20 Februar 2011

Tun Sie’s, verdammte Hacke!

Sehr geehrter Herr German Psycho,

heute habe ich ein zugegeben ungewöhnliches Anliegen an Sie, doch es ist sehr wichtig. So wichtig, dass ich gar die Form eines offenen Briefes wähle. Eingedenk der Befürchtung, mein Appell könnte Ihnen nicht behagen, ja sogar Ihren Ekel erregen, setze ich auf den öffentlichen Druck, den ein offener Brief gemeinhin auszulösen imstande ist. Und natürlich auf Ihre Vernunft und Einsichtsfähigkeit.

Hiermit also appelliere ich inständig an Sie: Wählen Sie heute bei der Hamburger Bürgerschaftswahl die FDP!

Wahrscheinlich verwundert Sie dieses Anliegen im höchsten Maße, war ich Ihnen doch bisher noch nie als Anhänger eines Westerwelle oder gar einer Suding aufgefallen. Und in der Tat, das ist auch weiterhin so. Doch manchmal muss man taktisch denken, und heute ist so ein Tag.

Denn nur, verehrter Herr German Psycho, wenn die Liberalen die 5-Prozent-Marke schnackeln, wird die Gefahr einer Alleinherrschaft von Olaf Scholz’ SPD sicher zu bannen sein – und bei diesem Unterfangen setze ich ganz und gar auf Sie.

Das liegt, wie Ihnen sicherlich bereits dämmert, an Ihrer staatsbürgerlichen Vergangenheit. Denn Sie haben bereits mehrfach bewiesen, im Bedarfsfall sowohl psychisch als auch physisch in der Lage zu sein, FDP zu wählen. Und deshalb erwarte ich nun diesen Dienst am hanseatischen Volk von Ihnen.

Klar, Sie sind, wie ich weiß, bitter enttäuscht von Schwarz-Gelb auf Bundesebene und wollten eigentlich keinesfalls mehr die Gelben wählen, auch nicht bei einer Landtagswahl. Wer könnte das besser verstehen als ich, und doch müssen Sie!

Wahrscheinlich wundern Sie sich nun, warum ich nicht selbst bereit bin, dieses beträchtliche Opfer zu bringen. Das will ich Ihnen gerne sagen: Ich kann nicht. Ich bin dazu schlicht nicht in der Lage. Meine Finger würden es in der Wahlkabine nicht schaffen, den Stift in Richtung der entsprechenden Felder zu führen. Ich habe es testweise auf dem Musterwahlzettel einmal ausprobiert, aber es geht einfach nicht, echt nicht.

Und das ist der Grund, sehr geehrter Herr German Psycho, weshalb Sie es tun müssen, nur einmal noch, bitte. Pro bono, contra Olaf, verstehen Sie?

Und jetzt tun Sie’s, verdammte Hacke!

Mit freundlichen Grüßen
Matt



Kommentare:

  1. Es gab sie doch immer schon.
    Jene, die da sprachen:"Mir sollen die Hände
    abfaulen wenn ich FDP wähle!"
    Ich habe jetzt noch den Verwesungsgeruch
    von Sept./Okt. 2009 in der Nase.

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  2. Dürfte daran liegen, das abfaulen in der Regel etwas länger dauert und somit die Verwesung praktisch noch andauert beim ein oder andern.

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  3. " wollten keinesfalls MEHR die Gelben wählen"....

    Darf ich aus dieser Formulierung schließen, dass es für den germanischen Psycho eigentlich bereits zur lieben Gewohnheit wurde, die Gelben zu wählen?
    ...Gut zu wissen.....

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  4. Ja, und komischerweise ist dieser Typ trotzdem intelligent, sympathisch, unterhaltsam und liebenswert. Ich versteh’s auch nicht.

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  5. Bono habe ich in den Wahlheften heute nicht gefunden.
    Zweimal komplett durchgelesen.
    Was erzählen Sie denn hier?
    Ein Skandal!

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  6. Echt? Mist, dann ist meine Stimme ungültig!

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  7. Lieber Matt, selbstverständlich verstehe ich Ihr Anliegen. Umgekehrt dürfte es ja ähnlich sein: Die Grünen, die nun seit Jahren beweisen, daß zwischen dem, was sie propagieren und dem, was sie in der Politik umsetzen, Welten liegen, könnten ja in der Hinsicht eine wunderbare Koalition mit der FDP eingehen.

    Ja, Sie haben selbstverständlich auch recht damit, daß eine absolute Mehrheit der SPD möglich wäre – nur: was ist daran so schlimm? Scholz ist ein guter Mann. Und wenn er nicht mit den Grünen koalieren muß, dann hab ich eine gewisse Hoffnung, daß wenigstens ein paar Projekte umgesetzt werden.

    Ihren Vorschlag kann ich daher aus rein taktischen Erwägungen nicht aufgreifen, stärkte doch meine Wahl der Liberalen ausschließlich die Grünen – und das wäre nun wirklich das Letzte, was ich möchte.

    (Zumal ich es einfach nicht mit meinem Gewissen vereinbaren kann, mit Grippe in ein Wahllokal zu gehen und womöglich auch nocht werktätige Menschen anzustecken. Sie wissen ja: Bruttosozialprodukt und so)

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  8. Nihilistin18:21

    Herr Matt, Herr Matt, was für ein Wochenende. Selbst wenn eine Direktwahl eines möglichen Bundespräsidenten KTvuzGuttenberg nur mit Stimmen der FDP zu verhindern wäre - stiften Sie bitte niemals Freund oder Feind zu so einer Tat an. Schärfen Sie dann lieber eigenhändig Herrn GPs Axt und lassen Sie stellvertretend Hektoliter Blut fließen - aber nicht DIESE Partei wählen (lassen). Bitte. Danke.

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  9. Frau Nihilistin, wir wollen doch unsere demokratischen Tugenden bewahren, ja? Ich halte von den Grünen ähnlich viel wie Sie von der FDP, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen usw usf.

    *genervt*

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  10. Nihilistin18:35

    Tut mir leid, dass Sie genervt sind. Ich würde eher noch CDU wählen (lassen) können als FDP. Sogar die Altstalinisten aus der SEDPDSLinken. Keine Ahnung warum das mit der FDP bei mir nicht geht. Vielleicht sollte ich das mal psychoanalysieren lassen.

    Aber nun keine Angst mehr - ich fordere ja nicht das Verbot oder die Abschaffung der FDP, sondern nur ihre Nicht-Wählbarkeit durch Stellvertreter.

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  11. Erstens, Frau Nihilistin: Jede demokratische Partei, die auf dem Boden des verehrungswürdigen Grundgesetzes steht, ist wählbar, und niemand, der eine dieser Parteien wählt, ist ein schlechterer Mensch als Sie. Punkt.

    Zweitens: Jede dieser Parteien vertritt bestimmte Klientelinteressen, und wenn Sie durch Schicksal oder eigenes Zutun dieser Klientel angehören, decken sich die Parteiinteressen möglicherweise mit Ihren – und dann können oder sollten Sie diese Partei auch wählen.

    Drittens: Das Kuriose an dieser Diskussion ist, dass der gute Herr GP meiner Aufforderung nicht mal nachkam, und zwar aus guten Gründen (die Sie aber mit Sicherheit nicht teilen würden).

    Viertens: Es hat alles nichts geholfen, Scholz hat die absolute Mehrheit errungen, trotz des Wiedereinzugs der FDP.

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  12. miele00:27

    pfui spinne, nu sind die drinne
    Herr Matt ist schuld
    hat er das gewollt

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  13. Matt, ich könnte mich natürlich jetzt leicht herausreden, daß ich krank war und so. Und in der Tat wäre ich heute so oder so nicht zur Wahl gegangen.

    Aber komischerweise bin ich mit dem Wahlausgang ganz zufrieden. Bis auf den Einzug der FDP in den Bürgerschaft. Sie mögen sich fragen, warum das so ist, wo ich doch aus meiner Sympathie für den Liberalismus nie einen Hehl machte? Nun, es ist ganz einfach. Ich glaube, daß die FDP eine Runderneuerung benötigt.

    Und jeder noch so kleine Sieg wird nunmal diese Runderneuerung verschieben.

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  14. Nihilistin09:30

    Herr Matt, Herr GP, ich weiß nicht wie ich zu der Ehre komme, mich wie eine grundgesetzverachtende Aussenseiterin fühlen zu müssen - ich hatte eigentlich nur in meinem üblichen Reeperbahn-Kommentar-Stil ein Stöckchen aufgenommen. Lassen Sie uns doch dann bitte wieder zur Tagesordnung übergehen, und ich übe hier in in Zukunft Enthaltung bzgl. parteipolitischer Einwürfe.
    Frau Nihilistin

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  15. Ach was, Sie dürfen hier sagen, was Sie wollen – und müssen halt mit dem Echo leben … ;)

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  16. Also, ähm, Herr GP, Sie wären "so oder so nicht zur Wahl gegangen" ...?

    Ok, Sie sind entschuldigt, aber eigentlich bedeutet dies, Sie hätten in jedem Fall die Nicht-Partei gewählt und somit Ihren politischen Willen nicht zum Ausdruck gebracht. Aber wann, wenn nicht am Wahltag, können wir Wähler unseren Willen besser zum Ausdruck bringen? Jedenfalls nicht, wenn wir die Nicht-Partei wählen, die niemals nichts sagt und ihre Meinung nicht vertritt.

    Das Argument "nur die eine Partei und sonst keine" kenne ich eigentlich nur aus meiner Vorgängergeneration, die ihren politischen Meinungsbildungsprozess mit dem Tod von Franz-Josef Strauß abgeschlossen hat. Aber da spielte die mittlerweile fernere Vergangenheit noch eine größere Rolle.

    Ich glaube immer noch daran, dass man nicht die beste Partei, sondern eigentlich das kleinste Übel wählt, so richtig passen tut eigentlich keine.
    Und unter der Prämisse, wie es Herr Wagner so schön ausdrückt, "jede demokratische Partei, ..., ist wählbar", hätte es da wirklich keine Alternative gegeben?

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