14 Mai 2012

Eine kiezspezifische Gefahr



Unten auf der Straße wieder mal großes Geschrei. Vom Balkon aus sehe ich einen Jungen flüchten vor zwei anderen, von denen der eine sich benimmt wie ein Pavian.

Er springt mit gereckter Brust auf der Stelle und brüllt irgendetwas auf Türkdeutsch, während er dabei die Arme ausbreitet. Möglicherweise handelt es sich dabei um Dominanzgesten, ich weiß es nicht.

Sein kleinerer Kumpel trägt eine Basecap und markiert derweil sein Revier: Er stellt sich vor eine hölzerne Haustür, um dagegen zu pinkeln.

Ja, er strullt nicht etwa gegen die steinerne Wand dieses bedauernswerten Wohnhauses, was kiezweit durch unzählige Wiederholungen längst den Rang eines Gewohnheitsrechtes gewonnen hat, sondern gegen die Haustür.


Versuchte also ausgerechnet jetzt ein Bewohner das Haus zu verlassen, sähe er sich unversehens konfrontiert mit dem hereinpladdernden lauwarmen Strahl eines Basecapträgers und einem hinter ihm herumhüpfenden Brüllpavian.

Deswegen fiele er zwar bestimmt nicht aus allen Wolken. Doch sich umziehen zu müssen, nur weil man die Straße betreten wollte: Das wäre schon unschön, sogar auf St. Pauli.

Kommentare:

  1. Hiesige Paviane können schlicht noch nicht zwischen Haustür und Hauswand unterscheiden, die Evolution braucht halt ihre Zeit.

    AntwortenLöschen
  2. Anonym12:29

    Bei d.i.e.s.e.r Evolution würde ich gerne mitwirken und nachhelfen. Das gab es hier (Nähe Fischmarkt)letztes Jahr zum Hafengeburtstag auch an den Häusern: Vater (mit Bierdose) und vermutlich Sohn (mit Colaplastikflasche) urinieren/pissen an die Hauswand...
    Herrjeh - es gibt Sachen, die kann man auch wirklich (wo-)anders zelebrieren, wenn es überhaupt notwendig ist. Von mir aus an einem Baum, das rechte Bein erhoben...

    AntwortenLöschen
  3. Nihilistin14:19

    Vor meiner (Berliner) Haustür ist es seit ein paar Wochen etwas ruhiger bzgl. hingekotzten und hingepissten Hinterlassenschaften - bei Ihnen in Hamburg, verehrter Herr Matt, scheint es ja gerade heftiger zu werden.
    Der Herr Schwenzel von wirres.net führt dies ja auf den Hafengeburtstag zurück - ich setz den Link hier mal rein, gell?
    http://wirres.net/article/articleview/6311/1/6/

    AntwortenLöschen
  4. Anonym15:34

    Ich sag mal gar nichts. Besser ist es.

    AntwortenLöschen
  5. Bei einer ähnlichen Szene ist mir vor ein paar Wochen ein ganz ärgerliches Mißgeschick passiert: beim Gießen meiner Blumenkästen ist mir die Gießkanne fast aus der Hand gerutscht und das darin enthaltene Wasser ergoß sich wirklich ganz aus Versehen auf den kleinen Pisser. Mir war das wirklich sehr unangenehm, wie Sie sich vorstellen können...... :-D

    AntwortenLöschen
  6. Markus, ich habe leider keine Blumenkästen. Was nun …?

    Frau Nihilistin, danke für den wenig erhellenden, dennoch sachdienlichen Link.

    Anonym 12:29: Hier gibt es sogar öffentliche Toiletten! Bäume muss man also gar nicht damit belästigen.

    Zaphod, manchmal würde ich gern der Evolution in den Hintern treten. Aber ich habe Angst, dass Darwin mich ausschimpft.

    AntwortenLöschen
  7. Anonym09:40

    Mit einer der Gründe, warum ich dieses inzwischen nicht mehr so schöne Fleckchen Erde demnächst ohne größeres Bedauern verlassen werde. Gewohnheitsrecht sicher, die große "Toilette" war ja mal die Gasse vor der damaligen Brauerei. Aber irgendwie ist es doch alles nochmal grober und plumper und unangenehmer geworden, oder ich werde einfach alt. Jedenfalls freue ich mich schon ganz spießig auf langweilige Stille ohne "Events" und Menschen, denen sowas wie hier selbst peinlich wäre und die höflich und nett sind - das hat doch auch was.

    AntwortenLöschen
  8. Anonym11:24

    Ist wohl gleich um die Ecke, etwa da, wo man heute morgen gegen 8 von dem Alkoholiker und Heimwerker geweckt wurde, der in dem Hinterhaus lebt und gerade ganz dringend irgendwas abschleifen musste. Das ist der, der auch abends immer im Hof sitzt und mit seinem voluminösen Organ mit irgendwelchen anderen unhörbaren Gesprächspartnern laut konferiert und dabei diverse Alltagsprobleme erörtert und abwägt, wobei er mit seinem grundsätzlichen Pessimismus und seiner Abscheu gegen die Welt nicht geizt. Und wo gegenüber der andere täglich mit seiner "Londoner-Philharmoniker spielen Nirvana und die James-Bond-Melodie-CD" oder was das ist den Hof beschallt. Aber muss ja erst mal was anderes finden... 10 Jahre waren wohl genug.

    AntwortenLöschen
  9. Ich meinte natürlich die NEUE Adresse …

    AntwortenLöschen
  10. Ich tausche sofort zwei von euren Fassadenpissern gegen einen dieser Penner aus dem nahegelegenen Park, die (in Ermangelung einer öffentlichen Toilette in der Umgebung oder aus Prinzip - das entzieht sich meiner Kenntnis und zugegeben meinem Interesse) immer wieder gerne unsere schummrige Kellertreppe aufsuchen um wesentlich Manifesteres zu hinterlassen.
    Schlage Austausch per Post in Kartons ohne Luftlöchern vor.

    AntwortenLöschen
  11. Irgendetwas sagt mir, dass wir bei Ihrem Deal schlechter wegkommen, aber ich weiß noch nicht genau warum.

    AntwortenLöschen