04 Juli 2014

Eine Mail aus der Hölle


Kundenzentrum-StPauli@hamburg-mitte.hamburg.de

Sehr geehrte Dame, sehr geehrter Herr,

ich maile Ihnen aus der Hölle: St. Pauli.

Seit Wochen jagt eine Großveranstaltung die nächste. Sie machen unsere Wochenenden unerträglich, eins nach dem anderen. Erst Motorradgottesdienst, dann Schlagermove, nun drei Tage lang Harley Days. 


Wie ist es möglich, dass z. B. schwere Motorräder offenbar keinerlei Lärmemissionsgrenzen einhalten müssen? Seit heute morgen donnern sie durch unsere Wohnstraße, und das wird bis Sonntag so weiter gehen.

Wie soll man es im Sommer in St. Pauli überhaupt noch aushalten? Wie kann es sein, dass die Stadt Hamburg durch Genehmigungen allsommerlich praktisch die Unbewohnbarkeit eines ganzen Stadtviertels fördert, das als Amüsierviertel eh schon ganzjährig außergewöhnlichen Belastungen ausgesetzt ist?

Für eine Antwort danke ich Ihnen schon vorab. Und fordere hiermit ausdrücklich eine Änderung dieser Politik, im Sinne der Gesundheit aller St. Paulianer.

Mit freundlichen Grüßen
Matt

Kommentare:

  1. Anonym00:40

    Du erinnerst ein wenig an den, der mit dem Rentenalter bemerkt, dass er neben einer KiTa wohnt.

    AntwortenLöschen
  2. Plumpes Duzen qualifiziert Sie leider nicht dafür, mit einer sachdienlichen Antwort gewürdigt zu werden. Aber das ahnten Sie sicher schon.

    AntwortenLöschen
  3. Anonym11:33

    Wer in den Großraum Kiez zieht, weiß vorher, daß es dort laut ist.
    Wenn einen das so sehr "belastet" gibt's 'ne ganz einfache Lösung:
    umziehen in einen ruhigeren Stadtteil. Hamburg hat da so einige zur Auswahl ...

    Gruß Paddy

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Anonym16:08

      Ach Gott, die alte "zieh doch weg!"-Leier !
      Ich glaube, Paddys Platte hat nen Sprung ! Haha :D

      Löschen
  4. Klar, die alte „Geh doch rüber“-Argumentation … Kenne ich noch aus den 80ern.

    Als wir 1996 auf den Kiez gezogen sind, war St. Paul ein Rotlicht-, aber kein Remmidemmiviertel, in dem jeder dahergelaufene Veranstalter sich ohne Rücksicht auf Verluste eine goldene Nase verdienen kann. Wenn Sie das toll finden: Ihre Sache. Wir nicht.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Anonym21:01

      1996 ist ja nun auch schon einiges an Jahren, nämlich deren 18, her.

      Löschen
  5. Anonym19:43

    Immerhin bekommt jeder das Wetter, das er verdient: Hafengeburtstag, Ronald Schill Memorial Motorradtreffen.

    AntwortenLöschen
  6. Anonym22:22

    Es gibt in Hamburg zwei 'Amüsierviertel'. Eines ist St. Pauli und eines ist/wird die HafenCity (noch im Bau, darum noch nicht voll genutzt).

    Lisa

    AntwortenLöschen
  7. Anonym16:07

    Es ist nicht auszuhalten! Die Stadt Hamburg macht nicht nur St Pauli für 3 Tage unbewohnbar.
    Freunde und Kollegen aus sämtlichen angrenzenden Stadtteilen klagen über das rücksichtslose Gedröhne. Eine ganze Stadt wird terrorisiert.

    Hilft nur: Strenge Dezibel-Begrenzungen und saftige Geldstrafe bei Mißachtung - außerdem Punkte in Flensburg bis hin zu sofortigem Führerscheinentzug.
    Und rigorose Sperrung der kleinen Seitenstraßen für die Verkehrs-Rowdies !
    Wo bleibt eigentlich die Polizei bei den Harley Days ?!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Anonym18:13

      "Strenge Dezibel-Begrenzungen und saftige Geldstrafe bei Mißachtung - außerdem Punkte in Flensburg bis hin zu sofortigem Führerscheinentzug."......ääääh, all das gibt es bereits. Vielleicht mal ins Gesetz bzw. den Bussgeldkatalog linsen, eh man rumkrakeelt, hmm? Grüße, Angela

      Löschen
  8. Olaf aus HH16:56

    Hallo Herr Matt,
    danke dafür - ich wußte, Sie würden etwas dazu schreiben.
    Heute nachmittag (06.07.2014) hatte ich auch an das Bezirksamt HH-Mitte (Genehmigungsbehörde) eine entspannte freundliche e-mail geschickt, die zu lang ist, um sie hier zu zitieren.
    Ich schicke Sie Ihnen per e-mail direkt. Wenn Sie wollen, zitieren Sie gerne daraus.

    Beste Grüße
    Olaf

    AntwortenLöschen
  9. Ich kann Sie verstehen.
    Es wird aber in allen Stadtteilen schlimmer, auch in unserem beschaulichen Viertel zwischen Wandsbek und Horn.
    Oktoberfest, Derby, verkaufsoffene Sonntage, "Flohmärkte", Winter- und Sommerzauber und zwischendurch fällt irgendjemandem noch was ein....
    Kleine und große Messerstechereien, fürchterliche Unfälle und Schnapsleichen sind die Folge.
    Vom andauernden Lärm durch das hohe Verkehrsaufkommen und die Menschenmassen fange ich gar nicht erst an.
    In den 20 Jahren, die wir hier leben hat sich die Wohnqualität nicht verbessert.
    Warum die Immobilienpreise immer weiter steigen ist mir ein Rätsel.

    Ich wünsche Ihnen einen ruhigeren Sommer.

    AntwortenLöschen
  10. Ich zog 1992 auf den Kiez, Silbersackstraße. Damals gab es schon: Schlagermove, Motorradgottesdienst, Harley Days, FC St. Pauli, Weltmeisterschaften, Samstage, übermotorisierte Halbwelt, Alkohol, Polizeieinsätze uvm. Hat Spaß gemacht. Aber ich weiß schon, warum ich da nicht mehr wohne. Herr Wagner, bleiben Sie, genießen Sie und halten es aus. Oder ...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hab gerade noch mal nachgesehen, die Harley Days und den Schlagermove gabs damals tatsächlich noch nicht. Ruhig wars trotzdem nie.

      Löschen
    2. Natürlich nicht. Aber St. Pauli ist erst in den letzten Jahren zum Ballermann des Nordens verkommen, zur mit vomitierenden Vorstädtern bevölkerten Remmidemmihölle – und zwar mit tatkräftiger Unterstützung der Freien und Hansestadt Hamburg.

      Löschen
    3. Ich kann gewisse Kritikpunkte verstehen, gewisse aber auch nicht.
      Wie schon gesagt wurde: Laut wars auf dem Kiez immer schon, auch als ich vor 24 Jahren das erste Mal nach Hamburg kam. Man sollte also wissen, worauf man sich einlässt.
      Wenn man aber das Verhalten vom Partyvolk - egal ob das an einem "normalen" Samstagabend oder während des Schlagermoves ist - beobachtet, fragt man sich schon, in welcher Welt wir leben.
      Es sind ja nicht nur vomitierende Vorstädter - ich habe so das Gefühl, dass "auf den Kiez gehen" für einige gleichbedeutend ist mit "So richtig mal ungestraft die Sau rauslassen können".

      Und wenn dann noch so "hamburgtypische" Events wie Schlagermove oder zweirädrige Spassveranstaltungen dazukommen (die übrigens offensichtlich auch nach dem Motto "so richtig mal die Sau rauslassen stehen"), kann ich verstehen, wenn das Fass wie im Falle von Hr. Wagner irgendwann überläuft.

      Selbst Besitzer und Benutzer amerikanischen Alteisens und mit einem gewissen Verständnis für "Soundmanagement" ausgestattet wars mir, ehrlich gesagt, dieses Jahr am letzten Wochenende auch zu laut. Unser Büro liegt in unmittelbarer Sichtweite des Empire Riverside, und man konnte dort bereits am Mittwoch Gäste beobachten, die vor dem Hotel gutgelaunt die DB-Eater und Katalysatoren aus den Auspuffen entfernt haben - weil "in Hamburg darf man das".
      Ich versteh einfach nicht, dass man zehntausende von Euros in Alteisen investiert und dann die 2 K€ für ein vernünftiges Soundmanagement (das den Auspuff wie vom Gesetzgeber gefordert erst bei 80km/h öffnet) offensichtlich nicht mehr übrig sind.
      Nach dem, was ich am Wochenende gehört habe, hätte ich nix gegen die eine oder andere Kontrollmaßnahme der "Rennleitung" im Wohngebiet - vielleicht würde es die Auswüchse auf ein halbwegs vertretbares Maß zurückstutzen.

      Löschen
    4. Olaf aus HH15:44

      Hallo Dieter Dolezal,

      ein informativer Beitrag (zum "DB-Eater"), danke dafür von einem Leser des Blogs.
      Es geht ja - wenigstens mir - auch nicht darum, daß hier absolute Stille herrschen soll, natürlich hat Pauli auch seinen Charme daher, weil es ein Amüsier- und Freudenviertel :-) ist. Das soll ja auch nicht pauschal abgestellt werden, es würde mir (und wohl auch vielen anderen) sonst vermutlich auch etwas fehlen. Abgesehen von Urin-, Blut-, Vomitations- und Defäkationsspuren an Häusern und in deren Eingängen.
      Aber diese elend lärmigen "Events" (Schlagermove und Alteisenbewegung u.ä.) haben den Erkenntniseffekt, daß man zwar ggf. wegsehen, aber nicht WEGHÖREN kann.
      Hier flippen (bei einer Nachbarin in der Nähe, woanders vielleicht auch) angesichts dieses dröhnenden Gedonners die kleinen Kinder aus, die sich irgendwann heulend hinten im Bad im Dunklen mit einer Decke in die trockene Badewanne gesetzt haben (! Habe ich heute erfahren). Ich habe auch von einer Freundin gehört, daß ihre Hündin bei solchen Ereignissen ähnlich reagiert, wie sie es bei schweren Gewittern tut.
      Und dann das ist einfach krank, s.o.l.c.h einen - vor allem kommerziellen - Mist immer wieder zu genehmigen.
      Die harley day werden veranstaltet von:

      uba gmbh
      events & event-consulting
      ein Unternehmen der bergmanngruppe
      Offakamp 23
      22529 Hamburg

      fon 040/46 88 22 11
      fax 040/46 88 22 12
      info@bergmann-gruppe.net,

      die man auch googeln kann.
      Heute habe ich auf meine recht militant-wütende e-mail vom Sonntag (06.07.2014) eine Antwort erhalten:

      "Sehr geehrter Herr M.,
      Ihre Nachricht wurde an mich weiter geleitet. Ich werde Sie dem Eventausschuss und anderen Stellen zur Kenntnis geben. Ansonsten möchte ich auf Stil und Inhalt nicht eingehen.
      Mit freundlichem Gruß
      C. R.
      Bezirksamt Hamburg-Mitte
      Fachamt Management des öffentlichen Raumes
      MR 1120 Sachgebietsleitung Eventmanagement, Kunst im öffentlichen Raum und Infostände
      Klosterwall 8, 20095 Hamburg
      Telefon 42854-2777 Fax - 427901275
      Cc: K., I.
      Betreff: WG: Beschwerde Harley-Days"

      Mal sehen, ob sich nicht doch etwas bewegt, alleine ist Herr Matt jedenfalls nicht. Ich bin mir sicher, daß etliche mehr oder weniger wütende e-mails, Briefe und Anrufe beim Bezirksamt Hamburg-Mitte eingegangen sind.

      Beste Grüße
      von
      Olaf aus HH




      Löschen
    5. Auch ich habe heute eine Antwort von Herrn C. R. erhalten:

      „Sehr geehrter Herr Wagner,

      Ihre Nachricht habe ich erhalten. Ich möchte wie folgt antworten: Einen „Politikwechsel“ kann ich alleine nicht herbeiführen, aber ich werde Ihre Nachricht im Eventausschuss und anderen Stellen zur Kenntnisnahme bringen.


      Mit freundlichem Gruß
      C. R.
      Bezirksamt Hamburg-Mitte
      Fachamt Management des öffentlichen Raumes
      MR 1120 Sachgebietsleitung Eventmanagement, Kunst im öffentlichen Raum und Infostände
      Klosterwall 8, 20095 Hamburg“

      Löschen
  11. Nun gut, ich lebe seit fast 20 Jahren nicht mehr dort. Kann sein, dass es viel schlimmer geworden ist. Aber schon damals musste man auf alles gefasst sein, wenn man die Haustür geöffnet hat. Am Anfang unserer Zeit dort haben wir den Trubel geliebt, nach 5 Jahren war es allen Beteiligten zu viel geworden. Ich vermute, nicht die äußeren Bedingungen hatten sich geändert, sondern die Geduldsfäden waren verschlissen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Eins kann ich Ihnen bestätigen: Es IST schlimmer geworden.

      Löschen
  12. Vielleicht tröstet es ein bisschen, dass man selbst, wenn man raus auf's Dörben zieht, auch nicht gefreit ist vor Lärmterror. Zwar bretzeln hier nicht in schöner Regelmäßigkeit Harleys durch die Gegend (dafür Jugendliche mit ihren aufgemotzten Karren und wummerndem Bass bei Nacht) und glücklicherweise hinterlässt hier i.d.R. auch niemand seine Körperflüssigkeiten (öchz), aber ansonsten interessiert sich hier auch keine Sau für Ruhezeiten und so'n überflüssigen (?) Krams. Stichwort: Hauseigentümer.
    Das allsommerliche "Rasenmäher-Domino" ist da noch das geringste Übel...
    Und wenn dann mal ausnahmsweise die Nachbarn nicht lärmen, dann lärmt die Stadt (Heckenschneidearbeiten und Co; so oft, wie die hier antreten, dürfte hier schon lang nix mehr wachsen...)

    Ist im Vergleich zum Lärmpegel auf St. Pauli sicherlich nur Kleinkram, dennoch nicht weniger nervtötend. (Leider kann man sich nicht mal beschweren, denn dann hat man ganz schnell Moschendrohtzeoun-Nachbarschaftskrieg. *tilt*)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Anonym18:17

      Man könnte beispielsweise auf den *hüstel* MOND ziehen, da ist es bestimmt herrlich ruhig! Eine Überlegung wert? Grüße, Angela

      Löschen
  13. Anonym13:01

    Ein Mail aus der Hölle? Einmal ganz im Ernst, wenn Sie es so sehen möchten - was hält Sie, wenn Sie die Wahl haben? Ich selbst wohne seit gut 20 Jahren wechselnd, aber nie weiter als 200 Meter von der Reeperbahn. Auf die Idee, ich wohnte woanders als in einem Vergnügungsviertel mit Krach, Rotlicht, Alkohol und Gewalt, bin ich nie gekommen. Und ich wünschte mir inzwischen viel mehr von all dem - auch wenn ich selbst Motorräder nicht ausstehen kann, sind sie mir willkommen für die, die sich darüber ärgern möchten.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Sie wollen mehr Gewalt? Ich nehme mal zu Ihren Gunsten an, dass Sie nicht genau wissen, wovon Sie reden.

      Löschen