04 Februar 2011

In den Fängen einer Brillenschlange

Auf der Post. Ich möchte eine alte (und doppelte) Neil-Young-Langspielplatte verschicken, und zwar als Warensendung für 1,65 Euro.

Die Postbedienstete wiegt erst mal nach und dann bedauernd den Kopf: „Hm, 525 Gramm. Das sind leider 25 zu viel für eine Warensendung“, sagt sie. Die Alternative ist furchterregend: eine Verschickung als Päckchen für die utopische Summe von 4,10 Euro.

„Das ist ja nicht mal versichert“, maule ich. Die Frau nickt mitfühlend. „Sie wollen mich wieder mal in die Arme von Hermes treiben, nicht wahr?“, unterstelle ich ihr einfach mal betriebsschädigendes Verhalten.

Das will sie allerdings nicht auf sich sitzen lassen. Ihre Stimme wird ziemlich leise, und sie beugt sich leicht über den Tresen. „Wir können es“, raunt sie, „trotz der 25 Gramm zu viel als Warensendung frankieren. Aber wenn irgendjemand nachwiegt, dann kommt es zurück.“

Ich begreife sofort die Raffinesse ihres Vorschlags. Dabei handelt es sich um eine Art Wette. Da ich ein natural born Zocker bin, schlage ich ein.

Die Rahmendaten sind demnach folgende: Mein Einsatz beträgt 1,65 Euro, und wenn es klappt, gewinne ich die Differenz zum Päckchen, das sind immerhin 2,45 Euro, wenn auch nur virtuell, denn natürlich zahlt mir den Betrag niemand aus.

Geht es indes schief, und die Platte kommt zurück, ist der Einsatz von 1,65 Euro einfach so verloren, und ich muss die Neil-Young-LP erneut versenden, diesmal zum utopischen Preis – aber dann natürlich mithilfe von Hermes, da ist das Ganze für 4 Euro wenigstens versichert.

Erst als ich die Post schon wieder verlassen habe, dämmert mir plötzlich, dass die Postbedienstete das alles schon mitbedacht haben muss, als sie mir die Wette vorschlug.

Denn statt mich einfach so zu Hermes davonziehen zu lassen, machte sie mir spontan diesen kleinen konspirativen Betrug schmackhaft. So hat sie für die Post wenigstens sicher 1,65 eingenommen, anstatt gar nichts.

Jetzt fühle ich mich ein wenig übers Ohr gehauen, komme aber nicht umhin, dieser raffinierten Brillenschlange Respekt zu zollen.

Ich wette übrigens, dass niemand nachwiegt und die LP einfach so zugestellt wird.

Wer hält dagegen?

Kommentare:

  1. Anonym01:08

    Schön das sie bei der Post geblieben sind.

    http://www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2011/0127/hermes.php5

    Andii

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  2. Was wäre denn der Wetteinsatz? Weld habe ich schon, falls Sie auf diesen Gedanken kommen sollten. :)

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  3. The Australian09:45

    @Matt: really deep pockets and short arms! :)

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  4. Andii, danke für diesen Link. Ein brancheninterner Vergleich würde mich mal interessieren, um zu erfahren, wem man am besten sein Paket anvertraut.

    Zaphod, das war rhetorisch, da viel zu riskant. Natürlich wird das Ding zurückkommen, ich kenne mich doch.

    The Australian, I know who you are!

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  5. The Australian09:58

    @Matt: I'm sure you know it! :)

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  6. Ich glaube ja, daß „jemand” nachwiegen wird. Und zwar genau die Kollegin, die Ihnen das überhaupt erst vorgeschlagen hat.

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  7. Genau, GP hat Recht.
    Sie sind Opfer einer raffinierten Intrige geworden. Und wer kann das mal wieder ausbaden?
    Ich!
    Hab mal grob überschlagen, wie lange ich für 1,65 Euro bei Ihnen arbeiten muss:
    Drei Jahre, acht Monate, vier Tage und 17,5 Stunden!

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  8. GP, das wäre noch raffinierter, als ich eh schon dachte. Verdammt.

    Anna, das ist aber der Bruttobetrag, das wissen Sie schon, oder?

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  9. Anonym12:48

    Ich vermute eine Verschwörung der DP-Angestellten mit dem UPS! *oh armer Götterbote*
    Frau-Irgendwas-ist-immer

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  10. Ach so... Kam mir auch gleich so wenig vor, nur fast vier Jahre.
    Im Gegenzug hab ich ausgerechnet, wie lange Sie mein Chef sein müssen, damit Sie diese Summe von mir bekommen: 0,00003 Millisekunden.
    Da läuft doch etwas schief! Ich komm nur nicht drauf, was genau..

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  11. Sie haben beim Bestellen des Bloggartens ja alle Zeit der Welt, darüber nachzudenken, weil die Arbeit so gestaltet ist, dass Sie lediglich körperlich beansprucht werden. So weitsichtig wurde das alles arrangiert, und raten Sie mal, von wem.

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  12. Ich versteh die Frage nicht.








    Scherzchen...
    Sie wollen damit andeuten, Sie beziehen Ihr enormes Gehalt auf Grund Ihrer geistigen Höchstleistungen?

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  13. Was bleibt einem übrig, der zwei linke Hände hat?

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  14. Stimmt auch wieder.

    Ich geh dann mal die 138 Buchsbäume zu "Alice im Wunderland"-Motiven stutzen.. Oder vielleicht doch lieber "Schwanensee"..

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  15. Matt!
    Die Überschrift Ihres Posts ist frauenverachtend,tierfeindlich und rassistisch!

    Frl.Krise, Brillenträgerin aus Überzeugung

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  16. Ms. Columbo und ich sind auch Brillenschlangen, also KANN das gar keine Beleidigung gewesen sein. So.

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  17. B. Kloppt20:57

    Die Weld DoLP ist bei Discogs nicht unter 65,- Euro zu bekommen!
    So etwas verschicken Sie als Warensendung...?

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  18. Oh, da habe ich wohl viel zu wenig dafür genommen …

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  19. Anonym21:18

    Ich bekomme ständig LP's als Päckchen, obwohl das eigentlich von der Größe nicht (mehr) geht, und in die Warensendungs-Packungen schaut doch niemand rein geschweige denn es wiegt sie irgendwer, wer sollte auch das kontrollieren...

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  20. Anonym21:22

    Wenn es also wirklich wertvoll ist: Mit DPD oder, weil geringfügig teurer, mit Hermes. Spart definitiv eine Menge Ärger, mit der Post...

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  21. Ich bin jedenfalls davongekommen: Die wertvolle Warensendung wurde anscheinend problemlos zugestellt.

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