21 August 2014

„Wir bitten um Geduldig“


Schon länger verzweifle ich (und zwar nicht immer still und leise) am Rechtschreibniveau junger Menschen, die sich bei uns im Verlag um ein Praktikum bewerben und von einer Karriere im Kulturjournalismus träumen. Allerdings ist dieses Nie-wo keineswegs auf Möchtegernjournalisten beschränkt, sondern frisst sich wie Salzsäure durch die deutsche Sprachlandschaft. 

Ein Beispiel. Neulich beklagte ich mich bei einem Onlineversender, weil er die Versandkosten meiner Bestellung doppelt abgebucht hatte; heute nun erhielt ich eine Antwort. Sie lautet – und ich zitiere wörtlich:

Sehr geehrter Herr Wagner,
Wir bedauern sehr für die unangenehmen Vorgang.
Ihre Nachricht wurden uns zur zuständigen Abteilung weitergeleitet. 
Wir bitten um Geduldig.

Nein, diese Firma sitzt nicht in Hongkong und ist bedingungslos auf den Google-Übersetzer angewiesen, sondern mittenmang im Schwabenland, und die Absenderin trägt den schönen deutschen Namen Pfeiffer. 

Wahrscheinlich wollte Frau Pfeiffer eigentlich Journalistin werden, weil sie einst berauscht war von ihrem Schreibtalent, wurde allerdings von so einem Idioten von Redakteur als Praktikumsbewerberin abgelehnt und muss sich seither im Onlineversandhandel verdingen.

Die Welt, das Leben: ungerecht. 

PS: Die oben abgebildete, in St. Pauli entdeckte Spontiparole ist dagegen ja geradezu Gold. Ich meine: nur ein Kommafehler! Den Autor würde ich sofort als Praktikanten nehmen. Also: Wenn Sie das hier lesen, lieber Betongeborener – einfach mal bewerben.

Kommentare:

  1. Juhu! Endlich, endlich, endlich! Ich habe uns'ren Herrn Matt bei Rechtschreibfehlerei ertappt!

    "bei einen Onlineversender"

    Ich habe den Fehler gefunden, darf ich ihn behalten? :-D

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    1. Ein Fheler? Wo dänn?

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    2. Also ich hab ihm auch gesehen!

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    3. Haben Sie etwa Beweise …?
      Na bitte, wusst ich’s doch.

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    4. Ich mach doch keine Screenshots bei befreundeten Blogs.

      (Wobei, nächstes Mal schon. Und dann druck ich das auf ein T-Shirt und schenk es Ihnen.)

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    5. So ein Shirt hätte ich gern …

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  2. Hihi, ganz alte Regel: Sprachkritische Beiträge immer doppelt und dreifach prüfen.

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    1. Werde ich mir hinter die Ohren schreiben.

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  3. Raoul04:08

    Die Antwort des Onlineversenders verstehe ich eher als augenzwinkernden Verweis auf sämtliche Spammails, die einen mit der Erbschaft des reichen Prinzen, die leider nicht persönlich entgegen genommen werden kann, zu ködern versuchen. Und die Dame hat gut lachen: Sie hat ihr unrechtmäßig erworbenes Geld ja bereits.

    Bei dem Graffito hätte ich mir trotzdem einen Großbuchstaben am Satzanfang und ein kurzes Satzzeichen am Ende gewünscht (am Besten einen lakonischen Punkt).

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    1. Ja, so kleinlich hätte ich wahrscheinlich auch sein sollen. Nein: müssen.
      Sie haben völlig Recht.

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  4. Brick07:47

    Die Dame hieß aber nicht Minh Phuong Pfeiffer, oder ähnlich ? Würde einiges erklären.

    Gruß Brick

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    1. Nein, der Vorname verströmt den guten alten Mief der 70er-Jahre.

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  5. Die Seuche Rechtschreibmängel greift immer mehr um sich und wird zur Normalität. Als einsamer Kämpfer setze ich, aus leidiger Erfahrung, unter jede meiner Anzeigen in den Kleinanzeigen von ebay den folgenden Text: "Bitte schreiben Sie mir nur dann, wenn Sie Anrede, vollständige Sätze und Grußformel mit Ihrem Namen in Ihre Nachricht einsetzen können. Wer mich nicht vernünftig anschreiben kann, dessen Nachricht wird ohne Antwort gelöscht. Wenn Sie diesen Absatz nicht verstehen können, brauchen Sie es ebenfalls nicht versuchen."

    Sieht radikal aus, aber ich könnte ein Buch über dumme Mails schreiben, die mich zu den Anzeigen erreichten.

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    1. Dieses Buch würde ich sehr gerne einmal lesen.

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    2. Zu ähnlichen Klauseln habe ich mich auch schon hinreißen lassen. Ergebnis: Ich blieb auf meinem Kram sitzen. Offenbar liegen Kaufkraft und Offenheit für second hand leider in einem Segment der Bevölkerung, das es mit Formalität nicht so hat ...

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  6. Ralph14:47

    Ich habe auch liebe, nette Arbeitskollegen die haben einen astreinen deutschen Namen, den konnten Sie sich an der Grenze aus einem Katalog aussuchen. Den eigentlichen Namen sieht man nur auf ihren alten Papieren, z.B. Zeugnissen.

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  7. Zu dem obigen Spontispruch könnte man noch anmerken, dass Satzanfänge groß geschrieben und Satzenden gern durch einen Punkt markiert werden. Dann wären es drei Fehler. In einem Satz. Bekommt der Steineschmeißer jetzt immer noch ein Praktikum?

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  8. Das sehe ich so wie Ralph...viele 70er Jahre Namen sind grad mal ein paar Jahre alt und hießen früher ...witsch oder ...ski am Ende...:-D

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  9. Anonym11:33

    Herr Wagner,

    natürlich ist es nicht unwichtig, dass ein zukünftiger Journalist möglichst fehlerfrei schreiben kann, viel schöner wäre es jedoch, wenn er Kreativität, Charme und Witz besäße. Ich habe mir nun einige Ihrer Texte durchgelesen und Letzteres ist in Ihrem Fall leider Mangelware, so viel Langeweile in einem Blog habe ich selten erlebt.
    Vielleicht hätten Sie lieber Lehrer oder Korrekturleser werden sollen, denn zum Scheiben fehlt Ihnen offensichtlich die Begabung.

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    1. Oh Mann, es tut mir leid, wenn Sie hier ungewollt Lebenszeit verschwendet haben.
      Ein Gutes aber hat es doch: Mein Interesse an jenen Blogs, die Sie im Gegensatz zu diesem hier nicht nur nicht langweilen, sondern geradezu entflammen vor Begeisterung, ist in höchstem Maße geweckt. Wären Sie so liebreizend und gäben hier ein paar Empfehlungen samt Links? Das wäre zauberhaft.

      (PS: Sie dürfen sich übrigens geehrt fühlen: Ein Anonymus wie Sie wird normalerweise einfach in der Trollschublade abgelegt. Aber wie gesagt: Sie haben mich neugierig gemacht.)

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