04 Februar 2006

Das kontrastreiche Restaurant

Der Innendekorateur des thailändischen Restaurants Phuket in der Taubenstraße hat seine ersten Sporen offenbar im Nippesgroßhandel verdient und wechselte dann sofort hierher.

Als wir zuletzt da waren, dachten wir noch, die gelben und roten Lämpchen in Herz-, Fisch- und Delfinform, die sich in endlosen, gern auch mal ineinander verzwirbelten Girlanden durchs Restaurant schlängelten, hätten schlicht den Kehraus einer Faschingsparty temporär überlebt – obgleich uns Thailand und Fasching ungefähr so verwandt vorkamen wie Kaninchen und Kokosmilch.

Nun, Fasching war wohl auch in der Tat nicht der Grund für diese Illumination; stattdessen müssen grundsätzliche Erwägungen zur fatalen Wahl geführt haben. Denn die Girlanden des Grauens hängen immer noch da. Sie geben dem Phuket die Heimeligkeit eines Vorstadtpuffs.

Doch die Betreiber, durchweg hochsympathische Thailänder, konterkarieren das entwaffnend ungeschickt mit der Musikbeschallung. Im Lauf des Abends fügen sich Bill Haleys „Rock around the clock“ ebensowenig ins wirre Gesamtambiente ein wie diverse Oldies der Sechziger Jahre. Und aus dem Zeitschriftenregal lugt Architectural Digest.

Thailand, Leuchtdelfine, Bill Haley, Edelmagazine: Wer dieses Restaurant desorientiert betritt, wird es keinesfalls mit geschärftem Geschmack wieder verlassen. Natürlich nur kulturell gesehen, nicht kulinarisch. Wir studieren die Karte, staunen und entscheiden uns für – Kaninchen in Kokosmilch. Dazu singt Cher „Bang bang“.

Ein schöner Abend. Wir kommen bestimmt bald wieder.

Ex cathedra: Die Top 3 der sphärischsten Gitarrensongs
1. „Ghosts of american astronauts“ von The Mekons
2. „Pink frost“ von The Chills
3. „Rollercoaster“ von The Red House Painters


Kommentare:

  1. Tatsächlich hat mich meine thailändische Freundin bisher davon abgehalten, dieses Etablissement zu besuchen, da sie von der Qualität der angebotenen Speisen nicht überzeugt ist. Sie geht ja grundsätzlich nur zu Baan Thai (oder wir holen von Luk Thung Essen zum Mitnehmen).

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  2. Als Thailänderin kann man das sicher deutlich kompetenter beurteilen als wir. Uns hat es aber geschmeckt, und vielleicht hat das Phuket eine Chance verdient. Und ein bisschen Trash muss sein …

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