26 Juni 2012

Ente in Schweißsoße



Vor der Pressevorstellung im Streit’s-Kino (das schreibt sich wirklich so) gönnte ich mir bei „Essen & Trinken“ am Gänsemarkt auf die Schnelle ein Lunch.

Ich hatte leider nichts zu lesen dabei und musste aufs iPhone zurückgreifen. Auf dem Display eines 3GS Mommsens „Geschichte des Römischen Reiches“ zu lesen, gehört zweifellos zu den Erfahrungen, die man mal gemacht haben muss.


Während ich erfuhr, dass im Jahr 636 v. Chr. oder so in Rom die Musik generell verboten wurde (ein bedenkenswerter Ansatz in Zeiten des Leistungsschutzrechtes), wovon lediglich Flöte und Gesang ausgenommen waren – was Ian Anderson extrem entgegengekommen wäre –, setzten sich zwei Männer in roten Latzhosen an den übernächsten Tisch.

Das erste, was ich von ihnen wahrnahm, war ein intensiver Mischgeruch aus Schweiß und Rasierwasser. Er umwölkte die beiden Männer dunstglockenförmig mit einem Radius von mindestens zwei Metern und legte sich unschön über die Sensorik meiner Ente in Chilisoße.

Ich registrierte aufsteigenden Missmut. Doch das war nur die Gefühlsebene, und ich verfüge ja auch noch über eine Ratio, obgleich an dieser Stelle scheinbar schon Gegenbeweise sonder Zahl geführt wurden.

Die Ratio jedenfalls sagte: Diese Männer sind Arbeiter, sie strengen sich an, sie schwitzen rechtschaffen, und das riecht man halt.

Gäbe es sie nicht, fuhr sie fort, müsstest du möglicherweise selbst Mauern mauern, Löcher ausheben, Paletten stapeln und Kisten schleppen, statt bei einer Ente in Chilisoße auf den Beginn einer Pressevorstellung im Streit’s-Kino zu warten. Und dann lieber eine Dunstglocke, ehrlich. Danke, Männer.

Dass ich einen Tuck schneller aß als gewöhnlich, hat ja keinem geschadet außer eventuell meiner Verdauung. Aber das ist noch nicht … äh … raus.


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