01 Oktober 2014

Tiroler Nachlese – mit Pareidolie Nr. 100!



Wahrscheinlich löst dieses im Zillertal entdeckte Hinweisschild bei Touristen aus dem englischsprachigen Raum kein „Must see“-Gefühl aus – im Gegensatz zum Grab des legendären Skikönigs Toni Sailer. 

Es liegt auf einen traumhaft schönen Kirchhof in Kitzbühel, dessen Anblick man auch Toni Sailer weiterhin wünschen würde. Angenehm sachlich seine Grabinschrift: „Berühmt, beliebt, bescheiden“. Wahrscheinlich stimmt sogar alles davon.









Dieses zornige Steingesicht entdeckte ich auf einem recht mühseligen Bergpfad oberhalb der Baumgrenze. Auch die Alpen können also Pareidolien. Nach über einer Stunde Gekraxel über besagten Pfad und der Bewältigung von mehr als 200 Höhenmetern erreichten wir ächzend den Wildsee, wo wir uns stantepede auf die Holzbänke der dort ansässigen Gastronomie fallen ließen. 

„Haben Sie hier oben eigentlich einen Hubschrauberlandeplatz, oder wie kommen Sie jeden Tag hier rauf und runter?“, fragte ich die etwa 25-jährige Servicekraft. „Zu Fuaß“, sagte sie, „in oaner hoalbe Stund.“

Warum gibt es eigentlich nicht mehr Olympiasieger aus Österreich?





Völlig problemlos kann man in diesem unverkrampften Alpenland übrigens weiterhin einen Kuchen namens „Mohr im Hemd“ bestellen, und keiner guckt komisch. Und der Espresso heißt zu allem Überfluss auch noch „Kleiner Brauner“, und zwar nicht nur in Braunau am Inn, sondern auch in St. Johann.
 
Ebenda erweist der Tiroler sich gendertheoretisch als erfrischend rückständig. Sonderpreise für „Pensionisten und Damen“ auszurufen, traut man sich bei uns nur noch in Hessen aufm Dorf. Na gut, wahrscheinlich auch in Bayern, Franken, Schwaben und sicher auch in Sachsen. Hauptsache aufm Dorf.


Volldeppenapostrophe versuchten wir mit der Reise nach Tirol zuverlässig zu fliehen, doch leider waren sie schon vor uns da. Im deutschsprachigen Europa wächst eben zusammen, was zusammengehört.

Also können wir auch getrost nach St. Pauli zurückkehren. Hiermit geschehen.



Kommentare:

  1. Und was war nun Danmark? Hot-Dog wär wahrscheinlich zu einfach.

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    1. Ein Eisbecher, und zwar nicht in Wurstform.

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    2. Am Ende schon ...

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    3. Auch wieder wahr. Aber das ist natürlich eine Plattitüde.

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  2. Also, wir machen ja jedes Jahr Urlaub eine Talstrecke südlicher und geh'n auch auf die Berch. Aber, Sie haben da vollkommen recht, 200 Höhenmeter pro Tag sind mehr als genug - wird's mehr, braucht man noch ein zweites Paar Schuhe, weil man zum Paarhufer in der Unterfamilie Ziegenartige mutiert.

    Apropos Apostroph: Wie sagen die Einheimischen eigentlich? Gamsfeder am Hut oder Gamsfeder aufm Hut?

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    1. Wir haben nur welche gesehen, aber niemand drüber reden hören. Wird beim nächsten Besuch geklärt.

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  3. Nein, nein, nein, das wird mir jetzt wirklich zu traurig! Schreibkrise hin oder her – ich will nicht länger jeden Tag auf die Camping-Hölle und das feiste Sailer-Gesicht starren müssen. Deshalb der folgende Vorschlag (immer mal vorausgesetzt, dass Sie noch keine endgültige Entscheidung über die Fortführung des Blogs getroffen haben): Warum überbrücken Sie die Krisenzeit nicht mit Re-Posts der schönsten Einträge aus neun Jahren "Auf der Rückseite der Reeperbahn" (die dann natürlich als alt gekennzeichnet werden sollten, etwa mit einem Stempel "Best of Matt" oder so)? Da gäbe es doch so viel Erinnernswertes! Sollte das doch zu viel Arbeit machen, dann wäre mir und bestimmt vielen anderen auch schon mit einem hoffnungsmachenden Baustellenschild (à la "Der nächste Post ist in Arbeit") oder Ähnlichem geholfen - alles ist besser als weitere 16 Tage die "Tiroler Nachlese"!

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