16 Dezember 2011

Die seligen 80er



Heute Abend traf ich den Direktor des Hamburger Maritim-Hotels, wo seit rund hundert Jahren der abgebildete Kronleuchter an der Restaurantdecke hängt.

Der Direktor erzählte von den 80er Jahren auf dem Kiez, seiner großen Zeit. Am Spielbudenplatz gab es damals seinen Erinnerungen zufolge eine Kneipe namens „Kombinat in der Bauphase“. Er musste das wiederholen, weil wir dachten, es handele sich um eine Kneipe namens Kombinat, die er bereits vor Fertigstellung besucht habe, doch nein: Sie hieß wirklich „Kombinat in der Bauphase“.

Drinnen gab es keinen Tresen, sondern nur diverse herumstehende Kühlschränke. An jeden davon war eine Servicekraft mit Handschellen gekettet, und wenn man ein Bier wollte, öffnete der immobilisierte Mensch die Kühlschranktür und reichte eins rüber.

In der Mitte des Raumes, so erinnerte sich der Direktor, wurde der DJ, der The Cure etc. zu spielen hatte, allabendlich rituell mit Styroporsteinen eingemauert und verbrachte dann den Rest der Schicht in diesem kläglichen Zustand.

Was genau mit all diesen lokal fixierten Angestellten geschah, wenn sie mal wollten oder mussten, konnte der Hoteldirektor leider nicht mehr rekonstruieren. Jedenfalls scheinen das originelle Zeiten gewesen zu sein.

Heutzutage hingegen gehört es auf dem Kiez schon zum Originellsten, wenn man auf der falschen Seite der Reeperbahn von einer Prostituierten angekobert wird. So wie ich heute Abend.


Kommentare:

  1. Also, die Kneipe war wohl als Arbeitsplatz für Verheiratete besonders gut geeignet - hat mein Häubchen gesagt.
    Verstehe ich nicht.

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  2. blogg-hittn-wirtin11:01

    Tja, damals war noch was los auf dieser Welt und in der Nacht. Heute ist das ja alles nix mehr ... die jungen Leute sitzen stundenlang bei McDonalds und Starbucks und in Lokalen, von denen man nicht genau sagen kann, ob es nun Konditoreien oder Büchereien sind. Wo tobt denn heute bitte noch das Leben? In den Smartphones?

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  3. Wahrscheinlich schon. Ist auch hygienischer.

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