01 Dezember 2012

Dylan hat’s verschissen

Unter der lustigen Truppe, die jährlich vom Maritim-Hotel zum Gänseessen ins mondän angeranzte Haus in der Kirchenallee eingeladen wird, befindet sich nicht nur aus unerfindlichen Gründen der Autor dieses Blogs, sondern auch Journalisten, die ab und zu wirklich Artikel über Hotels verfassen.

Dadurch erfahre ich gleichsam nebenbei, welche jährliche Summe der Musiker Udo Lindenberg  an die Eigentümer seiner Dauerresidenz, das Atlantic-Hotel, überweist – und muss sagen: Das hätte ich nun wirklich nicht gedacht …

Ein älterer Kollege wälzte hingegen ein ganz anderes Thema, welches, wie schnell deutlich wurde, seit Dekaden in ihm gärt. Er erzählte mir zwischen Amuse-Gueule und Kürbissamtsüppchen von einer bitteren Erfahrung 1970, als er das längst legendäre Festival auf der Isle of Wight besuchte.

Bob Dylan nämlich, erinnerte er sich, habe nur eine Dreiviertelstunde (!) gespielt, sei dann einfach so (!!)  „in seinen Hubschrauber“ (!!!) gestiegen und wieder abgeflogen.

„Wir waren alle sauer, wir haben gebuht!“, erregte sich der Mann. Ob er noch mal ein Dylan-Konzert gesehen habe seither? Er schüttelte wild den Kopf, denn 42 Jahre später im Hamburger Maritim-Hotel Reichshof in der Kirchenallee war seine gleichsam überzeitliche Empörung noch immer nicht abgeklungen.

Ein solches Beharrungsvermögen imponiert mir. Was so etwas allerdings über die Qualität der kulturellen Meinungsbildung in Deutschland aussagt, möchte ich lieber nicht tiefer durchdenken.

Mit Jimi Hendrix 1970 auf Fehmarn war der Kollege übrigens ganz zufrieden. Wenige Wochen später war Hendrix tot, und Dylan lebt
immer noch. Zufall?

PS: Der abgebildete Prachtkronleuchter hängt übrigens im Restaurant des Maritim und schaut den Gästen abgeklärt in die Suppe.

Kommentare:

  1. Hm, auch wenn mir klar ist, dass Sie die genaue Summe nie im Leben nennen dürfen, die Udo Lindenberg da jedes Jahr abdrücken muss, könnten Sie vielleicht sagen, ob es nun MEHR oder WENIGER war, als Sie gedacht hatten. Ich habe mir die Frage nämlich schon sehr oft gestellt, was der Spaß wohl kostet.

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  2. Es war weniger. Aber Sie kennen meine ausufernde Fantasie nicht.

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  3. Torben11:51

    Dann tippe ich ja fast auf 1 Euro oder gar nichts als Miete. Die Werbung, die der Nuschler durch seine Medienpräsenz für das Hotel macht, reicht vollkommen aus.

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  4. Anonym15:10

    Das wiederum kann ich mir nicht vorstellen. Er hat ja schon dort residiert, als er völlig weg war vom Fenster. So 15 bis 20 Mille werden es schon sein (na ja, seit seinem Comeback evtl. auch weniger)

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