22 Dezember 2011

Achtung: Pferdecontent!



Heute Abend gaben gleich zwei besonders liebenswerte Musikpromoterinnen – Pat und Conny – ihren Ausstand, weil sie Hamburg zu verlassen beabsichtigen. Objektiv haben sie zwar gute Gründe für diesen Schritt, subjektiv aber ist das doch sehr schade.

Die beiden hatten zum Behufe des Ausstandes einige besonders liebenswerte Journalisten eingeladen, um sie erst- und letztmals ordentlich abzufüllen, darunter schmeichelhafterweise auch mich.

Wir saßen also traulich im Hadley’s herum, und kaum hatte ich meine altbekannte und abgedroschene, in dieser Runde allerdings noch unbekannte Lieblingsthese aufgewärmt, die Stadt als solche sei ja ganz okay, nur die Menschen wirkten störend, da wechselte das Gespräch auf Pferde.

Dabei hatte ich die Verfeinerung meiner These noch gar nicht dargelegt, nämlich dass es – genauer gesagt – nicht die Menschen an sich sind, welche der Stadt ihr störendes Gepräge geben, sondern der Raum, den sie unverschämterweise einnehmen. Sie stehen herum, wo man sie nicht braucht, stolpern einem in den Weg, wo es keineswegs opportun ist, wölben sich schamlos ins Dreidimensionale, obgleich ebendort sich irgendjemand anders aufzuhalten beliebt, zum Beispiel ich.

Aber wie gesagt: Trotz der allgemeinen Zustimmung, die meine These am Tisch fand, war mir wegen des plötzlichen Themenwechsels Richtung Pferde die entscheidende Vertiefung derselben nicht mehr möglich. Jedenfalls erzählte Pat von ihrem Exemplar, welches aus Dänemark den kurzen Weg herüber nach Hamburg gefunden hat, und spätestens als sie seine Rassenzugehörigkeit namentlich spezifizierte, war es um diesen Abend geschehen, aber im positiven Sinne.

Das Pferd ist nämlich ein Knappstrupper.

Dieses rhythmisch wie klanglich becircende Wort verbreitete sich in Windeseile am Tisch und sorgte unter den Nichtpferdespezialisten – also allen außer Pat – für höchste Erheiterung und in der Folge für enorme Nonsensdiarrhö. Und um unsere Knappstruppermanie weiter zu steigern, hätte Pat ruhig verraten können, dass diese Tiere sich auch noch eines ramsnasigen Kopfes befleißigen.

Aber das erfuhr ich erst spätnachts aus dem Pferdewiki.


PS: Da ich zufällig gerade kein Knappstrupperfoto parat habe, behelfe ich mir mit der Reiterstaffel der Hamburger Polizei, die periodisch die Reeperbahn mit Pferdeäpfeln zu verzieren pflegt.

Kommentare:

  1. Anonym09:03

    Sie haben sicherlich bereits in Erfahrung gebracht, dass Pipi Langstrumpfs Pferd kleiner Onkel ein Angehöriger nämlicher Rasse ist.

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  2. Ja, diese Information hatte die Besitzerin zur Dämpfung der Heiterkeit einzustreuen versucht. Mit gegenteiligen Folgen.

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  3. Anonym10:34

    Ich möchte nicht oberlehrerhaft daherkommen, tue es aber trotzdem: Das Vieh heisst Knabstrupper ;)

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  4. Es gibt beide Schreibweisen, wie Sie dem Pferdewiki entnehmen können.

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  5. Anonym14:48

    Mal ganz abgesehen von Pferden: Ich finde es sehr, sehr lobenswert, wie Sie hier deutlich kritisieren, daß in der Stadt (und das betrifft nicht nur Hamburg, sondern mind. auch Berlin) ständig Leute in der Gegend herumstehen, vorzugsweise an Stellen, wo es besonders eng ist. In der City hier sind es wohl in erster Linie Touristen und Zugezogene, während in den Außenbezirken nach meiner unvollständigen Beobachtung auch Einheimische dazu neigen. Es ist eine Pest! Außerdem stützt es die These, daß die Leute hierzulande von Jahr zu Jahr immer dümmer werden, sich zumindest immer verblödeter benehmen.

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  6. Anonym17:18

    Bei mir ist es gerade umgekehrt: Die Menschen hier finde ich ganz angenehm, nur die Stadt nervt.

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  7. Also, ich stehe in Ihrer Stadt ganz gerne herum, weil es dort einfach viel und viel schönes zu sehen gibt. Hmm, ui, auweia, dann bin ich ja auch so einer ...

    Aber dieses Misanthropische ist offensichtlich kein regionales Problem. Ich kenne ein paar Österreicher, nicht zu knapp, die sagen, sie wohnten in einem wunderschönen Land, wenn es nur die eineinhalb Millionen Wiener nicht gäbe ...

    Vielleicht liegt das auch an den Wiener Fiakerpferden, die gerne den Apfelduft der großen weiten Welt verbreiten.

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