Pesco Mare nicht entgegen. O nein.

Das Beschallungskonzept folgt einem unantastbaren Dogma: Die Boxen dürfen ausschließlich das bis zum Erbrechen Bekannte auswürgen, jede Abweichung vom „Azzuro“-Kurs gilt offenbar als schlimmste Ketzerei. Wie es auf die geistige Gesundheit der Bediensteten wirken muss, diesem Gassenhauerloop dauerhaft ausgesetzt zu sein, will ich mir nicht ausmalen. Die Crew versucht sich jedenfalls durch vernehmliches Mitsingen vor den schlimmsten Schäden zu schützen.

Dennoch wird die Tonspur auf Dauer ihren Willen brechen – ähnlich wie die chinesische Wasserfolter, bei der man den kahlrasierten Schädel des bedauernswerten Probanden tagelang betropft, bis der sich in einen sabbernden Mollusken verwandelt hat. So ähnlich wirkt „Mama Leone“ im Pesco Mare.

Ms. Columbo allerdings zeigt sich völlig resistent, wahrscheinlich wegen der sardischen Gene, die sie von Natur aus mit sich führt. Während ich bang dem nächsten Song entgegenzittere (nein, nicht schon wieder „La donna e mobile“, bitte!), fördert sie ungerührt meine Allgemeinbildung. „Tiramisú“, erläutert sie, während irgendein Lucio Dalla dazu den Soundtrack schluchzt, „heißt soviel wie: Putsch mich auf! Wegen des Espressos, der drin ist.“

Interessant, das wusste ich noch nicht. Auch der Pragmatismus, mit dem sie sich den kulinarischen Herausforderungen des Abends stellt, ist so entzückend wie lehrreich. „Es ist nicht entscheidend, was du zwischen Weihnachten und Silvester isst“, erklärt sie mit der Gelassenheit derjenigen, der just eine dampfende Pizza Frutti di Mare serviert wurde, „sondern was du zwischen Silvester und Weihnachten isst.“

Ein weiser Satz – und eine gute Rechtfertigung für das Riesenstück eisgekühlte Schokoladentorte zum Abschluss. Die beiden Absackergrappe brauche ich aber vor allem wegen „Tornero“.

31 Dezember 2011

Offener Brief zu Silvester (6)

Alle Jahre wieder steht hier an dieser Stelle zu genau diesem Zeitpunkt ein inständiger Appell an Ihre Restvernunft, und alle Jahre wieder muss ich Anfang Januar in der Zeitung lesen, dass sie ihn überhört haben, ignorierten, darauf spuckten, in die Tonne traten, wegwischten, ja hohnlachend missachteten. Das betrübt mich sehr. Aber vielleicht wird ja diesmal alles anders. Vielleicht denken Sie: Mensch, Matt könnte ja recht haben, ich spreng mir dieses Jahr einfach mal nicht Nase, Augen, Arme, Beine und Geschlechtsteile weg. Klingt jedenfalls nach einer guten Idee. Und genau die sollten Sie jetzt umsetzen. Ich will nämlich einmal Anfang Januar keine einzige dieser Silvestersplattergeschichten in der Zeitung lesen. Deal? Deal. Und hier nun das Original von 2006. Es ist der am wenigsten angestaubte Text im ganzen Blog.

 
Liebe Krüppel vom Neujahrsmorgen,

schaut bitte jetzt noch mal an euch herab. Arme, Hände, Beine, Füße: Alles ist noch dran. Das ist gut. Noch.

Denn heute Nacht werdet ihr euch etwas wegsprengen. Ja, genau. Wahrscheinlich ein, zwei Finger, vielleicht auch eine Hand. Oder beide.

Manche von euch wird es noch schlimmer erwischen. Im Gesicht nämlich. Ihr werdet die Nase verlieren, den Unterkiefer, die Augen. Und einige von euch auch den Rest: euer Leben.

Alles ist momentan noch dran, wenn ihr an euch herabschaut. Das ist gut. Doch in den Zeitungen vom 2. Januar werdet ihr auftauchen: als Beispiele für Dumm-, Blöd- und Bescheuertheit. Jedes Jahr stehen diese Beispiele in den Zeitungen vom 2. Januar. Und diesmal seid ihr es, die zu blöd wart, einen Böller ordnungsgemäß abzufackeln.

Euer ganzes Leben – wenn ihr es denn behaltet – wird danach ein völlig anderes sein. Wahrscheinlich verliert ihr eure Mobilität. Vielleicht könnt ihr euch danach nie mehr alleine die Zähne putzen. Vielleicht verliert ihr euren Job. Oder euren Partner. Vielleicht beides.

Und alles aus Blödheit.

Aber noch ist nicht Mitternacht. Noch könnt ihr es vermeiden, am 2. Januar in den Zeitungen als Beispiele für lebensgefährliche Blödheit aufzutauchen.

Wie wär’s? Ist eigentlich ganz leicht.

Aber ich habe wenig Hoffnung. Denn genau das definiert ja Blödheit: Sogar das eigentlich Leichte noch zu leicht zu nehmen.

Schaut bitte noch mal an euch herab. Arme, Hände, Beine, Füße: Alles ist noch dran. Und jetzt sagt zu all dem bitte leise servus.

Melancholische Grüße,
Matt

Foto: Gruppe anschlaege.de

01 Januar 2008

Die gemütlichsten Ecken auf St. Pauli (1)



Peder sagt, er sei Däne. Außerdem ist er mit Sicherheit: einsam.

Sein Kontaktzettel an einer Straßenlaterne an der Reeperbahn ist zerzaust von der Nacht, verheert von Silvester. „Peder er is Däne“, steht darauf, genauso wie „deutsch vohne“, was möglicherweise einen Hinweis liefern soll auf seinen derzeitigem Aufenthaltsort.

„Vünsche Mänlichen Freund bis 35“, barmt Peder und dass er „mit Ihnen alles teilen“ möchte. Rührend flattern seine Zettelfetzen im Januarwind, aber die Telefonnummer ist gut lesbar.

Eine osteuropäische Matrone trägt Plastiktüten vorbei und schaut sich den Müll der letzten Nacht an. Ihr Kind trottet hinterher; ein gelehriger kleiner Schüler, schon mit ausgebildet wachem Blick für die Unterschiede zwischen wertvoll und -los.

In der Talstraße liegen Weißbrotbrocken auf dem Asphalt, und keine einzige Taube kümmert sich darum. Auch die Vögel haben Kater.

In einer kleinen Einfahrt entdecke ich eine der
gemütlichsten Ecken (auch olfaktorisch), die ich je auf St. Pauli vorfand. Noch während ich sie fotografiere, reift der Gedanke, eine entsprechende Fotoserie zu starten.

Hier ist sie, die Folge 1.

31 Dezember 2014

Das übliche nutzlose Gesülze zu Silvester

Wie seit 2006 immer an diesem Tag möchte ich Sie auch jetzt wieder vergebens darum bitten, sich im Zuge der heute Abend anstehenden Geistervertreibungen tunlichst keiner Körperteile zu entledigen, die Sie im kommenden Jahr vielleicht noch gebrauchen können.

Ich weiß auch nicht, warum ich das alljährlich wieder tue, wo mir doch die Nachrichten der nächsten Tage wieder schmerzlich beweisen werden, wie wenig Gewicht meine Stimme hat in dieser Welt. Wahrscheinlich nerve ich Sie damit schon seit Jahren.

Aber ich bin halt ein Zwangscharakter. Allerdings einer, der sie noch alle hat. Also Körperteile.

Foto: Gruppe anschlaege.de

30 Dezember 2011

Die Diktatur des Gutscheins



Ms. Columbo
: Wir müssen unbedingt den Car2go-Gutschein einlösen. Der läuft Silvester ab.
Matt: Ich lasse mir doch von einem Gutschein nicht vorschreiben, wann ich Auto zu fahren habe!
Ms. Columbo: Zur Not fahren wir einfach zweimal um den Block.
Matt
: Das rettet die Welt aber nun wirklich nicht.

Dennoch kam es am Ende doch dazu, dass wir mal wieder dem anachronistischen Irrsinn des Autofahrens frönen werden.[1]


Ein Smart, den wir eine halbe Stunde lang kostenlos durch Hamburg bewegen können: Hat jemand einen Vorschlag, wohin? Und zu welchem Zweck?

[1] Präteritum mit Futur 1 zu kombinieren: Das traut sich auch nicht jeder.


31 Dezember 2015

Fundstücke (210)



Diesen Silvester möchte ich wegen des bestürzenden Misserfolgs in den Vorjahren auf meinen traditionellen Appell, sich heute Nacht ausnahmsweise mal nicht nützliche Körperteile wegzusprengen, verzichten.

Stattdessen verweise ich hiermit einfach auf die entsprechenden Archiveinträge. Sie finden Sie gesammelt hier.

Kurz vor Jahrestoresschluss hat sich heute noch jemand vorm Nachbarhaus einiger überflüssiger Utensilien entledigt. Neben einem Stapel billiger Taschenbücher gehörten dazu auch eine Säuglingstragetasche sowie ein Kinderwagen, alles allem Anschein nach funktionsfähig.

Ein Baby oder etwas Ähnliches befand sich indes nicht unter den entsorgten Materialien, soweit ich das nach einem oberflächlichen Check beurteilen kann.

Und mit einer besseren Nachricht vermag ich Sie leider nicht aus diesem Jahr zu entlassen.

31 Dezember 2008

Offener Brief zu Silvester (3)

Ich weiß, ich weiß: Das habe ich alles vergangenes Jahr und sogar vorvergangenes Jahr schon einmal gesagt. Doch nie hat es etwas genützt.

Deshalb versuche ich es noch einmal (oder – wie man seit einiger Zeit in neudeutschem Gammelsprech zu sagen pflegt – „einmal mehr“).

Bitte lest also diesen Beitrag, solange ihr noch Augen habt.

Erneut erwarte ich für diese guten Tipps keinen Dank; eure geretteten Gliedmaßen sind mir Lohn genug, obwohl ich von ihrer Rettung nie erfahren werde.

Einen guten Rutsch also. Möge am Neujahrsmorgen noch alles an euch dran sein. Und zwar an den richtigen Stellen.

Cheers!



Foto: anschlaege.de


03 Januar 2021

Drei Begegnungen

1. Wir werden Zeugen eines bereits laufenden Streits in der Balduinstraße. Beteiligt sind zwei Männer, der eine am Gehwegzaun, der andere auf einem Balkon im zweiten Stock. Wenn ich mir das richtig zusammenreime, hat der Mann auf dem Balkon den anderen mit kritischem Unterton bezichtigt, eine Stange Wasser in die Ecke gestellt zu haben. Das regt den Pinkler mächtig auf.

Es gebe keinerlei Grund, ihn zu kritisieren, „nur weil ich pisse“, und überhaupt, fährt er argumentativ diskutabel fort, „ficke ich deine Mutter, du Hundesohn“. Ein kühnes Versprechen, denn wahrscheinlich hat er nicht mal die Kontaktdaten der guten Frau.

Seine Willensbekundung gibt allerdings auf gleich mehreren Ebenen Anlass zum Nachdenken. Mir hat sich zum Beispiel noch nie so recht erschlossen, warum manche Männer – vor allem auf dem Kiez – sich derart oft der Fantasie hingeben, mit der Erzeugerin eines zufälligen Kontrahenten sexuell zu interagieren, obwohl doch die Gefahr besteht, dass die Auserwählte in einem inkompatiblen Alter sein könnte.

Na gut, manche stehen auf Milfs. Aber in der Regel wissen sie in Fällen wie dem vorliegenden doch null Komma nichts über deren vielleicht sogar gänzlich fehlende äußere Anziehungskraft. Dabei entzünden sich erotische Fantasien doch gewöhnlich an der Optik. Hier aber, in der Balduinstraße, gibt es nicht den kleinsten Anhaltspunkt, wie diese denn beschaffen sein könnte. Der Mann am Zaun gibt also quasi einem Blind Date eine Beischlafgarantie!

Doch nicht nur das lässt unsereins vorwurfsvoll die Stirn runzeln. Auch die Rhetorik dieses Wildpinklers erscheint mir durchaus grenzwertig. Es wird jedenfalls ein schwieriges Jahr, wenn dein Karmakonto schon am 1. Januar hüfthoch im Dispo steht.

2. Am Tag vor Silvester fährt in der Neuen Großen Bergstraße ein mit bunten Tüchern und Blinklichtern verziertes Fahrrad an uns vorbei. Im Gepäckkorb befindet sich ein Ghettoblaster (sagt man das noch?). Das Gerät spielt aber keine Musik ab, sondern Feuerwerksgeräusche. Ein, wie ich finde, lobenswert kreativer Umgang mit den Einschränkungen, die in diesem Jahr den Jahreswechsel prägen.

3. In der Detlev-Bremer-Straße (Foto) schiebt sich ein Mann die Maske unters Kinn. Dann holt er eine zweite Maske aus der Jackentasche und schnäuzt ergiebig hinein.

2021 kann wirklich nur besser werden.





31 Dezember 2024

Der 18. offene Brief zu Silvester

Meine Damen und Herren und Diverse! Unzählige Male habe ich sie eindringlich und jährlich barmender davor gewarnt, ja, irgendwann sogar einmal kontraindikativ hinterfotzig dazu ermuntert, doch der Effekt war immer der gleiche:

Es gelang mir nie, nie, nie, Ihre Silvesteraktivitäten derart einzuhegen, dass die Verluste in Ihren Reihen signifikant gesunken wären, geschweige denn gen null. Seit 2006 frustriert mich das zuverlässig Jahr für Jahr.

Was also soll ich noch tun, jetzt, anlässlich meines achtzehnten Appells an die Restvernunft in Ihrem Resthirn? (Im Lauf der Jahrzehnte hatte ich mich übrigens angesichts der puren Fülle meiner offenen Silvesterbriefe bei deren Nummerierung vertan, sodass die Anzahl nun nach unten korrigiert werden musste. Sorry.)

Soll ich überhaupt noch etwas tun, oder ist wirklich alles eitel? Alles Schall und Rauch?

Letzteres muss wahrscheinlich spätestens um Mitternacht vehement bejaht werden. Sie – ja: genau Sie! – werden justament um diese Uhrzeit dermaßen viel Geballer und Geböller in die eh schon inversionswetterlagengeplagte Luft ejakulieren, dass dabei, wie Fachleute prognostizieren, auf einen Schlag ein Hundertstel der gesamten deutschen Jahresfeinstaubproduktion entsteht. Was anschließend von Ihnen wieder rückstandslos weggeatmet werden muss.

Leider auch von mir, und das fange ich allmählich an Ihnen übel zu nehmen. Wenn Sie es wirklich unabhängig von Besserwissern wie mir weiterhin für höchst geboten halten, sich Ihre besten Teile terminiert wegzusprengen, dann sollten Sie mit den feinstofflichen Überresten wenigstens niemand anderen behelligen.

Zu diesem Behufe wäre es deshalb wichtig, dass Sie es vermieden, Ihre Selbstverstümmelungen im öffentlichen Raum vorzunehmen. Benutzen Sie dazu bitte Ihr Wohn- oder Schlafzimmer, auch Dachboden oder Keller sind vorzüglich geeignet, sofern alle Schotten dicht sind und nichts von Ihrem Gebrösel und Gekrümel ins Freie entfleuchen kann.

Können wir uns wenigstens darauf einigen? Als Minimalkonsens?


Update 01.01.2025: Vielleicht sollte ich einfach aufgeben.


Update 03.01.2025: Weil die Leute seit achtzehn Jahren meine Silvesterappelle ignorieren?






Update 06.01.2025: Petition für ein Böllerverbot.


Foto: Gruppe anschlaege.de


 

25 Juli 2009

Find den Anglizismus

Normalerweise hört man so was nur von Nostalgikern, die schon in Woodstock dabei waren oder wenigstens in Roskilde ’96:

Dass es an jenem legendären Tag ununterbrochen Katzen und Hunde geregnet habe und dann plötzlich – pünktlich zum ersten Riff der legendären Band XY – die Wolken aufrissen und die Sonne sich verzückt den Auftritt anguckte, bis sie wegen Dienstschluss unterging.

Nun, in Hamburg regnete es vorgestern ununterbrochen Katzen und Hunde, und dann plötzlich – pünktlich zum ersten Riff des legendären Carlos Santana – rissen überm Stadtpark die Wolken auf, und die Sonne schaute sich verzückt den Auftritt an, bis sie wegen Dienstschluss unterging.

Das Wetter nahm ich daher genauso persönlich wie den Auftritt Santanas. Alleine sein Zugabenset hatte genug Energie, um an Silvester eine sibirische Kleinstadt zu beheizen, und mit seinen rattenscharfen Bläsersätzen hätte man Carpaccio schneiden können.

Dass er „Samba Pa Ti“ nicht spielte, war allerdings sehr schade – eine Kritik, die man normalerweise nur von Nostalgikern hört, schon klar.

31 Dezember 2020

Der 14. offene Brief zu Silvester (Corona-Edition)

Liebe Anwärter auf den Darwin-Award,

nachdem ich seit nunmehr fünfzehn langen Jahren jeweils zum Jahresende an Sie appelliere, doch bitte auf das Wegsprengen Ihrer Gliedmaßen zu verzichten und es nie auch nur ein klitzekleines Bisschen was nutzte; nachdem sogar meine späte Erkenntnis, dass dieser Appell fünfzehn niederschmetternde Jahre lang ein Kontraindikator war, Sie sich also umso trotziger Arme, Beine, Augen, Ohren und Schniedel wegsprengten, je eindringlicher ich Sie bat, das doch am besten zu unterlassen, und ich Sie aus diesem Grunde im vergangenen Jahr erstmals sogar ausdrücklich genau dazu ermunterte, um – so die wilde Hoffnung – damit zum Kontrakontraindikator zu werden (Effekt: null); nach all diesem fruchtlosen Machen und Tun meinerseits hat nun endlich die Bundesregierung höchstselbst das Verfahren an sich gezogen.

Nach dem Studium aller Silvestereinträge dieses Blogs seit 2005 rang sich das Kabinett – dank eines eindringlichen Vortrags des gebenedeiten Gesundheitsministers – einstimmig dazu durch, Ihnen, den störrischen Holzköpfen mit zurzeit noch allen Gliedmaßen, einfach die Grundlage Ihres hirnrissigen Tuns zu entziehen und den Verkauf und Gebrauch von Böllern und Ähnlichem zu verbieten.

Natürlich kann jemand wie die Regierung schlecht zugeben, dieses Verbot nur aufgrund der Lektüre meiner fünfzehn Silvesterappelle verhängt zu haben. Deshalb führt sie ersatzweise und der Einfachheit halber den wohlfeilsten aller diesjährigen Gründe dafür an: Corona!

Nun, ich, der ich als zweiten Vornamen Bescheidenheit im Pass stehen habe und als dritten Demut, verzichte gern auf solche Meriten oder gar das Bundesverdienstkreuz; darauf warte ich gern noch ein paar Jahre, wenn der Staub sich gelegt hat. 

Nein, mir geht es ausschließlich um die Sache, nämlich den Fortbestand Ihrer Extremitäten, ob oben, unten oder in der Mitte. Sollte es Sie also wirklich auch dieses Jahr wieder zerfetzen, dann weiß ich echt nicht mehr.

Es grüßen Sie jedenfalls hoffnungsfroh bang

Matt und Jens

Foto: Gruppe anschlaege.de




31 Dezember 2007

Offener Brief zu Silvester (2)

Ich weiß, ich weiß: Das habe ich alles letztes Jahr schon mal gesagt. Doch damals hat es nichts genützt.

Deshalb versuche ich es noch mal. Bitte lest also diesen Beitrag, solange ihr noch Augen habt. Erneut erwarte ich für diese guten Tipps keinen Dank; eure geretteten Gliedmaßen sind mir Lohn genug, obwohl ich von ihrer Rettung nie erfahren werde.

Einen guten Rutsch also. Möge morgen früh noch alles an euch dran sein, und zwar an den richtigen Stellen.

Cheers!



Foto: anschlaege.de

31 Dezember 2022

Der 16. offene Brief zu Silvester

Liebe diesjährige Bewerber und -innen um den Darwin-Award,

wie Sie wissen, bemühe ich mich seit 2006 auf manchmal erbarmungswürdige Weise darum, Ihnen das übliche Silvesterfeuerwerk auszureden. Heute, im achtzehnten Jahr dieses – wie ich nicht unbescheiden betonen möchte – verdienstvollen, wenngleich stets vergeblichen Versuchs, möchte ich Sie hingegen ausdrücklich zum Feuerwerken ermuntern. Wie das?, wundern Sie sich und werden sogleich hellhörig.

Nun, weil Sie in diesem Jahr gleich mehrere bockstarke und absolut unterstützenswerte Botschaften in die Welt hinausböllern können:

  1. Sie zeigen damit eindrucksvoll, dass Sie bereit sind, aus Solidarität mit den Opfern des Angriffskriegs in der Ukraine ebenfalls Augen, Ohren, Hände, Füße und Geschlechtsteile zu opfern. Ja, die sind Ihnen durchweg schnuppe, solange nur Ihre Botschaft rüberkommt. Nimm das, Putin!
  1. Außerdem signalisieren Sie hyperdeutlich, dass Ihnen zehn Prozent Inflation bei Weitem noch nicht hoch genug ist, um sich die Freude an der Selbstverstümmelung vergällen zu lassen. Gaspreis, wo ist dein Stachel?
  1. Zudem stellen Sie eine heutzutage sehr selten gewordene Tapferkeit unter Beweis, die sich darin zeigt, dass Sie leichtherzig auf jede Notfallversorgung verzichten möchten. Denn es wird eh niemand kommen, wenn Ihre vor Entsetzen schreienden Angehörigen – Plastiktüten mit Ihrem Schniedel und/oder Nasenresten in den zitternden Händen – die 112 wählen. „Ach, lass nur“, röcheln Sie mit ungewohnt hoher Stimme, „andere haben es nötiger.“ Stimmt.

  2. Und last not least zeigen Sie es allen Katzen, jenen Krallenmonstern, die im Schnitt 270 Vögel pro Jahr in die ewigen Gejagtwerdengründe schicken und sich nun – dank Ihnen – wenigstens eine Nacht lang vor Angst schlotternd unter Frauchens Bett verkriechen müssen.

Kurz gesagt: Böllern Sie bitte, bis der Arzt (nicht) kommt! Meinen Segen haben Sie.